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Malfuria. Das Geheimnis der singenden Stadt von Marzi, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2012
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Malfuria. Das Geheimnis der singenden Stadt

Ein Zeitalter voller Wunder. Ein Europa, aus dessen Fluten sich die großen Städte erheben. Ein Mädchen, das im Verborgenen lebt. Eine vergessene Königin, in deren Augen die Schatten wohnen. Eine uralte Macht, die wieder zu atmen beginnt. Der Auftakt zu einer Fantasy-Trilogie, deren fantastische Facetten den Leser in Erstaunen versetzen.

Christoph Marzi begann bereits im Alter von 15 Jahren zu schreiben. Sein Romandebüt 'Lycidas' avancierte 2004 zu einem Überraschungserfolg: 2005 wurde Christoph Marzi mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seitdem schreibt er mit großem Erfolg sowohl für Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. Er arbeitet als Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Saarbrücken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 01.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401800172
    Verlag: Arena Verlag
    Serie: Malfuria-Trilogie Bd.1
    Größe: 2195kBytes
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Malfuria. Das Geheimnis der singenden Stadt

Die singende Stadt

Sie kam jeden Tag hierher und sprach mit dem Wind, der meistens um diese Zeit zur Burg hoch über dem Hafen wehte und in den knorrigen Zweigen der Pinien hockte. Catalina Soleado kannte den wispernden Wind schon seit ihrer Kindheit und wusste, auf welchen Namen er hörte: El Cuento. Warm war er wie die Sonne und so geheimnisvoll wie eine Geschichte, die ihr leise um die Nase wehte und selbst dann noch ein Lächeln in das gebräunte Gesicht mit den hellen grünen Augen zaubern konnte, wenn niemand sonst dies vermochte. Auch heute, an diesem Tag, vor dem sie sich schon seit Langem gefürchtet hatte.

Der Wind war ein Freund, und wenn er ihr die Geschichten erzählte, die er draußen weitab der weißen Klippen oder sonst wo gefunden hatte, dann fühlte sie sich wie jemand, der einfach nur glücklich war.

Oft saß sie, wie gerade jetzt, auf der breiten Festungsmauer vor dem Kastell, ließ die Füße baumeln und blickte auf die azurblaue See hinaus, wo die kleinen Fischerboote mit den dreieckigen Segeln ihre Runden drehten. Und während der Wind ihr Worte zuflüsterte, die zu Geschichten wurden, da kam ihr das Leben, das sie führte, gar nicht so einsam vor und die singende Stadt war mit einem Mal das Zuhause, das hier zu finden sie niemals geglaubt hätte.

Catalina hatte die wuselnden Worte im Wispern des Windes schon als kleines Kind erkannt. Am Strand in ihrer Heimat war sie ihm das erste Mal begegnet und von da an waren sie Freunde gewesen. Schon damals hatte er ihr Geschichten erzählt und sie zum Lachen gebracht. Immer war er für Streiche zu haben gewesen und niemals war einer der Nachbarn dahintergekommen, wer die Wäsche von der Leine geweht oder die Hunde so lange am Fell gekitzelt hatte, dass ihr wütendes Gebell selbst den müdesten Schläfer aus seiner Siesta hatte aufschrecken lassen. Sie hatten viel Spaß miteinander gehabt, der Wind und sie.

Ihre Eltern aber waren von all dem nicht gerade begeistert gewesen. "Du darfst mit niemandem darüber reden!", hatten sie gewarnt.

Catalina hatte nicht verstanden, was schlimm daran sein sollte, dass sie mit dem Wind sprach.

"Die anderen Menschen halten dich für verschroben."

"Was heißt das... verschroben sein?" Sie war gerade einmal fünf Jahre alt gewesen, noch zu klein, um die Besorgnis ihrer Eltern zu verstehen. Aber alt genug, um die Furcht in ihrer beider Augen zu erkennen.

"Verschroben sein heißt, dass du anders bist."

"Anders als wer?"

"Anders als die anderen. Die Menschen reden normalerweise nicht mit dem Wind."

"Was ist so schlimm daran?"

"Die Menschen mögen es nicht, wenn jemand anders ist."

"Aber es wäre langweilig, wenn alle gleich wären!"

"Du bist noch zu jung, um das zu verstehen."

"Was soll denn schon passieren, wenn sie es herausfinden?", hatte sie gefragt.

Ihr Vater hatte langsam ihre Hände ergriffen und sie ganz ernst angeschaut. "Nicht alle Menschen", hatte er gesagt, "sind auch gleichzeitig gute Menschen. Und selbst die guten Menschen sind manchmal böse, ohne dass sie es wirklich sein wollen. Sie tun dann schreckliche Dinge. Dinge, von denen sie glauben, dass sie richtig sind. Das, Catalina, ist überhaupt das Allerschlimmste."

Sie war wirklich noch zu jung gewesen, um das zu verstehen.

"Ich werde es für mich behalten", versprach sie. Und genau das hatte sie all die Jahre getan.

Catalinas Blick wanderte von der Küstenlinie zu den bunten Häusern, deren Dächer im Sonnenlicht funkelten, hinüber zu den spitzschrägen Kirchtürmen der Sagrada Família, und zurück an den Ort, wo die klare blaue See das Land berührte.

La Marina, das Viertel der Fischer und Seeleute, lag träge in der flimmernden Hitze der Mittagssonne. Kaum jemand regte sich dort unten. Selbst die Katzen lagen ausgestreckt in den Ecken und schliefen schnurrend. Boote mit Netzen und schlaffen Segeln säumten die Piers. Von hier oben sahe

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