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Holmes und ich - Unter Verrätern von Cavallaro, Brittany (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.04.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
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Holmes und ich - Unter Verrätern

Es geht weiter ... Nachdem sie bei ihrem ersten Fall beinahe umgebracht wurden, kommen die Ferien Charlotte und Jamie ziemlich gelegen. Gemeinsam wollen sie ein paar Tage auf dem englischen Landsitz der Holmes' verbringen. Aber Charlotte ist nicht die einzige Holmes mit Geheimnissen, und die Atmosphäre bald sehr angespannt. Zudem knistert es heftig zwischen Charlotte und Jamie. Sind sie wirklich bloß Freunde? Als plötzlich Charlottes Onkel, Detektiv, wie es sich für einen Holmes gehört, verschwindet, ist das eine willkommene Ablenkung. Die beiden stürzen sich sofort in die Ermittlungen. Sein letzter Auftrag führt sie zu einem Kunstfälscherring. Erster Halt: Berlin. Erste Kontaktperson: August Moriarty – ehemaliger Schwarm von Charlotte und von vielen tot geglaubt ... Brittany Cavallaro absolvierte ihren BA in Literatur am Middlebury-College in Vermont, gefolgt von einem MFA Studium in Poetry an der University of Wisconsin/Madison. Derzeit bereitet sie ihre Promotion an der University of Wisconsin/Milwaukee vor. Seit ihrer Kindheit ist Brittany Cavallaro ein riesengroßer ?Sherlock?-Fan - so kam ihr die Idee zu "Holmes & ich". Sie lebt mit ihrer Familie und einer wachsenden Zahl an Sherlock-Holmes-Mützen in Michigan.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 07.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423431583
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: Holmes & ich Bd.2
    Originaltitel: The last of August
    Größe: 943 kBytes
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Holmes und ich - Unter Verrätern

1 .

Es ging auf Ende Dezember zu in Südengland, und obwohl es erst drei Uhr nachmittags war, wirkte der Himmel vor dem Fenster von Charlotte Holmes' Zimmer bereits so dunkel und bleiern wie am nördlichen Polarkreis. Eine Tatsache, die ich während der Zeit in Connecticut am Sherringford-Internat irgendwie vergessen hatte, auch wenn ich praktisch mit jeweils einem Bein auf beiden Seiten des Atlantiks aufgewachsen war. Wenn ich an Winter dachte, dachte ich an die Abende in Neuengland. Die Dunkelheit kam pünktlich nach dem Abendessen und war bis zum Morgengrauen, wenn man sich im Bett wachstreckte, wieder verschwunden. Englische Winterabende waren anders. Sie rückten im Oktober mit einer Schrotflinte an und nahmen einen für die nächsten sechs Monate in Geiselhaft.

Alles in allem wäre es wohl besser gewesen, wenn ich Holmes das erste Mal im Sommer besucht hätte. Ihre Familie lebte in Sussex, einer Grafschaft, die sich an Englands Südküste schmiegt, und vom obersten Stockwerk ihres Herrenhauses konnte man das Meer sehen. Oder hätte es sehen können, falls man zufällig im Besitz einer Nachtsichtbrille und blühenden Fantasie gewesen wäre. Die Dunkelheit eines englischen Dezembers hätte allein schon ausgereicht, um mich in eine düstere Stimmung zu versetzen, aber das Familienanwesen der Holmes ragte ungefähr so behaglich wie eine Festung auf einem Hügel empor. Jeden Moment rechnete ich damit, dass ein Blitz die Wolken durchbrechen und eine arme, gefolterte Frankensteinkreatur aus ihrem Verlies stolpern würde, verfolgt von einem geisteskranken Wissenschaftler.

Das Innere des Hauses wirkte ebenfalls wenig beruhigend. Ich hatte das Gefühl, mich in einem Horrorfilm zu befinden, allerdings in keinem normalen, sondern eher einem skandinavischen Arthouse-Film. Große dunkle, unbequeme Sofas, die nicht dafür entworfen worden waren, auf ihnen zu sitzen. Weiße Wände mit abstrakten weißen Gemälden. Ein in einer Ecke lauernder Flügel. Eben genau die Art von Ort, den Vampire bewohnten. Außerordentlich kultivierte Vampire. Und überall ... Stille.

Holmes' Zimmer im Untergeschoss war das chaotische, schlagende Herz dieses kalten Hauses. Dunkel gestrichene Wände, Metallregale und Bücher, überall Bücher, alphabetisch geordnet im Regal oder aufgeschlagen über den ganzen Boden verteilt. Daran angrenzend ein Raum mit einem Labortisch, auf dem sich Reagenzgläser und Bunsenbrenner drängten. Sich in kleinen Töpfchen windende Sukkulenten, die sie jeden Morgen aus einer Pipette mit einer Essig-Mandelmilch-Mischung beträufelte. ("Es ist ein Experiment", erklärte mir Holmes, als ich dagegen protestierte. "Ich versuche sie zu töten. Nichts lässt sie eingehen.")

Überall lagen Unterlagen, Kleingeld und Zigarettenstummeln herum, und trotzdem fand sich in dem ganzen Durcheinander kein einziges Staub- oder Schmutzkörnchen. Es war alles so, wie ich es mittlerweile von ihr kannte, vielleicht bis auf ihren Schokoladenkeksvorrat und der kompletten gebundenen Ausgabe der Encyclopaedia Britannica in dem niedrigen Bücherbord, das als ihr Nachttisch diente. Anscheinend vertiefte Holmes sich auf ihrem Bett gern darin, eine brennende Zigarette in der Hand. Heute war es der Band mit dem Buchstaben T, der Eintrag "Tschechoslowakei(vollständige Bezeichnung: ehemalige Tschechoslowakische Republik)", und aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund hatte sie darauf bestanden, mir den kompletten Text dazu laut vorzulesen, während ich vor ihr auf und ab tigerte.

Tja. Vielleicht gab es doch einen Grund. Es war eine hervorragende Art, einem echten Gespräch aus dem Weg zu gehen.

Während sie ihren Vortrag hielt, versuchte ich, nicht zu den Sherlock-Holmes-Romanen zu schauen, die sie auf die Enzyklopädie-Ausgaben der Buchstaben U und V gelegt hatte. Sie hatte sie aus dem Arbeitszimmer ihres Vaters stibitzt. Ihre eigenen Ausgaben waren im Herbst einer Explosion zum Opfer

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