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Niemand soll uns trennen von Beer, Anika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: cbt Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Niemand soll uns trennen

Zwei Brüder, ein Mädchen und ein dunkles Geheimnis Als Clara auf der Suche nach einem besonderen Fotomotiv in den Garten eines verlassenen Herrenhauses einsteigt, wird sie vom Gewitter überrascht. Sie will sich im Inneren des Gebäudes unterstellen und stellt fest, dass es keineswegs verlassen ist. Beliar und Keren, Zwillinge und kaum älter als Clara, bewohnen es mit ein paar Bediensteten. Sie laden Clara ein, ein paar Tage zu bleiben und Fotos zu machen. Besonders Beliar fasziniert Clara, doch sie spürt, dass die beiden etwas vor ihr verbergen. Anika Beer ist ein Herbstkind des Jahres 1983 und wuchs in der Bergstadt Oerlinghausen am Teutoburger Wald auf. Die Welt der Geschichten begleitet sie seit frühester Kindheit: Sie lernte mit 3 Jahren lesen, im Alter von 8 bekam sie eine Schreibmaschine und fing an, erste Geschichten zu schreiben. Anika Beer begeistert sich für Kampfkunst und fremde Kulturen und lebte nach dem Abitur einige Zeit in Spanien, bevor sie in Bielefeld eine Stelle an der Universität annahm. Inzwischen hat sie mehrere Bücher für Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht und lebt mit ihrer Familie in Bielefeld.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233716
    Verlag: cbt Jugendbücher
    Serie: cbt Taschenbücher 31267
    Größe: 2534 kBytes
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Niemand soll uns trennen

K APITEL 1

Ein lichter Moment

Der Vogel starrte Clara aus einem kohlschwarzen Knopf auge unverwandt an.

Clara starrte zurück, wartete darauf, dass er blinzelte. Stattdessen fingen ihre Augen an zu tränen. Es brannte und juckte, aber sie konnte einfach nicht wegsehen.

Unter ihren Fingern schabte der Kohlestift über das Papier. Ließ Federn wachsen - ein sehr feines, fast flauschiges Gefieder. Ein kugeliger Bauch, winziger Kopf, schmaler Schwanz.

Ausgestopfte Kohlmeisen konnten nicht blinzeln.

Zeichnungen übrigens auch nicht. Clara wusste nicht, warum sie trotzdem immer noch darauf wartete. Mit immer stärker tränenden Augen, denn wenn sie selbst blinzelte, würde sie den Moment ganz sicher verpassen.

Wie konnte ein totes Glasauge bloß so ausdrucksstark sein?

" Alors, mes amis! Zeit zum Aufräumen."

Jacques' Stimme riss sie aus ihrer Versunkenheit. Er stand vorn neben seinem Pult, die Daumen lässig in die Gürtelschlaufen seiner Jeans gehakt, als hätte er sich während der gesamten Doppelstunde nicht einen Fußbreit bewegt. Dabei wusste Clara, dass er während des Kurses ständig durch den Raum schlich, um seinen Schülern über die Schultern zu sehen.

Jacques Dubois war jung für einen Lehrer und bestand darauf, dass Kollegen wie Schüler ihn beim Vornamen nannten. Er war gebürtiger Kanadier - das volle Klischee mit Strubbellocken, Wochenbart und Flanellhemd - und eigentlich auch gar kein Lehrer, sondern studierter Fotograf. Bevor er herkam, an dieses, wie Clara fand, schlichtweg triste Loch von einem Gymnasium, war er mehrere Jahre kreuz und quer durch die Welt gereist, hatte an den abgefahrensten Locations fotografiert und ganz nebenbei einen Haufen Preise mit seinen Aufnahmen gewonnen. Warum er schließlich ausgerechnet hier gelandet war, obwohl er doch so ein krasses Leben in Fame and Fortune hätte führen können - das war eine der ersten Fragen gewesen, die die Teilnehmer des Kunstleistungskurses der 11. Jahrgangsstufe ihm gestellt hatten. "Ah, l'amour!" , hatte Jacques darauf nur gesagt und auf seine ganz eigene Art gezwinkert. Danach war das Thema vom Tisch. Keiner fragte je wieder nach, weil die meisten von ihnen es lieber gar nicht genauer wissen wollten. Jacques hatte diesen unglaublich charmanten französischen Akzent. Und dieses Lächeln, das alle umhaute. Clara wusste von mindestens zehn Mädels und Jungs, dass sie am liebsten seinen Namen auf die Wände vom Schulklo geschrieben hätten, nur dass sie schlicht zu cool oder zu schick dafür waren. Vermutlich hätten sie sich noch eher den Kopf rasiert oder peinliche Tattoos stechen lassen, wenn dabei ein Selfie mit Jacques rausgesprungen wäre. Für den Instagram-Account, versteht sich. Clara war von solchem albernen Unsinn weit entfernt, aber zugegeben: Sogar sie bewunderte Jacques mehr als jeden anderen Menschen, den sie kannte. Allerdings aus anderen Gründen. Clara bewunderte seine Arbeit. Seine Kunst. Sie bewunderte die Schule , an der er studiert hatte - eine unglaublich anspruchsvolle Elite-Hochschule in der Schweiz. Seit sie ihren neuen Lehrer im Internet gestalkt und in seiner Vita den Hinweis auf diese Hochschule entdeckt hatte, träumte sie jede Nacht davon, selbst einmal dort aufgenommen zu werden. Und genau dabei brauchte sie heute seine Hilfe. Heute würde sie sich trauen, ihn zu fragen.

Beim Einräumen der Stifte, Spitzer und Papierbogen ließ sie sich extra viel Zeit, um sicherzugehen, dass auch wirklich kein Lästermaul mehr auf dem Flur vor dem Kursraum herumhing, lauschen oder heimliche Fotos mit der Handycam schießen konnte. Erst dann schlenderte sie betont gelassen nach vorn.

Jacques saß an seinem Pult und blätterte konzentriert durch den Stapel von Zeichnungen. Als Clara vor ihm stehen blieb, sah er auf.

"Ah, Clara." Er lächelte. Es wä

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