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Heinrichs Geheimnis von Pestum, Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2013
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Heinrichs Geheimnis

'Wie ein Indianer sieht der aus!', staunt Uwe, als der Neue in der Klasse steht. Dass er ausgerechnet Heinrich heißt, finden die Jungen und Mädchen komisch. Doch als sie sich gegen die Schülermafia aus der Zehnten wehren müssen, erleben sie, dass Heinrich mutiger ist als sie alle zusammen. Hennes und seine Freunde nehmen den Neuen in ihren Geheimbund auf, der sich in der Höhle im Zechenberg trifft. Miteinander erleben sie Abenteuer in der großen Stadt und träumen von der Zukunft. Aber da gibt es etwas, das Heinrich ihnen verschweigt. Als sie das Rätsel des roten Hauses lösen wollen, gerät ihre Freundschaft in Gefahr... wurde 1936 in Essen geboren. Er studierte Malerei und jobbte nebenher als Bauarbeiter und Nachtportier, Kirchenmaler und Karikaturist, Taucher und Trucker. Über das Illustrieren und Gestalten von Büchern kam Jo Pestum zum Schreiben, er arbeitete als Chefredakteur einer Zeitschrift und als Verlagslektor. Seit 1970 ist er freiberuflich Schriftsteller und Film-, Funk- und Fernsehautor. Er schreibt Kinder- und Jugendbücher, Romane, Kriminalgeschichten, Satiren, Lyrik, Drehbücher und Hörspiele. Viele seiner Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, einige mit literarischen Preisen ausgezeichnet, einige verfilmt. Jo Pestum ist Mitglied des PEN und des Kuratoriums im Förderverein Deutscher Kinderfilm und lebt im Münsterland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 25.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646926484
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 773 kBytes
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Heinrichs Geheimnis

PLÖTZLICH STAND ER DA

Dass der solche Augen hatte! Und er wurde auch gar nicht rot, als wir kicherten und grinsten und die üblichen blöden Bemerkungen machten. Klar, das war nichts Besonderes, dass wir einen Neuen bekamen. In unserer Schule ging es raus und rein wie im Taubenschlag. Das ist wohl immer so in Großstädten, die von Zechen und Kokereien, Hüttenwerken und Chemieindustrie geprägt sind. Ein Stahlkocher verliert seine Arbeitsstelle, weil die Firma nicht mehr rentabel ist, und zieht fort mit seiner Familie. Dafür kommt vielleicht ein Chemielaborant mit Frau und Kindern in unseren Stadtteil gezogen und hofft auf eine bezahlbare Wohnung und auf einen Job, obwohl doch schon so viele Arbeitslose an den Straßenecken und am Biertresen lungern oder beim Arbeitsamt vergeblich in der Schlange stehen. Ja, in unserer Schule ging es raus und rein wie im Taubenschlag.

Als Gerold eines Tages fehlte und der Franzose uns erklärte, Gerold werde nie mehr kommen, weil die Familie nach Mannheim umgezogen sei, da habe ich in der Pause auf dem Lokus geheult. Gerold und ich, wir waren beinahe Freunde gewesen. Warum hatte er sich nicht von mir verabschiedet? Warum hatte er mir nicht gesagt: "Hennes, wir ziehen weg!" Er kam eines Tages einfach nicht mehr in die Schule. Aus.

Der Franzose heißt eigentlich Franz Hose und war damals unser Klassenlehrer. Von mir kann man bestimmt nicht behaupten, dass ich mir besonders viel aus den Lehrern gemacht hätte, doch den Franzosen mochte ich leiden. Er stand auf unserer Seite. Und ganz besonders kümmerte er sich um die, die es schwer hatten mit dem Lernen und dem Begreifen.

Aber wenn einer aus der Klasse von den anderen fertiggemacht wurde, wenn jemand Milchgeld oder Coladosen klaute, wenn einer sich freute, dass ein anderer die Mathearbeit versaut hatte: Dann konnte er zu großem Zorn auflaufen. Dann konnte der Franzose wie ein Kampfstier brüllen. "Wenn ihr jetzt schon den Sinn für Kameradschaft und Solidarität verloren habt, verdammt, wollt ihr euch dann später wie die Kannibalen gegenseitig zerfetzen? Dass diese Menschheit so entsetzlich lernunfähig ist! Zum Kotzen ist das mit euch!" Wenn der Franzose uns so beschimpfte, wackelten wirklich die Wände.

Dass wir kicherten und grinsten und blöde Bemerkungen machten, wenn wieder einmal ein Mädchen oder ein Junge neu in unsere Klasse kam, das konnte er auch nicht leiden. Aber abgewöhnen konnte er uns das nicht, und ich finde, es ist ja auch spannend, wenn da plötzlich jemand vor uns steht und zu uns gehören will, obwohl er uns zuerst einmal völlig fremd ist. Ich weiß noch, als die Cordula neu war, hat sie vor Aufregung richtig geweint. Rot werden sie eigentlich alle, lächeln verlegen, verdrehen die Augen und haben zwei Hände zu viel.

Aber der nicht! Und dass der solche Augen hatte!

"Wie ein Marokkaner sieht der aus", flüsterte Jens.

"Nee, wie 'n Zigeuner", gluckste Susanne.

"Quatsch!", sagte Uwe. "Wie ein Indianer."

Ja, genauso sah er aus! Wie ein Indianer, wie ein Apache, wie ein junger Winnetou in blauem Cordhemd, verwaschenen Jeans und reichlich schief gelaufenen Turnschuhen. Das schwarze Haar war glatt und wirkte ein wenig wie ein eingeölter Sturzhelm. Darunter Indianeraugen, Indianernase, Indianerbackenknochen, Indianermund. Ich glaube, es waren besonders seine Augen, die so indianerhaft aussahen.

Der Neue schaute uns in aller Ruhe und der Reihe nach an: uns alle. Ich erinnere mich, dass ich unter seinem Blick zusammengezuckt bin. Warum? Ich weiß es nicht.

"Ein Kakao-Baby!", krähte Till albern. "Ein echter Kakao-Boy!"

Der Franzose sagte: "Wenn du so weiterfaselst, Till, schmeiß ich dich raus, aber mit Anlauf." Dann fasste er den Neuen bei den Schultern. "Er heißt Heinrich."

"Heinrich!"

Das war wie ein Schrei. Alle lachten. Heinrich! Ausgerechnet Heinrich! Das ist doch kein Name. So heißen doch höchstens Opas und uralte Großonkel. So

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