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Eine Geschichte der Zitrone von Cotterill, Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2016
  • Verlag: Königskinder
eBook (ePUB)
11,99 €
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Eine Geschichte der Zitrone

Wie gern hätte Calypso eine richtige Freundin! Vielleicht wird es ja Mae, die Neue in der Klasse? Die ist genauso ein Bücherwurm wie sie. Auch wenn für Mae ein Buch nur gut ist, wenn sie am Ende richtig heulen muss. Aber Calypsos Dad findet, man soll sich nicht auf andere einlassen. Er hat ohnehin keine Zeit für so was - er schreibt sein Meisterwerk über die Geschichte der Zitrone. Und scheint darüber oft zu vergessen, dass er eine Tochter hat. Je mehr Zeit Calypso bei Mae und ihrer herzlichen Familie verbringt, desto klarer wird ihr, wie seltsam, staubig und leer ihr eigenes Zuhause ist. Damit sich das endlich ändert, müssen alle zusammenhelfen. Ein Hymne auf das Lesen und die Freundschaft! Jo Cotterill hat als Schauspielerin und als Lehrerin gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie hat schon einige Bücher veröffentlicht, die vielfach ausgezeichnet wurden. "Eine Geschichte der Zitrone" ist das erste Buch von Jo Cotterill, das auf Deutsch erscheint. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der englischen Grafschaft Oxfordshire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 29.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646929256
    Verlag: Königskinder
    Größe: 4629 kBytes
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Eine Geschichte der Zitrone

2

Als ich nach Hause komme, grüble ich immer noch über Mae und ihre Stöckchen nach. Ich schließe die Haustür auf und schleiche auf Zehenspitzen an der Bibliothek vorbei, um Dad nicht beim Arbeiten zu stören. Durch die mächtige alte Holztür auf der linken Seite des Flurs hört er mich wahrscheinlich sowieso nicht, aber ich habe mir angewöhnt, leise zu sein. Dann gehe ich die Treppe in mein Zimmer hoch und fange mit den Hausaufgaben an.

Die Bibliothek ist schon immer Dads Arbeitszimmer gewesen. Mum hatte oben, im kleinen Gästezimmer, ein Atelier, das wir nach ihrem Tod in eine Bibliothek für mich umgewandelt haben. Ich habe also ein Schlafzimmer und ein Lesezimmer, ich Glückspilz. Ich kenne nämlich niemanden in meinem Alter, der ein ganzes Zimmer nur für seine Bücher hat. Als Mum noch lebte, war es voller Leinwände und Staffeleien und Ölfarben und Wasserfarben und Pinsel und Terpentinersatz. Es riecht immer noch ganz schwach nach Ölfarben, obwohl die seit Jahren weggeräumt sind. Ich mag es, dass ich in meiner Bibliothek zwischen den Wänden mit den Bücherregalen sitzen und die Erinnerung an Mum einatmen kann, während ich lese. Es ist mein eigenes kleines Reich, und Dad betritt es nie.

Als ich die Hausaufgaben fertig habe, gehe ich runter, um Tee zu kochen. Der Vorratsschrank ist fast leer, wie immer, aber es gibt noch Brot und Käse - und eine Dose Bohnen in Tomatensoße. Ich toaste das Brot und mache mir die Bohnen warm und reibe ein bisschen Käse drüber. Dann setze ich mich an den Küchentisch und esse mit einer Hand. Mit der anderen halte ich ein aufgeschlagenes Buch. Ich lese gerade Pollyanna , ein Buch von früher. Es nervt mich ein bisschen, weil die Heldin furchtbar langweilig ist und immer nur will, dass alle sie mögen. Allmählich frage ich mich, ob ich es überhaupt zu Ende lesen soll. Ein Mädchen wie Anne aus Anne auf Green Gables liegt mir viel mehr. Oder Sophie aus Sophie auf den Dächern oder Willow aus Glück ist eine Gleichung mit 7 . Mädchen, die abenteuerlustig sind und gern träumen. Die nicht andauernd nur "alle fröhlich machen".

Als ich aufgegessen und abgespült habe, ist Dad immer noch nicht aufgetaucht, also mache ich ihm eine Tasse Tee und bringe sie in die Bibliothek.

"Dad?" Ich klopfe an die schwere Tür und drücke sie auf.

Dads Schreibtisch steht an der linken Wand. Er sitzt da wie immer, den Kopf über ein Manuskript gebeugt. Er ist Korrektor, das heißt, er liest Bücher, bevor sie gedruckt werden, und sorgt dafür, dass sie perfekt sind. Dad entdeckt Fehler, die zehn Lektoren übersehen haben. Obwohl wir heutzutage so viele Computer haben, ist mein Dad im Korrekturlesen unschlagbar. Er hat zwar auch einen Computer, aber er benutzt ihn fast nie. Er sagt, es ist unmöglich, Fehler am Bildschirm richtig zu erkennen, deshalb druckt er jedes Manuskript aus und stapelt sie alle ordentlich auf seinem Schreibtisch auf.

Es ist ziemlich düster in dem großen, rechteckigen Raum. Die Bäume im Vorgarten sind so gewachsen, dass sie das Licht blockieren, das eigentlich durch das große Erkerfenster hereinfallen sollte - und heute ist es sowieso bewölkt. Ein paar Jahre bevor wir eingezogen sind, haben die damaligen Bewohner ein Loch in die Wand geschlagen und eine Glastür zu einem Anbau eingesetzt, eine Art Wintergarten oder Gewächshaus oder so. Danach hatten sie wohl Sorge, dass die Sonne ihre Bücher kaputt macht, denn sie befestigten große geschnitzte Lamellentüren an den wunderschönen alten Holzregalen, die drei Wände des Raums einnehmen. Inzwischen dringt das Sonnenlicht nicht mehr bis zu den Regalen vor, aber die Lamellentüren sind trotzdem immer zu, aus Gewohnheit. Dad muss seine Schreibtischlampe anknipsen, aber er mag es so. Ich auch. In der Bibliothek ist es still und dunkel und behaglich. Manchmal stelle ich mir vor, wie die Figuren aus den Büchern hinter den Tür

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