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Kelsang von Blackcrane, Gerelchimeg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2015
  • Verlag: Verlagshaus Jacoby & Stuart
eBook (ePUB)
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Kelsang

Kelsang ist noch ein Welpe, als seine Mutter, die treue Hütehündin einer Nomadenfamilie, einem Schneeleoparden zum Opfer fällt. Er wächst zu einem imposanten Hütehund heran und zieht mit seinem Herrn Tensing durch die Weiten der tibetischen Hochebene. Doch eines Tages tauchen zwei Männer auf und überreden Tensing, ihnen seinen beeindruckenden reinrassigen Hund zu verkaufen. Während vieler Abenteuer lernt Kelsang besonders die schlechten Seiten der Menschen kennen - er wird bei Hundekämpfen eingesetzt und als Wachhund eingesperrt, er muss sich als Straßenhund in Lhasa durchschlagen und als Haushund in einer eleganten Villa leben. Erst als er Han Ma trifft, der ihn mit zurücknimmt ins vertraute Grasland, findet er jemanden, den er als Herrn akzeptieren und lieben kann. Ein fesselnder Roman über die Abenteuer eines wilden und doch liebenswerten Tibetmastiffs. Das Hohelied der unendlich weiten Grassteppen Tibets und der Mongolei. Gerelchimeg Blackcrane, ausgezeichnet mit zwei Chinesischen Kinderliteraturpreisen (Chinese National Children's Literature Awards), ist in der Inneren Mongolei aufgewachsen. Er hat mehrere Bücher geschrieben, in denen Tiere die Hauptrolle spielen und die vom Leben der Nomaden in Tibet und der Mongolei erzählen. Heute lebt Gerelchimeg Blackcrane in der Provinz Heilongjiang in China.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 16.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942787819
    Verlag: Verlagshaus Jacoby & Stuart
    Größe: 451 kBytes
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Kelsang

I

Eine verschneite Nacht

Es schneite zum zweiten Mal in diesem Frühling. Große schwere Flocken hatten sich hoch oben am Himmel zusammengeballt und fielen nun, soweit das Auge reichte, zur Erde. Jede einzelne Flocke versuchte, der Erde das erste bisschen Grün zu rauben. Bei Einbruch der Nacht fiel der Schnee schneller und bedeckte den Boden in sanfter Umarmung - knisternd und pfeifend, stoßend und drängend -, und fast augenblicklich merzte der frische Schnee alle Spuren des alten zum Schmelzen bereiten Schnees aus. Der Schnee fiel nun dichter und bildete vor dem Himmel einen Vorhang, in dem nicht der geringste Spalt mehr zu sehen war.

Das war auf der nordtibetischen Hochebene, die auch der dritte Pol der Erde genannt wird, denn sie thront über einer Welt des Eises. Sie lässt uns an die Entstehung des Universums denken. Sie ist wild, fern jeglicher Zivilisation und öde.

Jurten sind wie winzige Inseln inmitten der brutalen Schneestürme des Hochplateaus. So unbedeutend wie einzelne züngelnde Flammen in der unendlichen Weite der Wildnis scheinen sie Gefahr zu laufen, jeden Augenblick von Schneewehen verschluckt zu werden. Ein tibetischer Hirte kann eine Jurte in Minutenschnelle aufbauen und so unverzüglich ein warmes Heim gegen Wind und Schnee erschaffen, eines, das er immer mit sich führen kann, wenn er von Ort zu Ort zieht.

Die Do-Khyi-Mutter - ein Do Khyi ist eine Tibetdogge -, umkreiste die Jurte. Durch die Yakhaarwände hörte sie ein Kind leise weinen und den sanften Singsang seiner Mutter. Alles war, wie es sein sollte.

Sie lief nun hinter die Jurte, wo das Vieh gehalten wurde. Dort standen vielleicht ein Dutzend eingeschneite Yaks , die wie weiße Hügel aussahen, während sie das Gras, das so schwer zu finden war, wiederkäuten. Ihre Kaugeräusche ähnelten denen des Windes, wenn er durch saftiges Herbstgras bläst. Die etwa zweihundert Schafe wiederum schmiegten sich wie immer eng aneinander, um sich gegen die Kälte zu schützen.

Dies war ein neuer Lagerplatz. Einen Monat zuvor hatte Tensing, ihr Herr, das Vieh von der Winterweide an diesen Ort gebracht, um den Frühling zu begrüßen. Die Schafe und Yaks waren ausgemergelt und erschöpft vom strengen Winter, und hier sollten sie nun wieder zu Kräften kommen und an Gewicht zulegen.

Die Do-Khyi-Mutter blickte hinüber und sah ein kleines Begrüßungslächeln über Tensings Gesicht huschen, das von der ungefilterten Hochlandsonne knallrot war - das hieß, er war guter Dinge. In Zeiten wie diesen konnte es sogar geschehen, dass er auf sie zuging und ihr liebevoll über den Kopf strich. Die unbarmherzigen Wintertage lagen unwiderruflich hinter ihnen. Es war eine Maiennacht auf dem tibetischen Hochplateau, und alles war, wie es sein sollte: ruhig und still.

Nachdem sie ihr Territorium in Augenschein genommen hatte, begab sich die Do-Khyi-Mutter zu einem Haufen Schaffellen hinter der Jurte. Mit einer ihrer Vorderpfoten schob sie vorsichtig eines der Felle beiseite, und sofort ließ sich das leise Winseln von Welpen vernehmen. Die drei wohlgenährten Welpen erkannten ihre Mutter am Geruch und kletterten ihr mit wackelnden Köpfen entgegen. Ein tiefes Knurren entsprang ihrer Kehle, sie schüttelte die nassen Schneeflocken aus ihrem Fell und ließ sich auf die Schaffelle fallen. Die Welpen drängten sich ungeduldig an ihren Bauch, während sie schubsend in ihrem dicken Fell nach einer Zitze suchten. Hatten sie eine gefunden, hielten sie sie mit ihren zarten Pfoten fest und saugten gierig daran.

Die Do-Khyi-Mutter blickte noch einmal aufmerksam umher. Es war vollkommen ruhig. Sicherlich war sie unnötig wachsam, aber ein tibetischer Hirtenhund lässt niemals nach in seiner Wachsamkeit.

Die Welpen waren fast einen Monat alt, und ih

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