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Mörderkind von Mayer, Gina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2014
  • Verlag: Ravensburger Verlag
eBook (ePUB)
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Mörderkind

Alles ist öde in diesem gottverlassenen Kaff am Meer. Und wohin sie mit ihrem Leben will, weiß die sechszehnjährige Levke auch nicht. Warum musste ihre Mutter sie von Berlin hierher mitschleppen? Doch dann findet Levke einen Toten am Strand ? und alles verändert sich. Die Spuren führen sie in die Vergangenheit. Eine Vergangenheit, in der ihre Mutter eine andere war. Und Levke muss erkennen, dass alles, was sie zu wissen glaubte, eine große Lüge ist. Gina Mayer studierte Grafik-Design und arbeitete als Werbetexterin, bevor sie mit dem Bücherschreiben begann. Inzwischen hat sie viele Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke wurden u. a. für den Deutsch-Französischen-Jugendliteraturpreis und den Hansjörg-Martin-Preis nominiert und mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Gina Mayer lebt in Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783473475452
    Verlag: Ravensburger Verlag
    Größe: 2662 kBytes
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Mörderkind

I

Immer wenn der Regen ans Fenster schlug, musste sie an diesen Sommer zurückdenken. Der Sommer, in dem es nicht aufgehört hatte zu regnen. Das Geräusch der Regentropfen brachte das alte Haus mit den knarrenden Türen zurück, die Türen, die Barbara eine nach der anderen aus den Angeln gehoben, abgeschliffen und geölt hatte. Der Regen erinnerte Levke an das leise Schmatzen der Ostsee. An den Toten am Strand. Und an Tom.

Rippenhoven. So hieß das Dorf, in dem Barbara ein altes Bauernhaus erstanden hatte. "Wir ziehen aufs Land", hatte sie eines Tages aus heiterem Himmel verkündet. "Wir richten die alte Hütte wieder her und dann kaufen wir uns einen Hund und ein Pferd und acht Hühner. Du wirst sehen, das wird super."

Wie so oft war Levke ganz anderer Meinung gewesen als ihre Mutter. Sie wollte nicht aufs Land. Schon gar nicht nach Rippenhoven, in dieses Zweihundert-Seelen-Nest im Nichts zwischen Lübeck und Wismar. Sie wollte ... Was wollte sie damals überhaupt? Nichts.

Levke hatte gerade in Berlin ihren Realschulabschluss gemacht. Notendurchschnitt: 2,9. Das war zu schlecht fürs Gymnasium und außerdem hatte sie sowieso keine Lust mehr auf Schule.

Und eine Ausbildung? Als Bankkauffrauverkäuferinarzthelferinfriseuseschaufenstergestalterin? Es ödete Levke an, wenn sie auch nur daran dachte.

"Lass uns erst weg aus der Stadt", sagte ihre Mutter. "In Rippenhoven wird dir dann auch klar, was du machen willst."

"Rippenhoven", sagte Levke verächtlich. "Rip. R.I.P. Weißt du, wofür das steht?"

"Rest in Peace" , fuhr sie fort, als Barbara nicht antwortete. "Ruhe in Frieden."

Rippenhoven stand jedoch weder für Ruhe noch für Frieden. Aber das wussten sie damals noch nicht.

Sie wohnten nur ein paar Monate dort. Von Anfang Juli bis Ende September. Danach zogen sie zurück nach Berlin. "Vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder hierher zurück", sagte Barbara. Aber sie wussten beide, dass das niemals geschehen würde.

Dass es vorbei war.

Am Anfang blieb die Zeit stehen. In Rippenhoven gab es keine Termine, keine Verabredungen, kein Kino, keine Disco, nicht mal einen Burgerladen. Nichts. Am ersten Wochenende kamen Barbaras Freunde aus Berlin und fielen über das alte Haus her wie Wespen über ein Stück Pflaumenkuchen. Am Sonntagabend zogen sie wieder ab und hinterließen Stapel von schmutzigem Geschirr in der Spüle und eine Batterie von leeren Weinflaschen. "Für sie war es Urlaub, aber für mich war es der totale Stress", meinte Barbara, als der Volvo mit Ulf, Karen, Frank und Ulrike endlich vom Hof gefahren war.

Danach gab es nur noch Barbara und Levke. Und natürlich Vladimir und Tomasz. Tomasch. Tom, wie ihn Levke später nannte.

Vladimir und Tomasz hatte Barbara schon im Mai angeheuert. Sie sollten das Haus so weit in Ordnung bringen, dass Barbara und Levke darin wohnen konnten. "Ein paar Wochen wird das schon dauern", hatte Barbara gemeint. Der Plan war, dass die Polen weg waren, wenn Levke und ihre Mutter einzogen. Sie sollten eigentlich nur die Böden abschleifen und das Bad in Ordnung bringen, aber dann stellte sich heraus, dass die ganze Elektroinstallation marode war, das Dach musste gedämmt und neu gedeckt werden, einige Holzbalken waren morsch und die Sanitärrohre waren eine Katastrophe.

Am Ende blieben Vladimir und Tomasz drei Monate. Genauso lange, wie Levke und Barbara in Rippenhoven wohnten, lebten auch die zwei polnischen Handwerker in ihrem Zimmer unter dem Dach, dessen Decke sie notdürftig gegen den Regen isoliert hatten. Vladimir, Tomasz, Barbara und Levke frühstückten morgens zusammen und mittags kochte Levkes Mutter für alle. Sie benutzten das gleiche Badezimmer, in dem die Kloschüssel und das Waschbecken von Rissen überzogen waren wie von einem Spinnennetz. Sie waren eine seltsame zweigeteilte Familie.

"Dieses Haus ist eine Zumutung", sagte Levke jeden Morgen und erntete dafür eine

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