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Konrad. Die lange Flucht Ein Jugendkrimi von Bottländer, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2013
  • Verlag: Universitätsverlag Brockmeyer
eBook (ePUB)
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Konrad. Die lange Flucht

Konrads größter Feind ist sein 'Widerstandsnerv', der ihn immer wieder zu den unsinnigsten Handlungen treibt. So landet er schließlich in der Heimerziehung. Aber auch hier eckt er immer wieder an. 'Du bist der letzte Dreck!' So beschimpfen sie ihn. Immer wieder. Alle. Als er eines Tages eine Möglichkeit zur Flucht sieht, zögert er nicht lange und bewegt sich von da ab am Rande der Gesellschaft, im Rocker-, Nichtsesshaften- und Süchtigenmilieu. Sein Überlebenskampf auf der Suche nach einer inneren Heimat und menschlicher Wärme beginnt. In einer Hard-Rock Band findet er endlich Geborgenheit. Doch auch hier kann er nicht bleiben. Reinhard Bottländers Jugendroman fasziniert nicht nur wegen der spannenen äußeren Handlung, sondern auch wegen der inneren Monologe, die Einblicke in die Psyche Konrads geben und uns nachdenklich machen. REINHARD BOTTLÄNDER 1948 in Bochum stammt aus einer Bergarbeiterfamilie, 1965 Eintritt in den Polizeidienst, Kriminalhauptkommissar. Er machte sich bereits in den 80er Jahren einen Namen als Jugendbuchautor, ab 2007 folgten Kriminalromane, die reale Hintergründe aufzeigen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 11.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783819609282
    Verlag: Universitätsverlag Brockmeyer
    Größe: 318 kBytes
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Konrad. Die lange Flucht

Konrad hatte Nadias Wohnung verlassen, war stundenlang ziellos durch die Stadt gestrolcht, hin- und hergerissen von dem Wunsch, zurückzugehen, Nobby zu stellen und ihm eine Lektion zu erteilen. Dabei wusste er genau, dass dieser Grund nur vorgeschoben war, ein Alibi sozusagen, das es ihm ermöglichen sollte, zu Nadia zurückzukehren, die mehr Platz in seinen Gedanken eingenommen hatte, als er sich selbst eingestehen wollte. Der Gedanke, dass er sich selbst Gewalt antat, tauchte immer öfter in ihm auf, und er versuchte ihn durch Ablenkung zu verdrängen. Er war in ein Kaufhaus gegangen, hatte sich in der Musikabteilung die neuesten Hits vorspielen lassen, war durch die Buchabteilung geschlendert, hatte sich zwischen Kleiderständern herumgedrückt und konnte seine Gefühle doch nicht verdrängen. Der Gedanke an Nadia ließ ihn nicht mehr los. Und dann hielt er es nicht mehr aus. Wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, trieb es ihn zu Nadias Wohnung zurück. Doch er wagte nicht, bei ihr zu schellen. Nicht, dass er Nobbys Anwesenheit gefürchtet hätte, nein, ein inneres Gefühl, das er nicht zu erklären vermochte, hielt ihn zurück. Deshalb setzte er sich schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite auf einer Wiese nieder, von wo aus er die Eingangstür zu Nadias Wohnung beobachten konnte, und wartete, wartete Stunde um Stunde, geduldig und in der Hoffnung, dass sie irgendwann herauskommen würde. Doch was dann? Sollte er sie ansprechen? Auf ihm unbegreifliche Weise hatte er Angst davor, obwohl er sich immer wieder einredete, dass es eigentlich keinen Grund dafür gäbe. Und doch, er war unruhig und unsicher wie schon lange nicht mehr und außerordentlich erregt. Und wenn Nobby bei ihr war? Bei diesem Gedanken brandete eine mörderische Wut in ihm auf und Hass, wütender Hass auf Nobby, bis er merkte: Es war Eifersucht! Zunächst versuchte er abzuleugnen, sich selbst zu betrügen. Doch die Gewissheit war da, aufgebrochen durch die Schale eigener Erkenntnis. Sie machte das Warten zur Hölle. Der Gedanke, dass bei Nadia ein anderer war, Nobby, den er nun hasste wie keinen anderen Menschen jemals zuvor, dieser Gedanke wurde unerträglich. Er riss ihn hoch, beherrschte ihn nun ganz und ließ ihn handeln. Für einen kurzen Moment zog sich ein bitterer Zug um seine Mundwinkel. Er war wieder da, der "Wahnsinnsnerv". Er hatte sich diesmal gut getarnt; lange hatte er ihn nicht bemerkt, doch jetzt hatte er ihn erkannt und konnte doch nicht gegen ihn an. Diese kurze Erkenntnis verging, entzog sich seinem Bewusstsein so schnell, wie sie aufgeflackert war. Und so ging Konrad los, zielstrebig, ohne noch einmal über sein Vorhaben nachzudenken, ohne eine weitere Abwägung zu treffen, ohne irgendeinen Gedanken an "später". Nichts konnte ihn aufhalten, alles war ihm egal, nur der Gedanke an Nadia beherrschte ihn und verdrängte Angst, Vorsicht, Zurückhaltung und Empfindsamkeit. In diesem Zustand war er ein Automat, der mechanisch handelt. Er erreichte den Anbau, drückte den Klingelknopf.

Die Tür öffnete sich, Nadia stand im Rahmen, sah ihn mit großem Erstaunen an, schien zu erahnen, was mit ihm geschah.

Er sagte ohne die geringste innere Erregung: "Wo ist Nobby?"

"Er ist weg – schon lange. Komm herein, du kannst dich selbst überzeugen."

Mit dem ersten Schritt und mit jedem weiteren änderte sich sein Zustand, löste sich der innere Krampf, fiel von ihm ab und machte Platz für einen Moment der Ernüchterung, dem sofort Verlegenheit folgte. Konrad blieb stehen, druckste herum, setzte einige Male zum Reden an, ohne aber einen klaren Gedanken fassen zu können, schwieg dann betroffen.

"Es ist schön, dass du vorbeigekomm

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