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Muffins und Marzipan. Vom großen Glück auf den zweiten Blick von Martin, Marta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2016
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Muffins und Marzipan. Vom großen Glück auf den zweiten Blick

Ella will das große Glück. Da passiert es: Sie wird für eine Hauptrolle bei einem Kinofilm gecastet! Dabei bekommt sie Unterstützung von unerwarteter Seite. Familienhund Ewan spricht plötzlich mit ihr! Er hilft Ella mit trockenen Kommentaren durch den Alltag am Set und bewahrt sie vor peinlichen Szenen mit Jeremy, in den sie sich verliebt hat. Doch was beim Dreh gelingt, führt noch lange nicht zum Happy End. Denn seit ihr Vater gestorben ist, wünscht sich Ella nichts sehnlicher, als mit ihrer Mutter wieder eine Familie zu sein. Dazu muss sie erst das Rätsel um den Tod ihres Vaters lösen und ihre Mutter dazu bringen, nicht mehr an ihrer Tochter vorbei zu sehen - damit Ella endlich die Hauptrolle in ihrem eigenen Leben spielt.

Marta Martin, geboren 1999 in Köln, ist eine junge Nachwuchsschauspielerin und wurde durch ihre Rolle in 'Die Vampirschwestern' bekannt. Sie lebt in Köln.

Foto © Marion Koell

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 30.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401805870
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 1097kBytes
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Muffins und Marzipan. Vom großen Glück auf den zweiten Blick

1. Kapitel

A ufstehen. Sobald der Wecker klingelte, war aufstehen angesagt. Ich riss mit einem Ruck die warme Decke weg. Das Mitleid mit meinem schläfrigen Körper sparte ich mir. Wozu sollte das gut sein? Schließlich bereute man jedes Hinauszögern hinterher doch wieder. Spätestens, wenn man nicht pünktlich kam.

Warum wache ich hier auf und nicht da, wo ich hingehöre, fragte ich mich zum hunderttausendsten Mal und haute dem Wecker auf den Kopf. Warum hat Mama das getan?

Es waren drei Schritte vom Bett bis zur Tür meines Zimmers und zwölf Stufen die Treppe runter zu unserem Bad. Mein Zimmer lag direkt unter dem Dach. Perfekt zum Verkriechen.

Warum waren wir hier? Hatte Mama Angst vor den schönen Erinnerungen, die es in Köln an jeder Ecke für uns gab, fragte ich mich, während ich die Stufen zur Sicherheit noch mal zählte. Weil man dort das Gefühl hatte, dass Dad einem mit seinem Saxofonkoffer im nächsten Moment über den Weg laufen würde? Hier in München schlenderte er zumindest nur durch unsere Gedanken.

Der Teppichboden auf den Stufen war angenehm warm unter meinen Füßen. Ich hatte mir zum Geburtstag einen kleinen Handstaubsauger gewünscht, mit dem ich den Teppich regelmäßig absaugen konnte, auch in den Ecken. Ich hasste das Gefühl von Krümeln unter meinen Füßen.

Beim Zähneputzen zählte ich die Kachelreihe über dem Waschbecken. Unter dem Spiegelschrank hindurch, von Wand zu Wand. Vielleicht hatte sich ihre Zahl ja seit gestern verändert. Nein, Spaß! Ich zählte einfach gerne. Zwölf in der Breite, sieben nach unten; ergab 84 Kacheln. Wenn man den Platz, den das Waschbecken brauchte, mal ausnahmsweise außer Acht ließ.

Mama war schon wach, ich hörte, wie sie nebenan in der Küche die Teller fürs Frühstück auf den Tisch stellte. Mama sagte, ich sei besessen von Zahlen, von Routine, von Wiederholungen, dann seufzte sie manchmal vor sich hin, sodass ich es hörte: "Ist das für ein junges Mädchen normal?"

Dabei war sie selbst auch nicht besser. Klack, klack, plock. Teller, Teller, Zuckerdose. Ich kannte die Geräusche. Jetzt die Brotpackung. Leises Knistern. Dann die Teekanne. Ein sattes Plung. Auch alles gleich. Jeden Morgen.

Ich legte die Handflächen wie ein betender Buddhist vor meiner Brust aneinander und presste, so fest ich konnte. Halten! Ich traf im Spiegel auf meine weit aufgerissenen Augen. Länger halten! Die Übung war gut für die Brustmuskulatur. Mein Busen würde dadurch schneller wachsen. Musste dadurch schneller wachsen. Mit fünfzehn keinen BH zu brauchen, war einfach unerträglich. Nach sechzig gezählten Sekunden griff ich nach der Haarbürste und fuhr damit zehn Mal durch meine braunen Strähnen. Heute Abend musste ich die Übung wiederholen.

"Guten Morgen."

"Morgen", antwortete ich knapp und schaute kurz in ihr Gesicht. "Na, besser geschlafen?" Den Ringen unter ihren Augen nach zu urteilen wohl eher nicht. Meine Mutter konnte schon seit Monaten nachts nicht mehr schlafen. Sie putzte um zwei Uhr morgens die Badewanne oder saß auf dem Sofa und löste Sudoku-Rätsel. Neuerdings backte sie sogar manchmal Brot. Das war super. Die ganze Küche duftete dann morgens danach und es gab nicht dieses abgepackte Zeug zum Frühstück.

"Geschlafen?" Sie schnalzte verneinend mit der Zunge, also ob die Frage allein schon unmöglich war. "Tee?"

"Gerne!", antwortete ich.

Wir aßen schweigend. Immer dieselben Sätze. Oder einzelne Worte. Morgens waren es bei uns meistens nur einzelne Worte. Warum erzählte mir ausgerechnet meine Mutter etwas von Gewohnheiten, aus denen ich ausbrechen sollte? Original ihr Wortlaut. Und selber? Sie hatte als Mädchen Ballett getanzt und war nach dem abgebrochenen Psychologiestudium nach England gegangen, wo sie meinen verrückten Dad mit seinem Saxofon im Hyde Park kennenlernte. Ich hatte Fotos von damals gesehen: Meine Mutter Carolin mit ihren Tänzerinnen-Beinen im schwarzen Tütü, er mit Frack u

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