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Jetzt ist hier von Bach, Tamara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2014
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Jetzt ist hier

Die Feiertage sind vorbei, das Jahr ist ganz neu. Für Fienchen, Zanker, Mono und Bowie fühlt es sich trotzdem schneematschdreckig und alt an. Daran ändern auch die guten Vorsätze wenig. Abends ziehen sie gemeinsam um die Häuser, gehen tanzen, sehen sich DVDs an, quatschen. Aber was wissen sie wirklich von den geheimen Wünschen ihrer Freunde? Und lässt sich irgendetwas in ihrem Leben ändern? Neun Tage haben sie noch, bis die Schule wieder anfängt. Neun Tage auf der Suche nach dem Anderen, dem Besonderen, der Liebe und dem Glück. Tamara Bach, 1976 in Limburg an der Lahn geboren, studierte in Berlin Englisch und Deutsch für das Lehramt. Ihr erstes Buch, 'Marsmädchen', wurde als noch unveröffentlichtes Manuskript mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet und erhielt außerdem den Deutschen Jugendliteraturpreis. Weitere Bücher und Auszeichnungen folgten, zuletzt der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2013 für 'Was vom Sommer übrig ist'. Heute lebt und schreibt Tamara Bach in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 351
    Erscheinungsdatum: 24.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646924848
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 1889 kBytes
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Jetzt ist hier

Silvester (Samstag)

"Silvester ist auch nur ein Tag wie jeder andere", hat Zanker in den letzten Wochen immer wieder gesagt.

"Was machst du denn an Silvester?"

"Ist doch egal", hat Zanker geantwortet.

"Aber wieso denn, neues Jahr, fett feiern, hey!"

"Brauch ich nicht", hat Zanker gesagt. "Nee. Durchaus nicht." Und dann manchmal auch "mitnichten", weil das das neue Wort des Monats war und Zanker sich fest vorgenommen hat, es in seinen aktiven Wortschatz mit aufzunehmen. Manchmal, nur so aus Spaß. "Vielleicht bleib ich auch einfach zu Hause und geh früh schlafen. Ist doch nett, stehst auf, und das alte Jahr ist vorbei." Damit hat Zanker dann meistens das Gespräch beendet.

Um fünf heißt es eben Fred, Party, na gut. Bowie und Mono kommen auch, wenn schon, dann mit denen. Aber nicht so lange.

In der Wanne denkt sich Zanker einen Zanker, der nachts um zwölf vielleicht irgendwo allein steht, vielleicht auf einem Hügel. Kalt sollte es sein, so kalt, dass er seinen eigenen Atem sehen kann, in das Tal schauen, das dann da ist. Zanker allein mit einer Flasche irgendwas und vielleicht einer Zigarette. Und wenn im Tal um zwölf die Glocken läuten und die Feuerwerke losgehen, wird er auf sie trinken, die sich da unten umarmen. Zanker grinst breit. Dann taucht er unter.

"Wann gehst'n du da hin?", fragt Mono über das Telefon.

"Weiß nicht, keine Ahnung, ist doch egal." Zanker reizt es aus.

"Was glaubst'n du, wann man da losgeht, also, wann das da losgeht? Also."

"Irgendwann. Wenn du da bist, bist du halt da."

"Und wann du?"

"Wenn ich da bin. Mach dich mal locker." Spricht's und hört Mono schief lächeln, sagt "Seeya!" und legt auf. Jede Wette, dass Mono jetzt bei Bowie anruft.

Bowies Vater trägt den dunkelgrauen Anzug, dazu ein schwarzes Hemd. Er riecht nach Boss, er trägt Boss. Sieht auf seine Uhr, sammelt Schlüssel, Portemonnaie, Handy. Bowie sitzt vor dem Fernseher im Wohnzimmer. Durch die offene Tür sieht er den Vater hin und her laufen. Manchmal fällt es Bowie gar nicht auf, wie wenig sie reden, Vater und Sohn. Der Vater steht plötzlich neben der Couch, richtet sich den Schlips, starrt auf den Bildschirm.

"Ich geh jetzt", sagt er plötzlich.

Bowie weiß nicht, was ihn reitet, als er nicht einfach nur nickt, sondern fragt: "Wohin?"

Vater zieht die Augenbrauen hoch, starrt Bowie an, bevor er bestimmt sagt: "Aus." Fügt schließlich hinzu: "Ist ja Silvester."

"Wohin?", fragt Bowie wieder.

"Essen."

"Mit wem?", fragt Bowie sofort und denkt, vielleicht ein Arbeitskollege.

"Darüber reden wir ein andermal."

Es gibt Sätze, da reicht eine Zeile, um dazwischen zu lesen.

"Eine Frau." Bowie muss nicht mal fragen, stellt es nur fest. Eine Frau. Nur eine Frau, mit der Vater ausgeht, niemand sonst. Vater und eine Frau.

Der Vater schaut, nimmt den Schlüssel, sagt "Mach nicht so lang, Sohn", geht. Mehr nicht.

Bowie hört noch, wie Vater den Mantel von der Garderobe nimmt, hört die Tür, leiser dann, wie das Auto startet und wegfährt.

Ein halbes Jahr, nur ein halbes Jahr und schon Anzug, Hemd, Parfüm. Ein halbes Jahr und schon eine Frau.

Immer wieder, den ganzen Tag lang, hat Bowie an letztes Silvester gedacht. Mama hatte kaum etwas runtergekriegt. Sie sind zu Hause geblieben, auch Bowie. "Geh nur", hatte Mama gesagt. Und Bowie hätte gehen können. Aber irgendwann an diesem Tag war der Gedanke da gewesen, die Gewissheit: Das ist das letzte Silvester mit ihr. Keine Vermutung, kein "Das könnte", er wusste es plötzlich. Dass Mama das neue Jahr nicht überleben würde. Er hat sich selbst dafür geohrfeigt, gehasst, dass da dieser Gedanke war, diese Gewissheit, das Wissen um ihren Tod, irgendwann in den nächsten 365 Tagen. 365 Tage waren plötzlich sehr wenig Zeit. Also blieb er.

160 Tage später saß er an ihrem Bett. 161 Tage später gab es sie sch

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