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Manchmal gehört mir die ganze Welt von Lind, Mecka (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.08.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Manchmal gehört mir die ganze Welt

Spannender Roman über Straßenkinder in Kopenhagen. Sanne wurde von der Mutter mit drei Jahren in ein Heim abgeschoben. Krank vor Sehnsucht nach Liebe ihrer Mutter, kehrt sie immer wieder nach Hause zurück. Doch dort stört sie nur und ist nicht willkommen. Die 13-Jährige kämpft ums tägliche Überleben. Das kostet viel Kraft. Gibt es für Sanne doch noch den Weg zurück in ein 'normales' Leben? Rezensionszitat 'In einem Land wie Dänemark, das über ein ausgebautes Sozialsystem verfügt, sind es nicht materielle Probleme, die Kinder auf die Straße treiben, sondern die seelische Überforderung der Eltern mit ihrem eigenen Leben und ihre Unfähigkeit, ihren Kindern ein Zuhause zu geben, Zeit zu finden, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen, zuzuhören. Ein Stück Aufklärung für alle, die von der Freiheit auf der Straße traäumen.' - www.buxtehuder-bulle.de Biografische Anmerkung Mecka Lind wurde 1942 in Lund, Schweden geboren. Sie arbeitete in der Werbung, als Reiseleiterin und als freie Jounalistin, bevor sie 1982 ihr erstes Kinderbuch veröffentlichte. Seitdem hat sie viele Kinder- und Jugendbücher geschreiben, di in über zehn Sprachen übersetzt wurden und zahlreiche internatiale Preise erhalten haben, unter anderen den Buxtehuder Bulle sowie den Gustav-heinemann-Friedenspreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 07.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711464885
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1833 kBytes
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Manchmal gehört mir die ganze Welt

1

Sanne sinkt an der Hauswand in sich zusammen. Sie ist müde heute abend. Aber es ist naßkalt, und der eisige Wind zwingt sie, bald wieder weiterzugehen. Wo soll sie bloß hin? Sie war sich so sicher gewesen, bei Lisbeth übernachten zu dürfen, aber um halb zwölf hatte Lisbeths Vater in der Tür gestanden und gesagt, daß es für Sanne jetzt Zeit wäre zu gehen, damit seine Tochter ins Bett käme. Das war also nichts gewesen.

Natürlich kann sie immer noch nach Hause gehen. Nach Hause zu Mama und ihrem neuen Kerl. Gestern abend hat sie offenbar mal wieder eine Eroberung gemacht. Sanne kennt ihn noch nicht, aber sie traf ihren kleinen Bruder Jörgen vor seiner Schule, und er hat ihr erzählt: "Er ist mindestens einen halben Kilometer groß und so mager, daß er mit den Knochen klappert, und er hat unheimliche Augen. Aber Mama ist froh, und ich durfte bis halb eins aufbleiben und Videos gucken."

Die schwere Tür quietscht widerstrebend, als Sanne sie öffnet. Ein durchdringender Uringestank schlägt ihr entgegen, und aus alter Gewohnheit hält sie die Luft an, bis sie auf den Hinterhof hinaustritt. Sie schaut enttäuscht zu den erleuchteten Fenstern im vierten Stock hoch. Insgeheim hatte sie gehofft, daß es dunkel sein würde, daß Mama und Jörgen allein wären und schon schlafen würden und daß sie selbst in ihr Bett kriechen könnte, ohne sich noch stundenlanges Gemecker und Gelaber anhören zu müssen.

Sie bleibt einen Moment stehen und wartet. Alles, was sie von dort oben hört, ist leise Musik. Sanne versteht sehr gut, daß Mama "einen Mann im Haus haben will, der das Elend mit ihr teilt", wie sie immer sagt. Was sie allerdings nicht versteht, ist, warum sie nie einen netten ordentlichen kennenlernt, sondern immer nur diese gewalttätigen, unberechenbaren Typen, mit denen sie sich ständig einläßt. Die kalte und scheußlich ungemütliche Februarnacht bringt Sanne schließlich dazu, trotz allem Richtung Hintertreppe zu gehen. Aber sie ist noch nicht richtig im Haus, als Mamas Falsettstimme durch die Dunkelheit dringt und von einer fremden, lallenden Säuferstimme übertönt wird. Dann geht der Streit unbarmherzig hin und her, es hallt nur so zwischen den Mauern.

Frau Sörensen im Erdgeschoß macht Licht, und der Streit wird noch lauter. Sanne treibt es fast wieder auf den Hof hinaus.

Die Sache ist für sie klar. Es kann so kalt sein, wie es will, dort hinauf geht sie auf keinen Fall! Sie wird sich die Nacht über auf den Straßen herumtreiben müssen oder versuchen, ein Treppenhaus zu finden, wo sie sich in einer Ecke verkriechen und ein paar Stunden schlafen kann. Wie schon so oft. Aber das ist ihr immer noch lieber, als in den blödsinnigen Krach da oben hineingezogen zu werden.

Aber kurz bevor die Haustür hinter ihr zuschlägt, hört sie, wie ihre Mutter verzweifelt um Hilfe ruft. Sie erstarrt. Das klang gar nicht gut. Diesmal scheint sie ja einen richtigen Mistkerl erwischt zu haben. Sie rennt wieder auf den Hof und in den Hintereingang hinein, wo sie von der aufgebrachten Frau Sörensen angehalten wird.

"So geht es schon den ganzen Abend", beschwert sich die alte Dame. "Daß deine Mutter nie ein ordentliches Leben führen kann, Sanne!"

Wenn Sanne eins nicht ausstehen kann, dann ist es, wenn die Leute schlecht über ihre Mutter reden. Da kann sie noch so blöd sein.

"Sie haben keine so große Lippe riskiert, als der alte Sörensen noch lebte", sagt sie deshalb frech. "Da ging es hier unten auch ganz schön rund, wenn er von seinen Kneipentouren zurückkam."

Wieder schneidet ein schrecklicher Schrei durch die Nacht. Sanne zuckt zusammen und stürzt die Treppen hinauf.

"Und der arme kleine Jörgen!" ruft Frau Sörensen ihr nach.

"Der hat schon in der Wiege gelernt, den Kopf einzuziehen", brummt Sanne.

Sie reißt die Küchentür auf. Mama steht zwischen Kühlschrank und Spüle eingeklemmt und hält die Arme schützend über den Kopf. Der Mann wendet Sanne den Rücken zu.

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