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John Workman Kommentierte und illustrierte Fassung von Dominik, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2016
  • Verlag: Null Papier Verlag
eBook (PDF)
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John Workman

Hans Dominik erzählt die typische amerikanische Erfolgsgeschichte: vom Tellerwäscher - Pardon - Zeitungsjungen zum Millionär. In dieser spannenden Jugendgeschichte quer durch den amerikanischen Kontinent, erleben wir wie John Workmann zunächst als bitterarmer Zeitungsjunge eine Gewerkschaft gründet, später Journalist wird, Unternehmer, Lebensretter, Abenteurer und sogar Goldgräber. Grundlage dieser überarbeiteten Fassung ist die deutsche Erstausgabe von 1925. Der Verleger hat die Geschichte mit Fußnoten versehen, um Unstimmigkeiten aufzuklären oder Fakten zu vertiefen. Null Papier Verlag Hans Joachim Dominik (1872-1945) war ein deutscher Science-Fiction- und Sachbuchautor, Wissenschaftsjournalist und Ingenieur. Er war einer der bedeutendsten Pioniere der Zukunftsliteratur in Deutschland.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 1007
    Erscheinungsdatum: 26.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954187324
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 13161 kBytes
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John Workman

2. Kapitel

A n dem dunkelgrauen Wintermorgen versammelten sich die Zeitungsboys vor dem Gebäude des Zeitungsriesen und, wie alle Morgen, standen die meisten von ihnen bei dem Küchenwagen des Zeitungsriesen, welcher jedem Armen New Yorks, der es wünschte, des Morgens an dieser Stelle eine Blechtasse mit heißem Kaffee und ein Stück Brot umsonst verabreichte.

Entsetzliche Reihen des Elends kamen frostbebend aus dem Dunkel zu dem Wagen.

Fadendünn umschlossen schmierige Lumpen die Entgleisten, oftmals durch große Löcher die kältegerötete Haut zeigend.

Mit gierigen Augen spähten sie auf den Moment, wo sie den ersehnten heißen Trank, das ersehnte Stück Brot erhielten. -

In ihre müden, ausgehungerten Gesichter trat ein Schimmer von neuer Lebenshoffnung, so sie mit zitternden Händen den Blechnapf voll heißen Kaffee zum Munde führten und in das Brot hineinbissen. -

Kein Laut wurde unter ihnen hörbar.

Schweigsam tauchten sie, wie Schatten einer Welt des Grauens, aus dem halbdunklen, nebelbrütenden Broadway, schweigsam verschwanden sie in demselben Nebelgrau. -

Und doch - falls sie sprechen wollten - sie konnten das Grauen verkünden.

Als John Workmann zu dem Platz seiner Kameraden kam, beantwortete er ihren lauten Gutenmorgengruß mit einem stillen Nicken des Kopfes. Dann winkte er ihnen mit der Hand zum Zeichen, dass sie ihm folgen sollten.

Die Boys waren gewohnt, John Workmann zu folgen.

Er war unter ihnen unzweifelhaft der Intelligenteste, und manch einer der Boys hatte sich von ihm schon Rat und Auskunft geholt.

Er war unter den Boys das, was die Amerikaner mit dem Namen "Boss" bezeichnen, d. h. auf Deutsch ein "Führer".

Die Zeitungsboys folgten ihm unter die Halle, welche von dem strahlenden Licht aus dem Maschinenraum erleuchtet war. Indem sich John Workmann gegen eine der mächtigen Spiegelscheiben lehnte, sagte er mit lauter Stimme, damit die Boys jedes Wort trotz der polternden und stampfenden Maschine hören konnten:

"Wenn einer von euch Charly Beckers noch einmal sehen will, dann kann er heute Mittag nach der Schule mit mir kommen. Charly Beckers wird heute sterben."

Es war, als ob plötzlich die Winterkälte sich auf diese Schar lebensfrischer und lebensmutiger Jungens mit ihrem eisigen Hauch gelegt hätte.

Das frohe blitzende Lächeln aus den frischen Gesichtern war verschwunden. Die Augen blickten ernst, und keiner von ihnen vermochte John Workmann etwas zu antworten.

Sie wussten ja alle, dass Charly Beckers krank geworden, aber dass er so jung sterben sollte, war für sie etwas Unfassbares.

"Kommt ihr mit?", fragte John Workmann.

Da nickten alle Jungens mit dem Kopf, als Zeichen, dass keiner von ihnen zurückbleiben würde. -

An diesem Morgen mochten sich die New Yorker darüber wundern, dass keiner der Zeitungsboys mit dem gewöhnlichen gellenden Indianergeheul die Zeitungen ausrief, sondern dass die Jungens mit merkwürdigem Ernst ihr Geschäft ausübten.

John Workmann hatte nur die Morgenausgabe besorgt, dann war er, so schnell ihn seine Füße trugen, zum kleinen Beckers geeilt.

Als er in dessen Schlafraum kroch, lag der Kleine mit Fieberwangen und weit geöffneten Augen auf seinem Lager. Er war so schwach, dass er kaum den Kopf emporheben konnte, um zu sehen, wer zu ihm hereinkam.

"Ich bin's, Charly", sagte John Workmann und hockte sich ganz dicht an das Lager des Kranken. - "Erkennst du mich?"

"Ja", hauchte Charly Beckers, "ich habe schon gewartet auf dich. Kurz bevor du kamst, träumte ich von einem goldenen Engel, der durch die Tür hereinkam und mich mit sich nehmen wollte. - Und dann bekam ich wieder furchtbare Angst und wachte auf. - - Gut, dass du da bist."

John Workmann nahm die neben dem Bett stehende Medizinflasche und flößte Charly Beckers einige Tropfen zwischen die Lippen.

"Hast du noch Schmerze

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