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Patenjäger von Lüdemann, Hans-Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.12.2012
  • Verlag: EDITION digital
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Patenjäger

habent sua fata libelli sagen Lateiner. Zu Deutsch heißt es nichts anderes, als dass Bücher ihre Schicksale haben. Auf den Patenjäger (1. Auflage 1975) bezogen passt das wie die berüchtigte Faust aufs Auge. Ich erinnere mich noch genau: Zu Beginn der Siebziger starteten SED und FDJ eine ideologische Offensive in der Art, dass sozusagen ein Staffelstab von den alten Genossen über die mittlere Generation hin zur Jugendorganisation und den Thälmann Pionieren weiter gereicht werden sollte. Schlüsselwort war die Patensuche. Paten in jeder Beziehung. Über ehrenamtliche ideologische Betreuung sollte quasi der Sieg des Sozialismus vorbereitet und letztlich zementiert werden. Schaltstellen dieser Bewegung befanden sich vornehmlich im Zentralrat, dem leitenden Organ der FDJ. Dort saßen überalterte Berufsjugendliche beiderlei Geschlechts, die sich nicht nur durch erhöhten Zigarettenkonsum auszeichneten. Als Bundesgenossen im Kampf um Herz und Hirn der Heranwachsenden hatte jene sich die Schriftsteller ausgeguckt. Wir waren aufgerufen, mittels Geschichten in neuen Büchern den Vorgang zu begleiten bzw. zu intensivieren. Dieses geschah in einem Maße, dass über kurz oder lang selbst dem Willigsten unter den herbeigekarrten Schreibern der letzte Rest schöpferischen Elans verloren gehen musste. Salopp gesagt - ich machte mich sobald es ging vom Acker und schrieb meine Story mit dem Titel Patenjäger. Unbeeinflusst von Politikastern jedweden Couleurs wurden in meinem Buch sowohl die alten und jüngeren Genossen, die FDJler und Schüler zu Menschen aus Fleisch und Blut. Die ins Auge gefassten sogenannten Paten nicht ausgenommen. Es waren Menschen mit Fehlern und Vorzügen. Da organisiert unter anderem ein FDJ-Sekretär eine Arbeitsniederlegung, weil der Betrieb die neunte Klasse während des Unterrichtstages in der Produktion (UTP) sträflich unterfordert, ein Lehrer glaubt ständig auf der Hut sein zu müssen wegen der renitenten Schulklasse und ein Maler verweigert anfangs seine Rolle als Pate, weil er statt parteilicher Kunst sich an die Natur als Motivation für sein künstlerisches Schaffen hält ... Gewisse Leute schlussfolgern jetzt messerscharf, dass seinerzeit ein derartiges Buch in der von SED-Ideologie und der Diktatur des Proletariats geprägten DDR selbstredend nicht zum Druck zugelassen worden war - aber dank meiner Paten sprich erfahrene Lektorin und politikbewusster Verlagsleiter erschien es bis 1984 in sechs Auflagen ... Hans-Ulrich Lüdemann (Pseudonym John U. Brownman mit Co-Autor Hans Bräunlich) wurde am 4. Oktober 1943 in Greifswald geboren. Nach dem Abitur folgte ein Studium der Sportwissenschaften, Psychologie, Pädagogik und Germanistik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität im vorpommerschen Greifswald. Von 1966 bis 1969 arbeitete er beim Verlag Junge Welt Berlin. Danach war er freischaffend tätig als Journalist, TV-Kameramann und Schriftsteller. 1977 erlitt Hans-Ulrich Lüdemann einen Unfall als Reservist während seiner NVA-Wehrpflicht, der ihn zeitlebens in den Rollstuhl zwingt. Er ist Autor von 20 Hörspielen für Kinder und Erwachsene, desgleichen sind 26 Buchtitel von ihm erschienen. Als wichtigstes Werk gilt sein autobiographisch geprägter Roman Der weiße Stuhl. Hans-Ulrich Lüdemann hat sich auch als Szenarist von TV-Filmen ausgewiesen. Schreiben ist für ihn Therapie. Seiner physischen und psychischen Stärkung dienten seit 1992 über zwei Dutzend Aufenthalte in Dänemark, Reisen nach San Francisco, Zypern, Toronto, Guernsey, Kapstadt, Florida, Dubai, Sydney und Singapur ... Glückliche Rollstuhl-Tage in Kalifornien fanden ihren Niederschlag in San Francisco and so on Happy Rolliday I. Ein Reise-Essay zu Südafrika trägt den Titel Kapstadt und so weiter Happy Rolliday II. Das dritte Buch über eine Reise im Oktober 2002 mit dem Titel Florida and so on Happy Rolliday III erschien Januar 2005. Ein viertes Reise-Essay Dubai-Sydney-Singapur und so weiter Happy Rolliday IV schloss 2005 die Reih

