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Ich gebe dir die Sonne von Nelson, Jandy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.11.2016
  • Verlag: cbt Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Ich gebe dir die Sonne

Am Anfang sind Jude und ihr Zwillingsbruder Noah unzertrennlich. Noah malt ununterbrochen und verliebt sich Hals über Kopf in den neuen, faszinierenden Jungen von nebenan, während Draufgängerin Jude knallroten Lippenstift entdeckt, in ihrer Freizeit Kopfsprünge von den Klippen macht und für zwei redet. Ein paar Jahre später sprechen die Zwillinge kaum ein Wort miteinander. Etwas ist passiert, das die beiden auf unterschiedliche Art verändert und ihre Welt zerstört hat. Doch dann trifft Jude einen wilden, unwiderstehlichen Jungen und einen geheimnisvollen, charismatischen Künstler ...

Jandy Nelson ist wie Noah und Jude in einem abergläubischen Haushalt aufgewachsen. Schon als kleines Mädchen wurde ihr beigebracht, wie man vierblättrige Kleeblätter aufstöbert; sie klopft auf Holz, wirft Salz über die Schulter und trägt Glücksbringer mit sich herum. Ihr Debüt Über mir der Himmel stand auf mehreren Bestenlisten und wurde ein großer internationaler Erfolg. Ihr zweiter Roman Ich gebe dir die Sonne ist New York Times-Bestseller, die Filmrechte sind an Warner Brothers verkauft, er stand ebenfalls auf mehreren Bestenlisten und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Printz Award. Derzeit lebt Jandy Nelson in Kalifornien - nicht weit von den Schauplätzen aus Über mir der Himmel und Ich gebe dir die Sonne -, wo sie sich ganz dem Schreiben widmet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 21.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641190408
    Verlag: cbt Jugendbücher
    Originaltitel: I'll give you the Sun
    Größe: 1125 kBytes
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Ich gebe dir die Sonne

Noah

13 Jahre

So fängt alles an.

Mit Zephyr und Fry - den Soziopathen von nebenan -, die hinter mir hergeschossen kommen, und dem Waldboden, der unter meinen Füßen bebt, während ich durch Luft, Bäume, gleißend grelle Panik sprenge.

"Du gehst über die Kante, du Pussy!", brüllt Fry.

Dann ist Zephyr auf mir, drückt mir einen, beide Arme auf den Rücken, und Fry hat sich meinen Skizzenblock gegrapscht. Ich will ihn mir zurückholen, doch ich bin armlos, hilflos, versuche, mich aus Zephyrs Griff zu winden. Keine Chance. Ich blinzele, damit die beiden sich in Motten verwandeln. Nichts da. Sie sind immer noch sie selbst: Fünf Meter lange Arschgeigen aus der Zehnten, die aus lauter Jux und Tollerei lebende, atmende dreizehnjährige Menschen wie mich von der Klippe stoßen.

Zephyr hat mich in den Schwitzkasten genommen, seine Brust brandet an meinen Rücken, mein Rücken an seine Brust. Wir schwimmen in Schweiß. Fry blättert den Block durch. "Was hastn gemalt, Bubble?" Ich stelle mir vor, wie er von einem Laster überrollt wird. Er hält ein Blatt mit Skizzen hoch. "Zeph, guck dir mal die ganzen nackten Kerle an."

In meinem Körper stockt das Blut.

"Das sind keine Kerle. Das ist der David", stoße ich hervor und bete, dass ich mich nicht anhöre wie eine Rennmaus, bete, dass er nicht weiterblättert zu den Zeichnungen, die ich heute gemacht habe, als ich sie heimlich beobachtet habe, Zeichnungen von ihnen, wie sie aus dem Wasser gestiegen sind, mit ihren Surfbrettern unterm Arm, ohne Neoprenanzüge, ohne alles, total glitzernd und - äh - Händchen haltend. Da habe ich mir vielleicht ein wenig künstlerische Freiheit zugestanden. Sie werden also denken ... Oh Mann, das war's dann wohl. Ich bin so gut wie tot. Die Welt beginnt Saltos zu schlagen. Ich schleudere Fry Worte entgegen: "Sagt dir das was? Michelangelo? Schon mal gehört?" Ich werde nicht so handeln wie sonst immer. Mach auf hart, dann bist du hart, wie Dad immer sagt und sagt und sagt - so als wäre ich irgendein kaputter Regenschirm.

"Ja, von dem hab ich gehört", kommt über Frys fette Punschlippen, die sich mit seinen übrigen feist wulstenden Zügen unter der gewaltigsten Stirn der Welt drängeln, sodass man ihn nur allzu leicht mit einem Nilpferd verwechseln könnte. Er reißt das Blatt aus dem Block. "Hab gehört, der war schwul."

War er wirklich - meine Mom hat ein ganzes Buch über ihn geschrieben. Was Fry natürlich nicht weiß. Er nennt jeden schwul, wenn er nicht gerade Homo oder Pussy besser findet. Und in meinem Fall: Homo und Pussy und Bubble.

Zephyr lacht ein finsteres Dämonenlachen, dessen Vibrationen mich durchlaufen.

Fry hält die nächste Skizze hoch. Noch ein David. Die untere Hälfte von ihm. Eine Detailstudie. Ich erstarre.

Jetzt lachen sie beide. Es hallt im Wald wider. Es kommt aus Vögeln raus.

Wieder versuche ich, mich aus Zephyrs Griff zu befreien, damit ich Fry den Block aus der Hand reißen kann, aber Zephyr packt nur noch fester zu. Zephyr, der der verdammte Thor ist. Einer seiner Arme schlingt sich um meinen Hals, der andere spannt sich über meinen Rumpf wie ein Sicherheitsgurt. Er ist oben ohne, kommt direkt vom Strand, und seine Hitze sickert durch mein T-Shirt. Sein Kokossonnenöl kriecht mir in die Nase, den ganzen Kopf - der starke Geruch des Meeres auch, so als würde er es auf dem Rücken tragen ... Zephyr, der die Gezeiten hinter sich herschleppt wie eine Wolldecke ... Das wäre gut, ja, das wär's doch (Porträt: Der Junge, der sich mit dem Meer davonmachte ) - aber nicht jetzt, Noah, das ist jetzt überhaupt nicht der Moment für ein Kopfbild von diesem Vollidioten. Blitzschnell bin ich wieder da, schmecke das Salz auf den Lippen, rufe mir in Erinnerung, dass ich gleich sterben werde ...

Zephyrs langes Algenhaar tropft mir auf Nacken und Schultern. Wir atmen synchron, schwere, wuchtige Atemzüge. Ich versuche, diesen Rhyth

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