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Räudiges Pack von Northrop, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2015
  • Verlag: Loewe Verlag
eBook (ePUB)
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Räudiges Pack

Johnny Rotten soll sterben! Dabei ist er der beste Hund, den man sich wünschen kann. Er hatte nur das Pech, einen Idioten zum Herrchen zu haben, bevor er zu uns kam. Nur ein absoluter Volldepp würde einen Hund, der misshandelt wurde, in die Enge treiben und sich dann wundern, wenn er zuschnappt - einer wie Mars eben. Jetzt wittern seine Alten die große Kohle und verklagen meine Mom auf Schmerzensgeld. Es interessiert sie überhaupt nicht, dass Johnny deswegen eingeschläfert werden könnte! Dabei war es nur ein Kratzer. Mars hat gesagt, er überredet seine Eltern, die Klage abzublasen, wenn ich ihm die Wahrheit über letzten Sommer erzähle. Doch dieses Geheimnis wollte ich mit ins Grab nehmen ... Nach 'Kälte' und 'Schieflage' Michael Northrops dritter Roman, der auf einmalige Art mitreißende Spannung und Tiefgang verbindet - nicht nur für Hundeliebhaber.

Michael Northrop wuchs in einer kleinen Stadt in den Berkshire Mountains auf, wo er seine Zeit damit verbrachte, in Bäume zu klettern, aus Bäumen zu fallen und Fußball zu spielen. Viele Jahre später zog er nach New York, dem er seitdem treu geblieben ist. Dort arbeitete er als Stand-up-Comedian und Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften, bis er 2009 seinen ersten Jugendroman veröffentlichte, der auf der Stelle zum Erfolg wurde. Seither heimst er eine Auszeichnung nach der anderen ein und hat das Schreiben zum Beruf gemacht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 01.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732003297
    Verlag: Loewe Verlag
    Originaltitel: Rotten
    Größe: 1120kBytes
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Räudiges Pack

4

"Ich treffe mich mit Rudy", meine ich, und es klingt schon nach einer Entschuldigung.

"Mmmhhh", macht Mom, ohne mich richtig anzusehen.

Ich habe das Gefühl, dass noch irgendwer irgendwas sagen sollte, aber wir schweigen beide. Klar, Mom will nicht, dass ich mit meinen alten Freunden rumhänge. Dass das alles von vorne losgeht. Aber was soll ich denn sonst machen? Soll ich mich im Keller einsperren? Also stoße ich die Tür auf und lasse mich von der warmen, flimmernden Luft ohrfeigen. Auf der Wiese vor dem Haus hole ich mein Handy raus und überfliege noch mal Rudys letzte SMS. Er ist schon in der Stadt, wahrscheinlich hinter dem CVS-Drogerie-Supermarkt. Mit einer Hand tippe ich: Bin unterwegs \m/

Ich muss zu Fuß in die Stadt. Es hat viele Nachteile, den ganzen Sommer weg zu sein, und einer der größten ist, dass ich keine Fahrpraxis sammeln konnte. Sonst hätte sich mein Probeführerschein längst aus seinem Probe-Kokon befreit und in einen vollwertigen Führerschein verwandelt, aber so muss ich laufen, und das ist erniedrigend. Ich muss auf dem Fahrradweg laufen. Ein grüner Minivan zischt mit gut achtzig Sachen an mir vorbei und wirbelt dabei eine große Staub- und Dreckwolke auf, und irgendein Bröckchen, vielleicht ein Kieselstein, verfehlt meinen Kopf nur knapp. Als ich den nächsten Wagen kommen höre, gehe ich ein paar Schritte über die Wiese der Franciscos, bis er vorbei ist.

Der CVS ist das Zentrum des "Stadtzentrums", wahrscheinlich weil es die letzte landesweite Kette ist, seit der Subway dichtgemacht hat. Als ich am CVS ankomme, blicke ich mich um. Einerseits schaue ich mich nach Rudy um, andererseits will ich wissen, ob sich hier irgendwas getan hat. Ein paar Sekunden später weiß ich, dass Rudy nicht in Sichtweite ist und dass sich selbstverständlich nichts getan hat. In der Stadt ist alles beim Alten.

Alt und angegraut, das ist die Spezialität der Stadt. Passenderweise fliegt genau in diesem Moment die Tür des CVS auf und Mr Jesperson tritt heraus, mit dem Stanton Standard unter dem einen Arm und einer CVS-Tüte unter dem anderen. Die Tüte ist drauf und dran zu platzen. Da sind wohl die ganzen Pillen drin, die man braucht, um den Körper im hohen Alter am Laufen zu halten.

"Jimmer!", ruft Mr Jesperson, als wir auf dem Fußweg aufeinander zugehen.

"Hi, Mr J.", sage ich. Ich nenne ihn schon immer Mr J., weil ich Jesperson nicht aussprechen konnte, als ich ihn kennengelernt habe. Ist lange her.

"Wo hast du denn gesteckt?", fragt er. "Man sieht dich ja gar nicht mehr!"

Meine Augen verengen sich. Am Ende will er mich verarschen? Vielleicht weiß er ganz genau, wo ich war, und jetzt will er mich zwingen, es auszusprechen ... aber dann komme ich wieder runter. Mr J. will mir nichts Böses. Mr J. hat mir noch nie Stress gemacht, noch nie in seinem verdammt langen Leben. Aber er sieht mich immer noch abwartend an.

"Tja, Mr J. ...", sage ich. "Es gibt so einiges, was Sie nicht über mich wissen ..."

Das genügt ihm offenbar als Antwort - oder er kapiert, dass er nichts weiter aus mir herauskriegen wird. Er blickt auf seine überquellende Tüte und fängt an, darin herumzuwühlen. Und ich denke mir: Bitte nicht. Bitte mach, dass mir diese eine Peinlichkeit erspart bleibt. Aber natürlich durchsucht Mr J. seine Tüte nach Süßigkeiten. Er will mir was Süßes schenken, als wäre ich noch fünf und zu blöd, seinen Namen auszusprechen. Und er wird es durchziehen, hier auf dem Fußweg in der innersten Innenstadt. Ich schaue mich um. Ist hier gerade jemand unterwegs? Aber klar doch. Langsam ist richtig was los. Aus der Kirche am Ende der Straße strömen haufenweise rausgeputzte Familien.

Und Mr J. müht sich schon ewig ab. Schließlich findet er

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