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 13.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949075
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1327 kBytes
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Patenjäger

Als Egbert die Vorhalle betritt, sieht er Lute auf sich zukommen. Mit ihm einige Jungen. Lute streckt die Hand aus, als er vor Egbert steht. 'Gib die Dinger her. Ist besser so." Für Sekunden ist Egbert verdutzt. Die Schachtel hatte er vergessen. Seine Hand fährt in die Hosentasche. Dann sieht er Lene und Martin neben sich. 'Hast wohl Angst, dass das Kino in die Luft fliegt!" Egbert spricht laut. So laut, dass Martin und Lene stehenbleiben. Neugierig. Wie die anderen, die wissen, worum es sich dreht. Und was dann folgt, geschieht blitzschnell. Ehe Lute begreift, hat Egs die Schachtel in der Hand, reibt einen Blitzknaller an der Zündfläche. Es zischt und sprüht. Martin Hagedorn blickt mit großen Augen auf dieses kleine Feuerwerk, dem ein größeres folgen soll. Einzugreifen, der Gedanke kommt Martin nicht. Auch Lene Wiebke macht keinen Versuch. In ihren Augen glitzert es. Oder ist das der Widerschein der sprühenden Funken? Als einziger reagiert Ludwig Bredow. Er schlägt Egbert den gezündeten Blitzknaller aus der Hand. Verfolgt mit den Augen den Flug, während er auch die Schachtel an sich bringt. Seitlich von ihnen prallt das glimmende Röhrchen auf den Fußboden. Mit einem Satz ist Lute zur Stelle. Als er den Fuß heben will, um den Zünder auszutreten, knallt es. Die Halle dröhnt wider von dieser Detonation. Einige Kinobesucher schreien auf. Panik gibt es nicht. Aber der Schreck ist vielen anzusehen. Lute will Egbert anschreien, fühlt sich aber plötzlich im Genick gepackt. Ein harter Griff. Der Kragen schnürt ihm den Hals ab. Lute kann nicht nach hinten blicken. Jemand zerrt ihn in den Zuschauerraum zurück. Die Tür wird verschlossen. Diesen Augenblick nutzt Lute, um Atem zu schöpfen. Sich umzudrehen, wer mit ihm so umgesprungen ist. Er spürt Herrn Tamms Augen auf sich. Kälte ausstrahlend, obwohl dem Lehrer Schweiß auf der Stirn steht. Auch er streckt fordernd die Hand aus. Wie Lute vorhin bei Egs. Aber Lute gibt die Schachtel bereitwillig ab. 'Diese Provokation wird dir teuer zu stehen kommen!", zischt Herr Tamm. Seine Lippen bewegen sich, zucken weiter, obwohl der Lehrer den Satz beendet hat. 'Das Andenken dieser Menschen in den Schmutz treten! Bist du denn ganz und gar von Gott verlassen!!" Den letzten Satz brüllt Herr Tamm.

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