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Ophelia Scale - Der Himmel wird beben Der zweite Teil der hochrasanten Fantasy-Dystopie von Kiefer, Lena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.08.2019
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Ophelia Scale - Der Himmel wird beben

Sie bietet dem Tod die Stirn und dem Schicksal ihr Herz
Die 18-jährige Ophelia ist zum Tode verurteilt. Im Auftrag des Widerstandes hat sie einen Anschlag auf den König verübt. Ihre Liebe zu dessen Bruder Lucien hat sie ebenso geopfert. Doch dann bietet ihr Phoenix, der Chef des Geheimdienstes, einen Handel an: Wenn sie bereit ist, sich bei ihren Freunden von ReVerse als Spionin der Regierung zu betätigen, kann sie ihr Leben und das ihres besten Freundes retten. Nun muss Ophelia sich entscheiden - zwischen ihren Gefühlen und dem Glauben, was sie für richtig hält.

Alle Bände der Ophelia Scale-Trilogie:
Ophelia Scale - Die Welt wird brennen
Ophelia Scale - Der Himmel wird beben
Ophelia Scale - Die Sterne werden fallen
Ophelia Scale - Wie alles begann (Shortstory, nur als E-Book verfügbar)


Lena Kiefer wurde 1984 geboren und war schon als Kind eine begeisterte Leserin und Geschichtenerfinderin. Einen Beruf daraus zu machen, kam ihr jedoch nicht in den Sinn. Nach der Schule verirrte sie sich in die Welt der Paragraphen, fand dann aber gerade noch rechtzeitig den Weg zurück zur Literatur und studierte Germanistik. Bald darauf reichte es ihr nicht mehr, die Geschichten anderer zu lesen - da wurde ihr klar, dass sie Autorin werden will. Heute lebt Lena Kiefer mit ihrem Mann in der Nähe von Bremen und schreibt in jeder freien und nicht freien Minute.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 26.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641230968
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Serie: Ophelia Scale 2
    Größe: 5523 kBytes
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Ophelia Scale - Der Himmel wird beben

1

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier.

Fünf.

Sechs.

Ich zählte bis zehn, dann bis zwanzig, bis hundert und weiter. Als ich bei tausend ankam, hörte ich auf und begann von vorne. Ich musste das tun, ich musste zählen. Wenn ich nicht gezählt hätte, wäre ich an den Gedanken in meinem Kopf erstickt.

Der Spalt zwischen der Liege und Wand war schmal, aber ich passte gerade so hinein. Ich spürte den Beton, der unnachgiebig gegen meine Schultern drückte. Den harten Untergrund, der meine Wirbelsäule quälte. Trotzdem stand ich nicht auf. Die kalten Mauern hielten die Gefühle fern. Deswegen blieb ich dort sitzen, den ganzen Tag, jeden Tag. Meistens verbrachte ich auch die Nächte auf dem Boden. Seine Härte verhinderte die trügerische Sekunde nach dem Aufwachen, in der man glaubte, es wäre alles in Ordnung.

Achtzehn.

Neunzehn.

Zwanzig.

Ich verlagerte mein Gewicht. Das Metallgestänge der Liege drückte gegen meinen Arm. Sie war das einzige Möbelstück im Raum. Der war groß, aber ansonsten völlig kahl - drei Wände aus Beton, eine aus durchsichtigem Kunststoff, grauer Boden, graue Wände, graue Decke. Dazu gab es fünfzehn Kameras, die alles aufzeichneten, was ich tat. So ist das in einer Hochsicherheitszelle für Landesverräter und Schwerverbrecher. Für jemanden wie mich.

Ich hatte abgedrückt.

An diesen Moment erinnerte ich mich übergenau. Ich sah ihn wieder und wieder in jeder Sekunde, die ich nicht zählte. Aber dann - nichts. Kein Schuss, keine Kugel. Die Waffe hatte nicht funktioniert. Ich wusste nicht, warum. Ich musste es auch nicht wissen. In dem Augenblick, als sie mich betäubt hatten, war mir klar geworden, dass es völlig egal war, warum.

Erst hatte ich mit Eifer den Plan verfolgt, den König zu töten. Danach den, meinem Leben ein Ende zu bereiten. Beides existierte nicht mehr. Wo früher meine Überzeugungen gewesen waren, gab es nur noch einen leeren Raum - leer wie die Zelle, in der ich darauf wartete, dass man mir das Leben nahm. Die Zelle, in der mich niemand besuchte, niemand außer der Stille, die mit jedem Tag lauter wurde, mich etwas mehr erdrückte. Die Mauer zwischen mir und meinen Gefühlen schwankte. Ich krallte meine Finger so fest in die Ärmel meiner Gefängniskluft, dass sie sich in meine Haut bohrten. Der Schmerz half.

Drei Wochen war ich nun hier drin. Zweimal am Tag bekam ich eine Mahlzeit und wusste nur durch das Dimmen des Lichtes, wann die Nacht begann. Einmal täglich wurde eine Dosis HeadLock durch die automatische Zugangsklappe geschoben. In unregelmäßigen Abständen öffnete sich ein Durchgang und ich konnte duschen, mit kaltem Wasser und schlechter Seife. Meine Haare waren stumpf, meine Haut spannte, als wäre sie aus Pergament. Seit den Verhören in den ersten Tagen hatte ich kein menschliches Wesen mehr gesehen, außer in meinen Träumen. Darin tauchte immer Leopold auf, überlebensgroß und beängstigend real. Es ist das Ende für uns alle. Auch für dich.

Manchmal fragte ich mich, warum das so lange dauerte. Warum sie mich nicht endlich zu meiner Hinrichtung abholten. Aber vielleicht war das ein Teil der Strafe. Ein Leben in dieser Zelle ohne Ablenkung oder menschlichen Kontakt, bevor sie es endgültig beendeten. Ich hätte nie gedacht, dass es so entsetzlich sein könnte, allein zu sein.

Vierunddreißig.

Fünfunddreißig.

Sechsunddreißig.

Siebenunddreißig.

Ich zuckte zusammen, als sich die Klappe in der Wand öffnete. In der bleiernen Stille war das Geräusch so laut wie ein Pistolenknall. Mein Puls schnellte hoch, die imaginäre Mauer, hinter der ich mich verkrochen hatte, bekam einen Riss. Ich schob meine Finger in die Haare und zerrte daran, hieß den scharfen Schmerz in meiner Kopfhaut willkommen. Mein Herzschlag beruhigte sich.

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