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Kannawoniwasein - Manchmal fliegt einem alles um die Ohren von Muser, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2019
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
7,99 €
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Kannawoniwasein - Manchmal fliegt einem alles um die Ohren

Jola hat Finn in die Sommerferien eingeladen, nach Polen, zu ihren Großeltern aufs Land. Hier warten wieder einmal jede Menge Abenteuer auf die zwei: Mit einem selbstgebauten Floß geht es auf große Fahrt, zusammen mit dem Jungen Antek und seinem dreibeinigen Hund. Dann müssen Finn und Jola noch ganz nebenbei herausfinden, ob Jolas Onkel wirklich eine Leiche im Schuppen versteckt hat und wie man einen Stier mit einem Cabrio fängt. Und am Ende gibt es eine krachende Silvesterfeier - mitten im Sommer. Martin Muser ist freier Autor, Dramaturg und Dozent und lebt in Berlin. Neben Drehbüchern für das deutsche Fernsehen schreibt er besonders gerne Kinderbücher. Bei Carlsen erschien 2018 sein hochgelobtes Debüt "Kannawoniwasein - Manchmal muss man einfach verduften", für das er mehrere Auszeichnungen bekam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 27.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646925364
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 4097 kBytes
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Kannawoniwasein - Manchmal fliegt einem alles um die Ohren

1.

Kaugummi verboten!

Der Fahrtwind bläst durchs offene Seitenfenster. Der Motor des Transporters schnurrt. Die Luft ist warm und es riecht nach Sommer, nach gemähtem Heu und heißem Asphalt.

Finn sitzt mit Jola auf dem Beifahrersitz. Hinter dem Steuer kaut Onkel Wojciech mit angespannter Miene auf einem Zahnstocher, während er den Transporter über die Straße lenkt. "Ich werde sie fahren wie rohe Eier", hat er Mama versprochen.

Jola und ihr Onkel haben Finn am Morgen in der Grimmstraße abgeholt. Finn hat sich schon die ganze Woche darauf gefreut, Jola wiederzusehen. Sie hat ihre Abmachung nicht vergessen: dass sie in den Sommerferien zusammen verreisen wollen. So richtig verreisen. In ein anderes Land. Nach Polen zu Jolas Großeltern, Babcia und Dziadek, auf den Bauernhof in Cedynia. Finn hat es sich auf der Karte angesehen. Cedynia liegt gleich hinter der Grenze an der Oder. Nur anderthalb Stunden mit dem Auto von Berlin entfernt. Finn wusste gar nicht, dass Polen so nah ist. Er war nämlich noch nie dort und sehr gespannt, wie es da wohl sein würde.

Mama dagegen war ein bisschen skeptisch. "Mit dem Bruchpiloten soll ich dich fahren lassen?", hat sie gesagt. 'Bruchpilot' war ihre Bezeichnung für Jolas Onkel und bezog sich auf dessen Fahrkünste. Letztes Jahr hatte Wojciech nämlich einen Unfall. Ausgerechnet mit einem Polizeiauto, in das er an einer roten Ampel reingerumst war. In Oranienburg ist das gewesen. Finn weiß es so genau, weil er selbst in dem Polizeiauto gesessen hat. Es war ja auch der Moment, wo er und Jola sich kennengelernt haben. Alles Weitere ist eine längere Geschichte, die selbst ein ganzes Buch füllen würde.

Auf jeden Fall sind Finn und Jola seitdem Freunde. Was gar nicht so einfach ist, wenn der eine in Berlin wohnt und die andere in Vehlefanz. So heißt nämlich das Dorf in der Nähe von Oranienburg, wo Jola mit ihren Eltern lebt. Finn und Jola haben sich andauernd Nachrichten geschrieben und stundenlang "videofoniert", wie Papa das nannte. Und zuletzt hat Finn es kaum mehr abwarten können, bis das Schuljahr endlich vorbei war und die Ferien angefangen haben. Die Ferien, in denen er und Jola nach Polen reisen würden. Papa fand die Idee von Anfang an prima. "Dann lernst du unsere Nachbarn kennen", hat er gesagt. "Das ist gut für die Völkerverständigung und damit Europa weiter zusammenwächst." Das fand Mama dann auch. "Ich werde diesem Wojciech aber klipp und klar sagen, dass er vorsichtig fahren muss."

Als der Transporter unten auf der Straße gehupt hat, ist Mama mit Finn die drei Stockwerke runtergelaufen. Finn hat seine Tasche getragen und als er unten ankam, stand Jola schon vor der Haustür. Sie hat auf den Fußspitzen gewippt und "Hi" gesagt. Finn hat auch "Hi" gesagt und sich ein Loch in den Bauch gefreut, sie wiederzusehen. Sie sah eigentlich noch genauso aus wie letztes Jahr, nur etwas größer, sodass zwischen ihr und Finn kaum mehr ein Unterschied lag.

"Wir sitzen vorne", sagte Jola und hüpfte zum Transporter.

Mama umkreiste den Wagen mehrmals und kontrollierte alles mit Argusaugen. "Ist das Fahrzeug nach dem Unfall fachgerecht repariert worden? Sind die Bremsen intakt? Haben die Reifen auch noch genug Profil?" Sie schaute sogar in den Laderaum mit den alten Waschmaschinen, die Wojciech immer in den Osten bringt. "Ist die Ladung auch ordnungsgemäß gesichert?"

Wojciech nickte mürrisch. "Ich versichere Ihnen, meine Dame, alles ist in bester Ordnung." Und dann sagte er das mit den rohen Eiern und Mama war einigermaßen beruhigt. Sie umarmte Finn und verzichtete auf den Abschiedsknuddelkuss, so wie sie es versprochen hatte, damit es nicht peinlich wurde. Finn kletterte zu Jola ins Führerhaus. Dann ging es los.

Sie sind schon eine gute Stunde gefahren. Durch die Stadt, durch den Stau. Aus der Stadt raus, immer Richtung Osten. Die Häuser wurden kleiner, die Landschaft immer grüner.

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