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Himmel ohne Sterne von Schröder, Rainer M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2015
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Himmel ohne Sterne

Heimatlos und doch voller Hoffnung
Alija Bet - das ist der Codename für die illegale Einwanderung in das britische Mandatsgebiet Palästina. Und es ist der Hoffnungsschimmer am Horizont für Leah und Jannek - die beide als einzige ihrer Familien die KZs überlebt haben und nun 1946 traumatisiert als lebende Tote durch das zerbombte München ziehen. Sie hören von der gefahrvollen und teuren Überfahrt auf überfüllten Schrottdampfern, den vielen ertrunkenen oder in Internierungslagern der Briten inhaftierten Flüchtlingen, den Kämpfen mit den arabischen Einwohnern vor Ort. Aber sie haben keine Alternative. Und so machen sich die beiden als illegale Flüchtlinge auf den Weg über das Mittelmeer - mit der Hoffnung auf eine neue Heimat.

Rainer M. Schröder, 1951 in Rostock geboren, ist einer der profiliertesten deutschsprachigen Jugendbuchautoren. Mit seinen bis ins kleinste Detail exakt recherchierten und spannend erzählten historischen Jugendromanen begeistert er seit mehr als zehn Jahren seine Leserschaft. Nachdem er viele Jahre ein wahres Nomadenleben mit zahlreichen Abenteuerreisen in alle Erdteile führte, lebt er heute mit seiner Frau in den USA.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 05.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641162030
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Größe: 1590kBytes
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Himmel ohne Sterne

10

"Heute ist Samstag, da fährt der Jerusalem-Express nach Föhrenwald nur einmal", teilte ihr der Eisenbahnbeamte am Auskunftsschalter mürrisch mit. "Und zwar um 13 Uhr 25."

"Jerusalem-Express?", fragte Leah in ihrer Verblüffung und hörte zum ersten Mal, wie dieser Zug der Isartal-Bahn zum DP -Lager im Volksmund genannt wurde.

Das schnauzbärtige, bullige Gesicht unter der steifen Eisenbahnermütze mit dem Emblem der Deutschen Reichsbahn über dem Schirm verzog sich zu einer nicht eben freundlichen, spöttischen Miene. "Na, der Jerusalem-Express bringt euch vielleicht nicht wirklich nach Jerusalem, aber was man so hört, soll euer Lager da draußen schon 'ne Menge Ähnlichkeit damit haben!", bemerkte er bissig. Und dann rief er auch schon mit befehlsgewohnter Amtsstimme: "Der Nächste!"

Leah hatte bis zur Abfahrt also noch elend viel Zeit. Sie suchte die nächste Suppenküche auf, und obwohl sie noch nicht geöffnet hatte und mit der Essensausgabe erst in einer knappen Stunde beginnen würde, wand sich die Schlange der Wartenden schon jetzt um einen halben Häuserblock. Geduldig stellte sie sich hinten an. Als die Bretterverschläge an der Ausgabe endlich hochgeklappt wurden und das geschäftige Klappern der Blechteller und Schöpfkellen einsetzte, gehörte sie längst nicht mehr zum Ende der Warteschlange, sondern zum vorderen Drittel.

Der Vormittag wurde ihr lang, aber wenigstens hielt das Wetter trotz des reichlich bedeckten Himmels. Sie kehrte schon früh zum Bahnhof zurück - und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass sie auf dem Gleis nicht zu den Ersten gehörte, die auf den Zug nach Föhrenwald warteten, vielmehr herrschte dort schon jetzt ein lärmendes und dichtes Gedränge. Dabei war es bis zur Abfahrt noch eine gute Stunde hin.

Leah vermutete, dass es sich bei den meisten von ihnen um einen Teil jener polnischen Juden handelte, die nach dem Pogrom von Kielce überhastet die Flucht aus ihrer Heimat angetreten hatten. Sie hörte jedoch auch Tschechisch und das Sudetendeutsch der aus dem Sudetenland Vertriebenen. Die überwiegende Mehrzahl der Leute sprach jedoch Polnisch. Fast allen war gemein, dass sie mit Gepäckstücken bepackt waren. Dabei überwogen einfache Säcke aus Leinen oder Jute, Weidenkörbe und Pappkoffer, die oft mehrfach mit Kordel oder Packetschnur umwickelt waren, damit sie nicht auseinanderbrachen. S elbst die Kleinsten schleppten noch hastig vollgestopfte Beutel, Ruck säcke oder Ledertaschen. Leah sah aber auch zwei ältere Frauen in strenger schwarzer Witwenkleidung, die wie Bäuerinnen aussahen und ihr weniges gerettetes Hab und Gut in klobigen Holzkiepen auf dem Rücken trugen.

Der Jerusalem-Express traf nur mit einigen wenigen Minuten Verspätung ein, was bei dem Mangel an Lokomotiven und dem deshalb notorisch unpünktlichen Bahnverkehr einem kleinen Wunder gleichkam. Schnaufend und ächzend wie ein alt gewordenes Schlachtross am Rande seiner Kräfte schob eine museumsreife Dampflokomotive ihre nicht weniger hoch betagten und vom Krieg arg ramponierten Waggons in den Bahnhof. Es waren ausnahmslos Dritter-Klasse-Wagen, und sie sahen aus, als hätte man sie Augenblicke vor ihrer Demontage von einem Verschrottungsplatz der Eisenbahn geholt.

Müde und in niedergedrückter Stimmung wartete Leah, dass der hereinkriechende Zug endlich zum Stehen kam und sie einsteigen konnte. Zwar hatte sie sich bis an die Gleiskante vorgearbeitet, aber bei dem dichten Gewühl, das mittlerweile über den Bahnsteig wogte, schätzte sie ihre Chancen gering ein, in einem der Waggons noch einen Sitzplatz zu ergattern. In Gedanken fand sie sich schon damit ab, wieder mal mit einem Stehplatz irgendwo im Gang vorliebnehmen zu müssen. Aber sie hatte Glück, denn der Zug hielt so, dass Leah direkt vor einer Waggontür stand.

Wie ein zu allem entschlossenes Enterkommando, das nicht schnell genug den Zug erobern konnte, fiel die Menge über die Waggons her. Der Lärm dabei w

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