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Eulenland von Ehmke, Jutta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2015
  • Verlag: Verlag Saphir im Stahl
eBook (ePUB)
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Eulenland

Einige Kinder und Jugendliche, die sich selbst die Eulen nennen, haben von einem Unbekannten eine Zauberperle per Post erhalten, die sie auf eine magische Insel im Ewigen Wald versetzt. Dort haben sie sich ein Paradies erschaffen. Für Jacob alias Yaki ist der Ewige Wald mehr als ein zauberhafter Urlaubsort.

Obwohl man ihr schon mit acht Jahren eine Schriftstellerkarriere prophezeite, fand Jutta Ehmke erst zum Schreiben, als das eigene Kind im Vorlesealter war. Ihr Herz gehört der Phantastik. Ob All-Age-Roman oder Horror-Mystery, etwas Magie rieselt aus jeder Geschichte. Die 1967 geborene Autorin lebt, tippt und träumt in einem kleinen Ort bei Speyer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 30.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943948608
    Verlag: Verlag Saphir im Stahl
    Größe: 1297 kBytes
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Eulenland

3

Vor Schreck setzte Jacob einen halben Meter zurück und stieß einen panischen Kleinmädchenschrei aus. Dann erkannte er, dass er nur das Gesicht eines Jungen vor sich hatte. Der Fremde, mit den Kniegelenken in einen Ast gehakt, ließ Kopf und Arme nach unten baumeln. Er grinste so breit, dass seine Zähne weiß wie Klaviertasten in der Dunkelheit leuchteten. Mit einem schnellen Salto nach vorne kam er mühelos auf die Füße und stand Jacob gegenüber. Er trug ein Narrenkostüm. Selbst im schalen Licht des Vollmondes war erkennbar, dass es aus einem weichen, verwaschenen Stoff war. Die rechte Hälfte seiner Hose war dunkelrot, die linke schwarz. Beim Oberteil war es andersherum. Ein Dolch und die dazugehörige Narrenkappe hingen am Gürtel. Der Junge war barfuß, hatte dunkle Augen und ungebändigte Haare. Er war etwas größer als Jacob, viel älter konnte er aber nicht sein. Schweigend musterten sie sich.

"Hast du eine Perle?", fragte der Narr.

Jacob nickte stumm. Einfach oberpeinlich, wie panisch er reagiert hatte. Bestimmt hielt der Typ ihn für ein komplettes Weichei. Auch der Narr besaß eine Perle, er trug sie zusammen mit einem kleinen Silberstern um seinen Hals. Verschwörerisch grinste er Jacob an.

"Wer bist du?" Endlich hatte dieser seine Stimme wiedergefunden. "Wo sind wir? Und wie sind wir hierhergekommen?"

"Magie", flüsterte der Fremde und deutete mit einer ausholenden Bewegung auf die Bäume ringsum. "Das alles hier ist aus reinster und allerfeinster Magie gesponnen!"

Seine Augen blitzten so begeistert, als hätte Jacob das große Los gezogen. "Den Rest erklär ich dir später. Komm mit!"

Alles klar. Erste Möglichkeit: Ich bin verrückt geworden. Zweite Möglichkeit: Man hat mich entführt und zusammen mit einem durchgeknallten Spinner im Wald abgeladen. Dritte Möglichkeit: Ich träume gerade den lebendigsten Traum aller Zeiten. Vierte und letzte Möglichkeit: Der Typ hat recht und so etwas wie Magie gibt es wirklich.

"Halt warte, woher soll ich wissen, ob ich dir trauen kann?"

Der Narr antwortete nicht, sondern lief einfach voraus. Jacob seufzte und folgte ihm.

Mit zielsicheren Schritten durchquerte der Junge das Gelände. Hin und wieder hielt er an, um in die Dunkelheit zu lauschen. Jacob hätte sich nicht vorstellen können, dass der Wald noch eigentümlicher werden könnte, doch er hatte sich geirrt. Sie passierten Gewächse, die zu atmen schienen. Manche schlugen um sich oder waren stachelbewehrt. Blätter, die sich zu Posaunen rollten, stießen ein Geräusch aus, das einem durch Mark und Bein ging. Ein paar Mal glaubte Jacob einen schwarzen Schatten vorbeihuschen zu sehen, doch als er das Unterholz näher beäugte, konnte er nichts erkennen. Sie kamen an knorrigen weißborkigen Bäumen vorbei, deren Zweige lang und dünn herabhingen, wie spinnwebfeines Lametta.

"Gespensterhaarbäume", erklärte der Junge. "Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Man sagt, sie gewähren nur dem Wind die Ehre, durch ihre silbrigweißen Fäden zu streichen. Nicht einmal die Vögel wagen sich nahe heran."

Er stoppte, um dem seltsamsten Tierrudel Platz zu machen, das Jacob jemals gesehen hatte. Fußballgroße, pastellfarbene Wesen, die aus nichts weiter als einem flauschigen Fell und einem breiten Mund zu bestehen schienen. Rechts und links ragten Eckzähnchen daraus hervor.

"Das sind Duduffs. Knuddelige Kerlchen, was? Keine Sorge, die tun keinem was. Pass lieber auf, dass die Motten dich nicht erwischen!"

Der Narr deutete auf irgendwelche Flattertiere, die hoch über ihren Köpfen in der Luft standen. Ihre Körper waren prall gestopft, sie besaßen nadelspitze Zähne und hässlich zerrupfte Flügel. Kaum hatte Jacob sich von ihrem Anblick erholt, krabbelten Käfer von der Größe kleiner Schuhschachteln über den Weg. Ihre Kieferwerkzeuge klackerten aufeinander wie gut geölte Beißzangen. Ihm lagen tausend Fragen auf der Zunge, doch immer,

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