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Für eine Nacht sind wir unendlich Roman von Coplin, Lea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.07.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Für eine Nacht sind wir unendlich

Ein Trip nach England, ein Konzert am letzten Abend und nur eine Nacht, um die große Liebe zu erkennen 'Die schönsten Liebesgeschichten schreibt das Leben, heißt es. Mit >Für eine Nacht sind wir unendlich< widerlegt Lea Coplin diese Aussage - denn besser hätte es das Leben auch nicht hinbekommen.' Anne Freytag Als Jonah und Liv bei einem Festival in England aufeinandertreffen, könnte das, was sie wollen, nicht unterschiedlicher sein. Doch dann beginnt es zu knistern. Und obwohl Liv von vornherein klarstellt, dass nichts laufen wird zwischen ihnen, und obwohl Jonah sich einredet, dass das ganz in seinem Sinne ist, kommen sich die beiden immer näher. Nur wird Jonah am nächsten Tag mit seinen Freunden zurück nach Deutschland fahren. Ihm und Liv bleibt nur diese eine Nacht, um herauszufinden, was da zwischen ihnen ist. Doch wie nah kann man sich kommen, wenn am nächsten Morgen alles vorbei ist?

Lea Coplin ist das Pseudonym einer Autorin, die mit ihren gefühlvollen Romanen bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Mehr als fünfzehn Jahre arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich für die Schriftstellerei entschied. Nachdem ihre Romane 'Nichts ist gut. Ohne dich.' und 'Nichts zu verlieren. Außer uns.' lose zusammenhingen, ist ihr dritter Roman 'Für eine Nacht sind wir unendlich' völlig unabhängig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 24.07.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423437950
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 2982 kBytes
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Für eine Nacht sind wir unendlich

2
Liv

Ich bin schon beinahe aufgestanden, als die Bettfedern unter mir doch noch ein Quietschen von sich geben. Ein klagendes, nörgelndes Wimmern, das von Laurent höchstpersönlich stammen könnte. Halb sitzend, halb im Stehen werfe ich einen Blick auf ihn. Da liegt er, viel zu groß für das schmale, abgenutzte Bett, den Rücken dicht an die Wand gepresst, und schläft ruhig und fest wie ein Baby. Denke ich. Hoffe ich.

Auf Zehenspitzen schleiche ich durchs Zimmer, schnappe mir meinen Kulturbeutel und öffne so lautlos wie möglich die Tür. Sie knarzt, natürlich tut sie das. So gut wie alles in Mafaldas steinaltem, vermutlich verhexten Häuschen gibt Geräusche von sich. Ich bin seit einer Woche hier und nein, daran werde ich mich nie gewöhnen. Ebenso wenig wie an den Anblick meiner Tante selbst, die sich wie üblich im Schneidersitz vor ihren Yoga-Altar gefaltet hat, die Augen geschlossen, die Hände vor den Körper gepresst, während ein gruseliger Brummton ihre Lippen verlässt und das Kerzenlicht orangefarbene Punkte auf ihre nackten Brüste flackert. O ja, meine Tante pflegt unbekleidet zu meditieren. Und sie ist selbst dann nicht geneigt, ihre Gewohnheiten zu ändern, wenn sich Besuch angekündigt hat.

»Was, wenn nicht ich, sondern Laurent hier vorbeigekommen wäre?«, zische ich ihr anstelle einer Begrüßung entgegen. Ich flüstere es. Die Wände sind dünn, und es ist noch viel zu früh, um die halbe Stadt aufzuwecken.

»Wie meinst du, Liebes?«, singt sie in ihrem fantastisch akzentuierten Englisch.

Ich verdrehe die Augen. Mafalda hält ihre geschlossen. Jemand wie sie kommt womöglich gar nicht auf die Idee, was falsch daran sein könnte, gleich nach dem Aufwachen über eine nackte Person zu stolpern, die man schon angezogen kaum kennt. Zumal das mit dem Stolpern wortwörtlich gemeint ist, denn der Weg zu Mafaldas Gästezimmer führt nun mal durchs Wohnzimmer, unmittelbar an ihrem kleinen Altar vorbei.

Sagt euch los von dem, was euch Fesseln anlegt, würde sie vermutlich ausrufen. Wenn es die Klamotten sind, umso besser. Hoffen wir einfach, dass Laurent lange genug schläft, bis meine Tante mit ihrer Morgenmeditation fertig ist.

Ich putze mir die Zähne unter der Dusche und sinniere darüber, ob es gut oder schlecht war, dass Laurent mich an diesem Wochenende besucht hat. Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da wird das Wasser kalt. Schnell stelle ich es ab, unterdrücke das Schaudern, das die aufheulende Leitung mir jedes Mal verursacht (tatsächlich klingt sie wie die Maulende Myrte), hüpfe aus der Wanne und trockne mich ab. Dafür, dass Laurent und ich nur diese zwei Tage miteinander hatten, haben wir sie reichlich schlecht genutzt, fürchte ich. Was hauptsächlich meine Schuld war. Und ein bisschen auch seine. Ich meine, er wusste, ich würde keine Zeit haben, weil ich nun mal extra nach Glastonbury gekommen bin, um Mafalda während des Festivals mit dem Foodtruck zu helfen. Er wusste das, ich habe es ihm mehrmals gesagt. Ganz abgesehen davon, dass ich insgesamt nur zwei Wochen hier bin. Kann man nicht zwei Wochen voneinander getrennt sein, ohne gleich in den nächsten Flieger zu steigen?

Ich wickle mich in das Handtuch ein, stöhnend wie die Bettfedern und Myrte zusammen. Ich hätte mir erst die Haare abtrocknen sollen, sie tropfen alles wieder voll. Zu viele Haare. Viel zu viele Haare. Aus dem schmalen Badschrank hinter der Tür ziehe ich eines der kleineren Handtücher hervor und drehe meine wirre Mähne darin ein. Dann hebe ich den Kopf und mein Blick bleibt an meinem Spiegelbild hängen.

Oh, Liv.

Liv!

Was tust du?

Als ich aus dem Bad komme, singt Mafalda in der Küche. Nein, sie dröhnt. Ich bin mir sicher, nicht nur Laurent ist jetzt wach, sondern auch der Rest der Straße. Zu ihrer Stimme pfeift der altmodische Wasserkessel, den sie für die Zubereitung ihres Tees verwendet. Sie singt, es pfeift, dann er

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