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Mein Herz in allen Einzelteilen von Buxbaum, Julie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mein Herz in allen Einzelteilen

Kit und David könnten unterschiedlich nicht sein. Sie ist beliebt, er mit Asperger-Syndrom gilt als Außenseiter. Doch als Kits Vater bei einem Autounfall stirbt, kann sie nicht weitermachen wie bisher. Statt in der Schule die Mittagspause mit ihren Freundinnen zu verbringen, setzt sie sich von nun an zu David. Seine ehrliche Art tut ihr gut, und seine analytischen Fähigkeiten bringen Kit auf eine Idee: David soll ihr dabei helfen herauszufinden, ob der Tod ihres Vaters irgendwie hätte verhindern werden können. Und so starten sie das 'Unfall-Projekt'. Während der Suche nach möglichen Hinweisen lernen sie sich nicht nur besser kennen, sondern entdecken auch Gefühle füreinander ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 23.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732557615
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Mein Herz in allen Einzelteilen

Kapitel 1

DAVID

Ein Wunder ist geschehen: Kit Lowell hat sich gerade in der Schulkantine zu mir gesetzt. Ich habe immer allein gesessen, und wenn ich immer sage, ist es keine Übertreibung wie bei den meisten anderen. Ich besuche diese Highschool jetzt seit 622 Tagen, und seitdem hat sich wirklich noch nie jemand beim Mittagessen zu mir gesetzt, weshalb es gerechtfertigt ist, von einem "Wunder" zu sprechen, dass sie nun neben mir sitzt und noch dazu so dicht, dass sich unsere Ellbogen fast berühren. Mein erster Impuls ist, nach meinem Notizbuch zu greifen und unter ihrem Namen nachzuschlagen. Unter K für Kit , nicht unter L für Lowell , denn ich mag ein Faible für Fakten und wissenschaftliche Herangehensweisen haben, aber bei Namen bin ich schlecht. Zum einen liegt es daran, dass es sich um vollkommen willkürlich gewählte Wörter ohne jeden Zusammenhang handelt, zum anderen passen sie meiner Meinung nach selten zu den Leuten, die so heißen, was, wenn man darüber nachdenkt, nur logisch ist. Immerhin geben Eltern ihrem Kind den Namen zu einem Zeitpunkt, an dem sie weniger über es wissen als jemals danach. Dieser Brauch entbehrt also jeglicher Logik.

Kit ist das beste Beispiel, auch wenn sie eigentlich Katherine heißt, aber ich habe noch nie gehört, dass jemand sie so genannt hat, nicht einmal in der Grundschule. Kit sieht jedenfalls überhaupt nicht wie Kit aus, was nach etwas Geradem und Kastenförmigem klingt, leicht verständlich und mit schrittweiser Anleitung. Das Mädchen neben mir hingegen sollte ein Z in ihrem Namen haben, denn sie ist verwirrend und zickzackförmig und taucht an den unvorhersehbarsten Orten auf - wie dem Tisch in der Kantine, an dem ich gerade Mittag esse - und die Zahl Acht würde auch zu ihr passen, weil ihre Figur an die einer Sanduhr erinnert, und ein S ebenfalls, weil es mein Lieblingsbuchstabe ist. Ich mag Kit, weil sie nie gemein zu mir war, was man von den meisten anderen in meiner Schule nicht behaupten kann. Schade, dass sich ihre Eltern bei ihrem Namen so vertan haben.

Ich heiße David, was auch nicht passt, weil es viele Davids auf der Welt gibt - als ich es das letzte Mal geprüft habe, waren es allein in den USA 3 786 417 -, und so würde man aufgrund meines Vornamens glauben, dass ich wie viele andere wäre. Oder zumindest relativ neurotypisch, was der weniger anstößige Fachbegriff ist, wenn man zum Ausdruck bringen will, dass jemand normal ist. Was bei mir noch nicht vorgekommen ist. In der Schule sagt sowieso niemand etwas zu mir, abgesehen vom gelegentlichen Homo oder Schwachkopf , was beides nicht stimmt, weil ich einen IQ von 168 habe und mich nicht zu Jungs, sondern zu Mädchen hingezogen fühle. Außerdem ist Homo ein abwertender Begriff für einen homosexuellen Menschen, und unabhängig davon, dass sich meine Schulkameraden bei meiner sexuellen Neigung irren, gehört es sich nicht, so abfällig zu reden. Meine Mom sagt Sohn - womit ich kein Problem habe, weil es den Tatsachen entspricht -, und mein Vater sagt David, was sich anhört wie ein kratziger Pullover mit einem zu engen Ausschnitt. Meine Schwester nennt mich Little D, was aus unerklärlichen Gründen perfekt passt, auch wenn ich überhaupt nicht klein bin. Ich bin 1,88 Meter groß und wiege 75 Kilo. Meine Schwester hingegen ist nur 1,61 Meter und wiegt 47 Kilo. Eigentlich sollte ich sie Little L nennen, für Lauren, aber das tue ich nicht. Ich nenne sie Meini. So habe ich sie schon genannt, als ich noch ein Baby war, weil es sich schon immer so angefühlt hat, als wäre sie die Einzige auf dieser verwirrenden Welt, die wirklich zu mir gehört.

Meini wohnt nicht mehr bei uns, weil sie aufs College geht, und ich vermisse sie. Sie ist meine beste Freundin - streng genommen ist sie meine einzige Freundin, und ein

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