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Jenseits des Meeres von Walter, Jon (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.10.2015
  • Verlag: Königskinder
eBook (ePUB)
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Jenseits des Meeres

Ein Land im Bürgerkrieg. Eine Hafenstadt in Flammen. Nur ein einziges Schiff nimmt noch Flüchtlinge auf. Doch der Preis für die Überfahrt ist für die meisten viel zu hoch. Wie sollen Malik und sein Opa an Bord kommen? Und wird Maliks Mutter es rechtzeitig zu ihnen schaffen? Malik muss all seinen Mut zusammennehmen, damit ihm die Flucht gelingt. Sein Erfindungsreichtum, eine streunende Katze und Opas besonderer Zaubertrick sorgen dafür, dass er dabei nie die Hoffnung verliert. Ein erstaunliches und zutiefst menschliches Debüt über Krieg und Hoffnung, Flucht und Heimat - erzählt durch die Augen eines Jungen.

Jon Walter hat Englisch und Theaterwissenschaften studiert, danach verkaufte er eine ganze Zeit lang T-Shirts auf dem Brighton Pier. Er arbeitete als Fotojournalist und legt nun mit "Jenseits des Meeres" sein erstes Buch vor. Jon Walter lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in der englischen Grafschaft East Sussex.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 02.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646927962
    Verlag: Königskinder
    Größe: 874kBytes
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Jenseits des Meeres

es war abend , als der Junge und der alte Mann beim Hafen ankamen.

Der Himmel war bewölkt gewesen, doch nun schien hell der Mond, und sie standen im Schatten von Reihenhäusern an einer Kopfsteinpflasterstraße, die Räder, Füße und Pferdehufe über die Jahre blank geputzt hatten.

Der Junge hielt den alten Mann bei der Hand.

Es roch nach Motoröl und verkohltem Holz. Unten an der Straße, bei der Mole, fiel das grellweiße Licht einer Laterne auf das Gerippe eines einsamen schwarzen Krans, dessen Haken gewichtig über den Hausdächern hing, seinerseits überragt von dem riesigen Schiff mit den gelben Lichterketten an den oberen Relingen, die an Weihnachten und nicht etwa an einen warmen Herbstabend denken ließen.

Der Junge nieste herzhaft.

"Pscht, Malik", zischte sein Großvater.

Malik löste seine Hand aus dem Griff und zwickte sich die Nase durch das weiße Baumwolltaschentuch zu, das sein Großvater ihm um Nase und Mund gebunden hatte, um ihn vor Rauch zu schützen. Da die Brände schon lange hinter ihnen lagen, hätte Malik das Tuch ohne weiteres abnehmen können. Doch er trug es weiterhin, weil er fand, dass er damit älter aussah. Er hielt den Atem an, um nicht noch einmal niesen zu müssen. Als er sich seiner Sache sicher war, nahm er die Hand weg. "Entschuldige, Großpapa."

Großpapa legte ihm die Hand auf die Schulter. "Nein, ich muss mich entschuldigen. Ich wollte dir keine Angst einjagen." Er beäugte die Straße hinter ihnen. "Die Nerven machen mir immer noch zu schaffen. Auch wenn hier sicher niemand ist - wir sollten weiter auf der Lauer sein."

"Auf der Lauer wie ein Luchs", sagte Malik.

"Und furchtsam wie ein Fuchs." Großpapa rückte den Rucksack zurecht, der ihm über die Schulter hing.

Malik nickte. Die armen Füchse - keiner hatte je etwas Gutes über sie zu sagen. Als er Großpapas Blick hin- und herzucken sah, verkrampfte sich sein Magen wie in Erwartung eines Schlags. Solche Augenblicke der Ungewissheit waren am schwersten zu verkraften. Er griff sich an den Hosenlatz.

Großpapa sah zu ihm herab. "Musst du zur Toilette?" Malik schüttelte den Kopf. "Dann lass das gefälligst, ja? Aus dem Alter bist du heraus."

Malik schob die Hand in seine Hosentasche und trat von einem Fuß auf den anderen, so dass seine grünen Gummistiefel unter dem Knie gegen seine Hosenbeine schlappten. Großpapas Blick wanderte über die Reihenhäuser, er suchte nach etwas. Malik hörte auf zu zappeln und stellte sich auf Zehenspitzen, um Großpapas Ohr näher zu kommen. "Ist das unser Schiff?"

Großpapa lockerte den Kragen seines dicken Wintermantels. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn. "Ich denke schon", sagte er leise. "Den Namen kann ich zwar nicht entziffern, aber es liegt hier sonst kein Schiff vor Anker."

Malik sah noch einmal hin. Es stimmte, da war weit und breit kein anderes Schiff.

Großpapa zupfte an seinem kurzen weißen Bart - ein Zeichen dafür, dass er nachdachte. "Wir sind zu früh dran. Wir können noch nicht an Bord. Ich denke mal, wir müssen bis morgen früh warten."

Maliks Magen verknotete sich - das hieß, Großpapa würde wieder etwas zum Übernachten für sie finden müssen. Gestern hatten sie im Kellergeschoss eines ausgebrannten Bürohauses geschlafen, in Gesellschaft eines sterbenden Hundes. Er folgte Großpapas Blick zu den Reihenhäusern, die sich als Schattenrisse vor dem hellen Licht des Kais abzeichneten, mit grauen Schieferdächern und stolz aufragenden Schornsteinen. Wenn sie noch nicht an Bord gehen durften, konnten sie vielleicht die Nacht in einem dieser Häuser verbringen. Hoffentlich, dachte Malik. Er sah einen gemütlichen Sessel vor sich. Ein Waschbecken. Ein Bett ganz für sich allein.

"Legt das Schiff morgen ab?"

Großpapa gab keine Antwort und Malik bekam ein schlechtes Gewissen, weil er ihn behelligte, aber er hatte noch weitere Fragen, jede Menge Fragen, und er konnte sich nicht bremsen.

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