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Marie und der Vogelsommer Roman. Mit Vignetten von Katja Spitzer von Alves, Katja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2016
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
11,99 €
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Marie und der Vogelsommer

Die 11-jährige Marie zieht mit ihrer Familie um und fühlt sich wie ein Vogel, der aus dem Nest gefallen ist. Einfühlsam und humorvoll erzählt Katja Alves, wie es sich anfühlt, wenn man dringend eine neue Freundin sucht und immer an die falsche gerät. Marie ist in dem Haus mit Garten in der anderen Stadt nicht besonders glücklich. Anders als ihr Bruder Spidy vermisst sie ihr altes Zimmer und ihre Freunde. Zum Glück hat sie das Vogelbuch, ihr größter Schatz. Vielleicht werden Sarah und Konstanze aus ihrer neuen Klasse ja ihre Freundinnen? Nur: Warum sind die beiden manchmal so ausgesprochen fies? Erst mithilfe von Björn merkt Marie, dass sie einfach an die falschen Mädchen geraten ist und Hilfe braucht. Ein Buch, das zu Herzen geht, für Mädchen, die sich nicht unterkriegen lassen. Katja Alves, geboren 1961 in Coimbra/Portugal, arbeitete in verschiedenen Berufen, u.a. als Buchhändlerin und Musikredakteurin, heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie in Zürich. Sie schreibt für Zeitungen und Zeitschriften (Du, NZZ, Tages-Anzeiger), vor allem aber Kindergeschichten und Kinderhörspiele. In der Schweiz wurde sie auch mit dem "Schreckmümpfeli" und der "Morgegeschicht" (Radio DRS) bekannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 12.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407747808
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Größe: 2871 kBytes
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Marie und der Vogelsommer

Seit wir hier wohnen, beobachte ich die Amsel jeden Tag. Ich drehe am Rädchen meines Fernrohrs und hole sie ganz nah zu mir, bis ich jede ihrer Federn sehen kann. Ich weiß alles über sie. Weil ich alle Vögel kenne.
350 Kilometer und eine gelbe Wand

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie alles losging. Es war kurz nach Mittag und wir waren am Warten. Mein kleiner Bruder schoss wie eine Rakete durch die Wohnung, ich stand etwas unschlüssig mit meinem Rucksack im Flur und wusste nicht so recht, was ich bis zu unserem Aufbruch noch machen sollte.

Bis auf ein paar wenige Kisten mit Mamas empfindlichen Kunstgegenständen und einer Faltmatratze war alles leer geräumt. Sämtliche Möbel waren bereits von einer Umzugsfirma abgeholt worden. "Marie! Guck mal!" Mein Bruder kletterte jetzt auf einen Karton und fuchtelte wie wild mit den Armen. "Ich bin Spiderman!" Seine Stimme hallte eigenartig durch die leere Wohnung.

"Nicht doch, Spidy!", rief Mama entsetzt. "Sonst kippt der ganze Krempel um!" Mama versuchte meinen Bruder herunterzuheben, was bei ihm auf heftigsten Protest stieß. "Er ist total übermüdet", sagte Mama vorwurfsvoll, was mir aber ziemlich egal war.

Die letzten Tage vor dem Umzug hatten Spidy und ich bei meiner besten Freundin Adi verbracht. Auch wenn uns mein kleiner Bruder manchmal gehörig nervte, war es lustig gewesen, zu dritt in einem Zimmer zu schlafen. Eigentlich war Spidy nämlich ganz in Ordnung. Adi meinte sogar, er sei richtig knuffig in seinem blauen Anzug. Seit Papa ihm ein Spiderman-Kostüm aus den USA mitgebracht hatte, bildete sich mein Bruder nämlich tatsächlich ein, er sei der Spinnenmann höchstpersönlich. Und das bedeutete, dass er überall hochkletterte, gegen unverwüstliche grüne Kobolde kämpfte und andere Kinder mit toten Fliegen fütterte.

"Ich guck noch mal, ob ich nichts vergessen habe", sagte ich.

"Ja, mach das! Detlef müsste auch gleich hier sein." Mama schaute nervös auf ihr Handy.

Detlef, Mamas Freund, wollte uns unbedingt selbst nach Münde fahren. Aber natürlich war er wie immer viel zu spät dran. Bei ihm ist das normal. Weil er nachts als DJ arbeitet, braucht er tagsüber seinen Schönheitsschlaf, behauptet er.

In meinem Zimmer lagen überall in den Ecken dicke Staubflusen. Mein Blick schweifte über die leeren Wände. Da, wo noch Reste von Klebstreifen waren, hatten meine Poster gehangen. Die sechs Spatzen auf dem Drahtzaun, der Falke im Sturzflug und die Möwen über dem tiefblauen Meer.

Ich mag Vögel, genau wie Papa. Von ihm habe ich auch das dicke Vogelbuch bekommen, das jetzt zuoberst in meinem Rucksack lag. Ohne mein Vogelbuch würde ich nie irgendwohin gehen. Selbst im Urlaub nehme ich es mit. Papa sagt, über Vögel würde man nur etwas erfahren, wenn man sie genau beobachtet. Ich erkenne schon jetzt sehr viele Vögel, sogar an ihrem Gesang. Eine Kohlmeise zum Beispiel zwitschert ti-ta-ti-ta, ein Buchfink macht zitt-zitt-zitt. Das klingt, als würde er rufen: "Ich bin fit, fit, fit."

Wenn ich etwas Interessantes oder Lustiges über Vögel lese, schreibe ich es auf einen kleinen Zettel, damit ich es nicht vergesse, und die Zettel hänge ich dann an meine Pinnwand. Ich starrte auf die leere Stelle an der Wand, wo bis vor Kurzem noch die Pinnwand hing. Auch da war jetzt nur noch ein helles Rechteck. Bald würde es mein Zimmer so nicht mehr geben. Die ganze Wohnung sollte saniert und anschließend superteuer vermietet werden. Deshalb mussten wir ausziehen. "Zu teuer für uns", meinte Mama. Genau wie die meisten anderen Wohnungen, die wir angeguckt hatten.

Mama war schon total in Panik, als uns auf einmal Onkel Gregor anrief. Onkel Gregor war vor vielen Jahren nach Spanien ausgewandert und besaß immer noch das alte kleine Haus in Münde. Ich konnte mich weder an Onkel Gregor noch an das Haus erinnern, jedenfalls erzählte Onkel Gregor Mama, das Haus sei

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