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Ein Stern namens Mama von Fessel, Karen-Susan (eBook)

  • Verlag: Oetinger Taschenbuch
eBook (ePUB)
5,99 €
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Online verfügbar

Ein Stern namens Mama

Worte gegen die Stille: Wenn die Menschen gestorben sind, werden sie zu Sternen, hat Mama gesagt. Natürlich weiß Louise, dass Sterne eigentlich kleine Himmelskörper sind, die von der Sonne angestrahlt werden. Aber schließlich ist das Weltall noch nicht so ganz erforscht. Kann also immerhin sein, dass Mama jetzt tatsächlich ein Stern ist, der vom Himmel runterleuchtet und deshalb immer bei ihnen sein wird, oder? 'Ein Stern namens Mama' von Karen Susan Fessel steht auf der Empfehlungsliste des Evangelischen Buchpreises. Karen-Susan Fessel, 1964 in Lübeck geboren, studierte Theaterwissenschaften, Germanistik und Romanistik und lebt als freie Journalistin und Schriftstellerin in Berlin. Sie hat zahlreiche Romane und Erzählbände für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Bereits ihr erstes Kinderbuch 'Ein Stern namens Mama', 1999 erschienen, war ein großer Erfolg und wurde sogleich sowohl auf die Bestenliste des Zürcher Kinderbuchpreises 'La vache qui lit' als auch auf die Empfehlungsliste des Evangelischen Buchpreises gesetzt. Ihr Titel 'Und wenn schon!' stand u.a. auf der Liste der BESTEN 7 (Deutschlandradio/Focus) und war 2003 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Karen-Susan Fessel ist Autorin mit Leib und Seele und sagt: 'Ich mache das, was ich mein ganzes Leben lang machen wollte - ich schreibe Bücher. Ich bin eigentlich ein fröhlicher Mensch, aber ich schreibe viel Trauriges, Ernstes, Schwieriges. In meinen Büchern geht es fast immer um Kinder und Jugendliche, denen es nicht so besonders gut geht oder die es nicht besonders leicht haben. Ich glaube nämlich, dass das helfen kann, wenn es einem selbst nicht so gut geht: wenn man sieht, dass andere die gleichen oder ähnliche Probleme haben oder vielleicht auch viel schlimmere und dass sie daran trotzdem etwas ändern können. Das Leben ist nicht immer lustig und leicht. Aber Bücher lesen kann helfen. Und wenn eines meiner Bücher auch nur einen einzigen Menschen tröstet, ihm Mut oder Freude macht oder hilft, andere Menschen besser zu verstehen, dann hat sich für mich das ganze Schreiben schon gelohnt!'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864180361
    Verlag: Oetinger Taschenbuch
    Größe: 1082 kBytes
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Ein Stern namens Mama

Der Knoten

H eute Morgen bin ich aufgewacht und habe als Erstes auf den Kalender geguckt, der neben meinem Bett hängt. Noch acht Tage, dann habe ich Geburtstag. Ich werde elf.

Janni sagt, dass der elfte Geburtstag ein ganz besonderer ist. Das sagt er aber jedes Mal, wenn ich Geburtstag habe. Letztes Jahr zum Beispiel. Wir haben alle um den Tisch rum gesessen und Abendbrot gegessen, Mama, Papa, Ruben, Janni und ich. Und plötzlich hat Janni gesagt: "Alle Achtung, Louise wird zehn! Das ist ungeheuer bedeutsam!" Dazu hat er ein ganz wichtiges Gesicht gemacht und die Stirn gerunzelt, und ich musste lachen, weil er so komisch ausgesehen hat. Da hat Janni streng geguckt und gesagt: "Lach nicht, Louise, der zehnte Geburtstag ist ein ganz besonderer!" Und als ich gefragt habe, warum, hat er geantwortet: "Na, weil man nur einmal zehn Jahre alt wird! Das stelle man sich mal vor: Ein einziges Mal im ganzen Leben wird man zehn Jahre alt! Wenn das mal kein ganz besonderer Geburtstag ist!"

Papa hat sich an die Stirn getippt und gegrinst, und Mama musste auch lachen, genau wie ich. Nur mein kleiner Bruder Ruben hat ein bisschen dumm geguckt. Aber das ist kein Wunder, denn Ruben war da erst fünf, und manche Witze hat er damals eben noch nicht so richtig verstanden.

Aber ich glaube, diesmal hat Janni wirklich recht, wenn er sagt, dass mein elfter Geburtstag ein ganz besonderer ist. Es ist nämlich mein erster Geburtstag ohne Mama. Mama ist vor drei Monaten gestorben, und deshalb ist sie jetzt nicht mehr hier, bei uns, sondern ein Stern am Himmel. Mama ist jetzt ein Stern.

Natürlich weiß ich, dass Sterne eigentlich kleine Himmelskörper sind, die von der Sonne angestrahlt werden oder so. Aber schließlich hat Mama selber gesagt, dass sie ein Stern wird. Und außerdem ist das Weltall ja noch gar nicht so ganz erforscht. Kann also doch immerhin sein, dass die Menschen tatsächlich zu Sternen werden, wenn sie gestorben sind, so wie Mama behauptet hat. Papa glaubt es ja irgendwie auch. Dass Mama ein Stern ist. Ab und zu, abends, wenn es dunkel ist, geht er mit Ruben und mir raus in den Garten, und dann stehen wir da und gucken hoch in den Himmel.

"Seht ihr die Sterne da oben?", hat Papa uns gefragt, als wir das zum ersten Mal gemacht haben. "Einer davon ist Mama. Mama ist jetzt ein Stern und leuchtet zu uns herunter."

"Und welcher?", wollte Ruben wissen.

Papa hat den Kopf geschüttelt. "Ich weiß nicht genau. Es sind einfach zu viele. Aber einer davon ist Mama, das weiß ich genau."

"Und wie weit weg sind die Sterne?", habe ich gefragt. Da hat Papa eine ganze Weile geschwiegen, und dann hat er den Arm um mich gelegt und mich fest an sich gedrückt.

"Unendlich weit weg, weiter, als wir jemals gehen können", hat er geantwortet. "Wir können zwar nicht zu den Sternen hin, aber sie können uns sehen."

"Und kommt Mama wirklich nie wieder?", hat Ruben gefragt. Das fragt er immer noch manchmal, wenn wir von Mama reden, und dann werde ich jedes Mal ganz traurig.

"Nein", hat Papa gesagt. "Mama kommt zwar nicht wieder zurück, aber sie bleibt für immer da oben. Und deshalb ist sie auch nicht ganz fort, versteht ihr? Mama ist für immer da oben und leuchtet zu uns herunter. Und eines Tages, wenn wir sterben, dann werden wir selber zu Sternen und leuchten den anderen Menschen."

"Aber ist Mama nicht einsam da oben?", hat Ruben gefragt und Papa hat den Kopf geschüttelt.

"Nein, Ruben", hat er geantwortet. "Guck doch, da sind ganz viele Sterne um sie herum. Die haben es so gemütlich da oben wie ihr beide in euren kuschligen Betten. Und jetzt wird es höchste Zeit, dass ihr euch da hineinlegt."

Eigentlich darf ich länger aufbleiben als Ruben, aber an jenem Abend bin ich gerne so früh ins Bett gegangen. Ich habe mich tief in die Kissen gekuschelt und aus dem Fenster geguckt, und so, wie ich da gelegen habe, konnte ich sogar ein paar Stern

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