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Reise mit Kaktus von Ehrhardt, Kari (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2010
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Reise mit Kaktus

Shawn-Frederik Gerdis-Northbottom kommt einer lebenden Legende ziemlich nahe und ist mit seinen sechzehn Jahren bereits ein wandelndes Mysterium, cooler als ein Eisberg, bei Mädchen überdurchschnittlich begehrt und von Eltern gefürchtet. Noch dazu ist er mein ehemaliger bester Freund, sozusagen mein Exfreund. Wenn unsere Freundschaft sich auch hauptsächlich auf die Kindergartenzeit und die Grundschule beschränkte ... Und genau da liegt das Problem, denn seither haben Maja und Shawn eigentlich nichts mehr miteinander zu tun. Trotzdem soll ausgerechnet sie ihn zu einem Rockkonzert begleiten. Dabei interessieren sie diese abgedrehten Rocker von Galaxy Glitter gar nicht. Sie soll Shawn nur im Auftrag seiner besorgten Mutter im Auge behalten. Wie soll sie das bloß unbemerkt anstellen? Nach 'Alles Anders' folgt nun das zweite, mit ebenso leichter Hand geschriebene Jugendbuch von Kari Erhardt, das durch witzige Dialoge und genau gezeichnete Charaktere besticht. Kari Ehrhardt wurde 1979 in Hamburg geboren. Nach einer kurzen Fantasy-Roman-Epoche und einem Studium der britischen Literaturwissenschaft, begann sie schließlich mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Action-Gedichten und Hörspielskripten. Nebenbei arbeitete sie als rasende Reporterin, Presse-Assistentin und Marketingreferentin. Mittlerweile lebt sie in Schleswig-Holstein und veröffentlicht nun bereits ihr viertes Buch bei Carlsen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 15.02.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646922752
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 440 kBytes
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Reise mit Kaktus

Maja

Mittwoch, 1. August, 14:57 Uhr

Ich bremse. Grundgütiger! Die Lebensmüden fliegen heute aber tief!

"Das ist ein Fahrradweg!", brülle ich. Allerdings ziemlich leise - sofern man leise brüllen kann. Meine Stimme ist rau. Kein Wunder, bei dem Schreck und den Temperaturen (mindestens dreißig Grad im Schatten!).

Die Lebensmüden - ein Junge und ein Mädchen in meinem Alter - hören mich schon gar nicht mehr. Sie rennen trotz der Hitze wie wild gewordene Hühner über die vierspurige Straße und kichern dabei sogar noch. Ein Auto hupt, ein anderes kann im letzten Augenblick bremsen - genau wie ich gerade.

Die beiden hatten wirklich Glück. Ich versuche immer so aufmerksam wie möglich zu sein. Nicht dass ich übermäßig panisch bin. Immerhin bin ich als Kind oft Crossrad im Gelände gefahren, habe gute Reflexe und ein Fahrrad mit neuen Bremsen. Aber man kann wirklich nie vorsichtig genug sein. Im letzten Jahr kamen in Deutschland über fünftausend Verkehrsteilnehmer ums Leben - einer davon war der zehnjährige Sohn unserer Musiklehrerin.

Ich überprüfe den Kinngurt meines Fahrradhelms. Er sitzt fest.

"Idioten!", schnaube ich, um mir etwas Luft zu machen. Könnt ihr nicht einmal euer Hirn einschalten, wenn ihr das Haus verlasst? Anscheinend nicht.

Es ist aber auch zu blöd. Immer wenn man gerade bester Laune ist und sich mal so richtig freuen kann, passiert etwas. Das ist schon fast ein Naturgesetz! Und das eben hätte ganz böse ausgehen können! Eine frontale Kollision zwischen einem Fahrrad und einem Menschen ist für beide äußerst unangenehm.

Die Jugendlichen mit den Stand-by-Gehirnen sind schon außer Sichtweite. Und ich muss weiter, sonst komme ich zu spät nach Hause und verpasse am Ende noch das Kaffeekränzchen mit meinen Freundinnen!

Beherzt schwinge ich mich wieder auf mein Fahrrad und fahre langsam an der Straße entlang - die Hände an den Bremsen.

Mit jedem Meter hebt sich meine Stimmung. Schließlich ist heute ein besonderer Tag. Mein erster Ratgeber ist fertig! Mein erstes Buch - ohne fremde Hilfe recherchiert und nur von mir allein geschrieben! Ich bin so was von gut! (Okay, nicht wirklich, nicht immer und nicht in allem. Aber jetzt fühle ich mich so!)

Soeben habe ich das Manuskript im Copyshop am Brunsberger Damm binden lassen. Mit einem selbst gestalteten Cover und einem Deckel aus durchsichtiger Folie. Eigenlob stinkt, aber ich muss es einfach zugeben: Es ist das perfekte Geburtstagsgeschenk für Vati!

Als ich unsere Wohnungstür aufschließe, klingelt das Telefon. Das ist ungewöhnlich. Niemand ruft um drei Uhr - genauer gesagt um 15:08 Uhr - bei uns an. Mutti arbeitet als Krankenschwester in der Notaufnahme und kommt daher eigentlich nie dazu, sich bei mir zu melden. Wer ruft schon seine Tochter an, wenn man gerade zwischen einem offenen Beinbruch, einem Schädelhirntrauma und einer Verbrennung dritten Grades hin und her laufen muss? Vati hingegen macht sich grundsätzlich nichts aus Telefonieren. Er hat in den letzten vier Jahren genau drei Mal vom Büro aus angerufen. Und einmal davon hatte er sich nur verwählt.

Auch Mitschüler rufen nicht bei uns an. Ich tue schließlich täglich mein Bestes, um in der Schule meinen Status der Unsichtbarkeit aufrechtzuerhalten. Spaß macht das nicht, aber früher, als ich noch sichtbar war, hat es oft Ärger gegeben. Damals haben meine Mitschüler sogar sehr oft bei uns angerufen, aber das war nichts Gutes. Sie haben die Stimme verstellt und sich über mich lustig gemacht - manchmal mehrfach am Tag! Meine Eltern haben dann irgendwann die Nummer gewechselt, weil sie das Klingeln des Telefons störte. Danach gab es keine Anrufe mehr. Dafür wurde es in der Schule so richtig schlimm. Bis ich die Schule wechseln durfte, oder besser: wechseln musste.

Der Anrufer kann folglich nur jemand sein, der sich verwählt hat!

Ich gehe trot

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