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Krähenmann Thriller von Bomann, Corina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2014
  • Verlag: Coppenrath Verlag
eBook (ePUB)
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Krähenmann

Rügen/Eliteinternat Rotensand: Ein Serienmörder tötet auf grausame Weise. Seine Spur reicht weit in die Vergangenheit zurück. Auf der fieberhaften Suche nach dem unheimlichen 'Krähenmann' kämpft sich die 16-Jährige Stipendiatin Clara durch ein Labyrinth aus Verdächtigen und falschen Fährten. Die Mordserie reißt nicht ab und schließlich gerät Clara selbst ins Visier des rachedurstigen Killers ... Seit sie denken kann, liebt sie Bücher und seit sie schreiben kann, schreibt sie Geschichten. Ursprünglich kommt sie aus Mecklenburg, lebt jetzt aber in Berlin. Sie mag Bücher, Filme, Musik und Schokokuchen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 01.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783649620266
    Verlag: Coppenrath Verlag
    Größe: 2139 kBytes
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Krähenmann

1.

Manchmal malte ich mir die Dinge so aus, wie sie hätten sein können, wäre das Schicksal nicht dazwischengegrätscht.

Heute war wieder einer von diesen Momenten. An diesem sonnigen Septembertag hätten mich meine Eltern hergefahren. Papa hätte mir mit dem Gepäck geholfen und mir mit auf den Weg gegeben, dass ich mich anständig benehmen sollte. Mama hätte mich fest an sich gedrückt, mich geküsst, obwohl ich schon 16 war, und gesagt, wie sehr sie mich vermissen würde.

Aber das würde nicht passieren, konnte nicht passieren.

Ich stand allein vor dem großen Tor des Rotensand-Gymnasiums, ein Taxi hatte mich aus Saßnitz rübergefahren. Den größten Teil meiner Sachen hatte ich bereits per Post vorgeschickt. Besonders viel besaß ich ohnehin nicht.

Als ich damals in das Heim gezogen war, hatte ich kaum etwas mitgenommen. Nicht, weil ich mich nicht an mein altes Leben erinnern wollte. Nein, die Erinnerungen waren immer da, genauso wie die Bilder aus vergangenen Tagen. Sie waren die Nahrung für meine Was-wäre-wenn-Spiele. Diese waren eigentlich nutzlos, ineffektiv. Dennoch spielte ich sie immer wieder. Es war meine Art, jene, die nicht mehr da waren, am Leben zu halten.

Der Trolley schaukelte hin und her, als ich ihn über den Gehweg zog. Die roten Wände des Internats leuchteten im Schein der Nachmittagssonne.

Früher war es mal ein Gutshaus gewesen, dann war Rotensand als Waisenhaus genutzt worden. Der letzte Gutsherr hatte weder Frau noch Kinder gehabt, und weil es damals "in" gewesen war, wohltätig zu sein, hatte er es gestiftet, um armen Waisen ein Zuhause zu geben. Noch in der DDR-Zeit waren hier Kinder untergebracht gewesen, aber nach der Wende wurde aus Rotensand ein Eliteinternat, das sich nur gut betuchte Familien leisten konnten.

Ich war weder gut betucht noch hatte ich eine Familie. Mein Reichtum hieß Begabtenstipendium. Ich hatte hierher gewollt, weil ich wusste, dass mir mit einem Abschluss in Rotensand die Welt offenstand. Dass das Internat einstmals ein Waisenhaus gewesen war, machte mir den Ort nur noch sympathischer. Ich fand es irgendwie passend, nachdem ich acht Jahre in einem Heim gelebt hatte.

Ich sollte mich im Hauptgebäude beim Rektor melden. Die ersten Schüler waren bereits aus den Sommerferien zurück. Einige standen auf dem Hof zusammen und rauchten. Das war eigentlich nicht erlaubt, sollte ich den Schulbroschüren Glauben schenken. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Die Tür des mittleren Traktes stand leicht auf. Ein Mann fegte gerade die Treppe, die vom Foyer nach oben führte.

"Entschuldigung?" Ich hob den Koffer über die Schwelle. Der breite Stein war leicht ausgetreten. Tausende Füße mussten im Laufe der Zeit darüber gelaufen sein.

"Hmm?", murrte der Mann, ohne von seiner Arbeit aufzusehen.

"Wo finde ich denn das Büro des Rektors?" Ich hatte vergeblich nach einem Lageplan des Gebäudes im Internet gesucht.

"Durchs Foyer und dann rechts in den Gang."

Zu mehr Auskunft war der Mann nicht bereit.

Ich bedankte mich trotzdem und zog den Trolley durch die Eingangshalle. Ein paar Bilder zierten hier die Wände, alte Schinken, die wohl noch aus Gutsherrenzeiten stammten und den damaligen Hausherrn und seine Angehörigen zeigten.

Wenig später klopfte ich an eine schwere Flügeltür, auf der in goldenen Lettern das Wort Rektorat stand. Die Stimme, die mir antwortete, war dunkel und warm. Ich trat ein.

Mochte das Haus von außen antiquiert wirken, das Büro des Rektors war hochmodern eingerichtet. Der Schreibtisch, an dem er saß, war aus Chrom und Glas.

"Mein Name ist Clara Hansen, ich sollte mich bei Ihnen melden."

Der Mann, etwa Mitte fünfzig mit grau melierten Haaren und dunklem Anzug, sprang von seinem Stuhl auf.

"Clara, wie schön, dass Sie da sind! Wir haben Sie erst heute Abend erwartet, aber so ist es natürlich auch gut."

Heute Abend? Haben die wirklich geglaubt,

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