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Girl in Black von Lang, Mara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2016
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
eBook (ePUB)
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Girl in Black

Ich war fünf, als ich begriff, dass mit mir etwas nicht stimmte. In Gegenwart anderer litt ich Höllenqualen. Es war, als wäre mein Herz zu klein, als würde mein Innerstes jeden Moment explodieren, weil so viel auf mich einstürmte. 'Du bist ein Seelenauge, Lia', gestand mir meine Mutter später, 'genau wie ich. Du nimmst Gefühle auf, Wünsche, Träume, Ängste, andauernd, ohne dein Zutun. Und es wird Zeit, dass du lernst, dich abzuschirmen, denn dein Körper verrät dich.' Emotionen spiegeln sich in dunklen Ranken auf Lias Haut und verraten ihre Gabe. Um dies zu verhindern, versperrt sie ihr Herz gegenüber sämtlichen Gefühlen und versucht nichts durch ihren Schutzschild dringen zu lassen. Doch nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter beschließt sie zu fliehen - vor ihrer Gabe, vor ihrem alten Leben und vor allem vor der Mafia. Ihr Weg führt sie zurück in ihre Heimat, nach Berlin, wo sie in der Modeszene Fuß fassen will. Der Traum, Designerin zu werden, unabhängig zu sein und ein normales Leben zu führen, scheint greifbar nahe. Doch viel zu schnell holen sie die Dämonen ihrer Vergangenheit wieder ein und Lia erkennt: vor seiner Bestimmung kann man nicht fliehen ... Mara Lang, Jahrgang 1970, begann in ihrer Jugend zu schreiben, als ihr der Lesestoff ausging. Die Geschichten von C. S. Lewis und Michael Ende begründeten ihren Faible für Fantastik. Hin- und hergerissen zwischen Buch und Film wollte sie ursprünglich Filmregisseurin werden, um ihrer Fantasie Leben einzuhauchen, wählte dann aber das Studium zur Diplompädagogin und fabriziert heute Kopfkino für ihre Leser. Mara Lang lebt und arbeitet in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 15.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783764191269
    Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
    Größe: 1331kBytes
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Girl in Black

1

Lia

Ich heirate in Weiß. Das Kleid ist ein absoluter Traum, ich habe es selbst geschneidert. Die Seide schmiegt sich um meine Taille, kühle Spitze streicht über meine Schultern. Der Schleier ist drei Meter lang. Ich sehe aus wie eine Prinzessin.

Mit gerafftem Rock steige ich in Begleitung der vier Bodyguards die Treppe zur Kirche hinauf. Drinnen warten an die hundert Gäste darauf, dass die Zeremonie beginnt, aber Enzo verspätet sich wieder einmal.

Der Padrone kann sich das erlauben. Als kreativer Spross eines ermordeten Drogenbosses kehrte er Neapel und der Camorra den Rücken und gründete in Mailand das Modelabel Musetti, mit dem er bei den ganz Großen der Branche mitmischt. An seinen Mafiamethoden änderte das freilich nichts, mittlerweile kontrolliert er die halbe Lombardei.

Hier in seinem Wohnort Vanzago, etwa eine halbe Autostunde westlich von Mailand gelegen, gehört ihm jedes Geschäft, jedes Haus, jede Familie. Alle müssen sich seinem Willen beugen. Wen interessiert da schon, ob die Hochzeit seiner Stieftochter pünktlich beginnt oder nicht?

Lia Musetti. Ich probiere den Klang meines neuen Namens aus, lautlos, nur für mich. Die letzte Silbe will mir kaum über die Lippen kommen.

Ich bin keine Musetti. Ich werde es niemals sein.

Dabei ist Enzos Neffe Daniele, mein zukünftiger Ehemann, ein guter Fang. Er sieht umwerfend aus, ist gebildet, als Jungdesigner erfolgreich. Er wird einmal die Firma führen und das Musetti-Vermögen erben, das sich jetzt schon auf mehrere Hundert Millionen Euro beläuft, sprich: Er ist stinkreich. Sämtliche Mädchen der Stadt würden sich alle zehn Finger nach ihm lecken. Ich nicht. Ich hasse ihn.

Vor dem geöffneten Tor bleibe ich stehen. Die Junisonne blinzelt durch das Blätterdach der alten Kastanien. Es ist schwül, die Luft ist schwer wie eine Decke und es ist ungewöhnlich still im Viertel. Wer nicht in der Kirche sitzt, weil er es Enzo schuldig ist, hat die Rollläden heruntergelassen. Furcht ist stärker als Neugierde.

Die Gelassenheit meiner Bodyguards ist nur Show. Ich weiß, dass sie mich ständig im Blick haben. Sie sind nicht zu meinem Schutz da, sie sind meine Wachen. Und sie sind mindestens so nervös wie ich.

Mir ist heiß, in meinem Mund sammelt sich zäher Speichel. Ich muss mich dazu zwingen, geradeaus zu schauen, nicht über die Schulter zu blicken und in den Hauseingängen nach der versteckten Gestalt zu suchen. Auf Toma ist Verlass , rufe ich mir in Erinnerung. Alles wird laufen wie geplant.

Es ist zum Haareraufen. Ich kann mir noch so oft Mut zusprechen, mein Körper wendet sich trotzdem gegen mich. An meinen Handgelenken kribbelt es verdächtig.

Ich muss die Angst bezwingen, also beginne ich zu zählen. Meine Mutter hat mir die Methode beigebracht: eins, zwei, eins, zwei - zählen, atmen. Massiv und undurchdringlich muss er sein, mein Schutzwall, dann kann mir nichts etwas anhaben. Zählen, atmen ...

Das jahrelange Training macht sich bezahlt, meine Gefühle lassen sich zurückdrängen. Die Nervosität aber bleibt. Ich bin ja auch die Braut, ich habe jedes Recht der Welt, nervös zu sein!

Unruhig starre ich wieder ins Halbdunkel der Kirche. Von drinnen ist Gemurmel zu vernehmen. Wo bleiben Enzo und Daniele denn nur? Diese Warterei macht mich wahnsinnig.

"Mir ist schlecht", erkläre ich einem der Bodyguards. Er ist neu, ich kenne noch nicht mal seinen Namen. "Kann ich ein Glas Wasser bekommen?"

Er rührt sich nicht vom Fleck. "Es dauert nicht mehr lang, Signorina."

Ich schnaube. "Das höre ich seit einer Stunde. Wenn Sie nicht wollen, dass die Braut zusammenbricht, sollten Sie den Boss benachrichtigen. Oder mir Wasser bringen. Am besten beides."

Er tippt an sein Headset und fällt in einen Wortwechsel mit Enzo, der so schnell ist, dass ich Mühe habe zu folgen, obwohl

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