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Ringel, Rangel, Rosen von Boie, Kirsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2014
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
eBook (ePUB)
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Ringel, Rangel, Rosen

Abschied vom Paradies. Ein Meisterwerk von Kirsten Boie Sommer 1961. Karin spürt die Wärme bis in ihre Zehenspitzen. Tagsüber baden in der Elbe, abends fernsehen mit dem neuen Fernsehgerät. Das muss das Paradies sein! Doch als ihre Freundin ihr ein Buch über jüdische Kinder im Nationalsozialismus leiht, wird sie nachdenklich. Haben ihre Eltern davon wirklich nichts gewusst, genauso wie alle anderen Erwachsenen in ihrer Umgebung? Karins Welt wird brüchig û und endet abrupt, als ein halbes Jahr später die Deiche brechen und die Siedlung, in der sie lebt, überflutet wird. Die Flutkatastrophe vom Februar 1962 zerstört ihr Paradies. Doch für sie beginnt ein neues Leben û erst recht, als sie feststellt, dass ihre Eltern während des Krieges nicht so unschuldig waren, wie sie behaupten. Ein Adoleszenzroman über Jugend Anfang der 1960er Jahre, über Verdrängung, Aufbruch und Befreiung vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe in Hamburg 1962. Berührend, poetisch, herzzerreißend und optimistisch, für Jugendliche und Erwachsene

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie wurde 1950 in Hamburg geboren, machte dort ihr Abitur und studierte Germanistik und Anglistik. Zwei Semester besuchte sie, gefördert durch ein Auslandsstipendium der Hamburger Universität, die Universität Southampton/Großbritannien. Nach dem ersten Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Englisch promovierte sie im Fach Literaturwissenschaft über die frühe Prosa Bertolt Brechts. Sie arbeitete als Lehrerin in einem Gymnasium, wechselte auf eigenen Wunsch später an eine Gesamtschule. 1983 adoptierte sie mit ihrem Mann ihr erstes Kind. Auf Verlagen des vermittelnden Jugendamtes musste sie ihre Berufstätigkeit aufgeben, um sich ganz dem Kind widmen zu können. In dieser Zeit schrieb sie, inspiriert durch die eigene Situation, ihr erstes Kinderbuch mit dem Titel 'Paule ist ein Glücksgriff'. Ihr Debüt wurde ein beispielloser Erfolg ((Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis, Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach; Ehrenliste des Österreichischen Staatspreises für Kinder- und Jugendliteratur). Und Kirsten Boie selbst erwies sich als Glücksfall für die deutsche Kinder- und Jugendliteratur. Inzwischen sind von Kirsten Boie weit mehr als hundert Bücher erschienen und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden, Bücher, die keinen Zweifel daran lassen, dass die Autorin auf Seiten der Kinder steht. Dass sie dabei auch die Erwachsenen nicht vergisst, macht ihre Figuren so wahrhaftig und sympathisch, ihre Bücher so liebens- und lesenswert. Neben Kinder- und Jugendbüchern schreibt Kirsten Boie auch kleinere Drehbücher fürs Kinderfernsehen, außerdem Vorträge und Aufsätze zu verschiedenen Aspekten der Kinder- und Jugendliteratur. In den letzten Jahren unternimmt Sie zunehmend Reisen ins europäische und nichteuropäische Ausland im Auftrag des Goethe-Institutes. 2007 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet. Kirsten Boie lebt mit ihrem Mann im Einzugsbereich von Hamburg. Zwei Dinge sind Kirsten Boie beim Schreiben besonders wichtig: Zum einen, dass Literatur für Kinder immer auch Literatur sein sollte; zum anderen, dass darüber nicht vergessen wird, an wen sie sich richtet, dass sie also Literatur für Kinder ist: 'Bei dem Spagat zwischen beiden Anforderungen rutsche ich sicherlich einmal mehr zur einen, einmal zur anderen Seite hin aus. Aber hier die richtige Balance zu suchen, ist es gerade, was das Schreiben für Kinder für mich so aufregend macht.' kirsten-boie.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 29.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862740758
    Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
    Größe: 1064 kBytes
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Ringel, Rangel, Rosen

3.

Bevor es losgeht, bringt Mutti noch schnell Uwe ins Bett, der schreit und schreit.

"Das ist noch nichts für dich!", sagt Mutti. "Um acht gehören kleine Mäuse in die Heia. Das verstehst du noch gar nicht."

"Aber Karin darf aber!", schreit Uwe, als ob Karin auch erst fünf Jahre alt wäre. "Aber Karin darf das aber!"

"Na, da werdet ihr aufpassen müssen, was", sagt Oma Domischkat. Sie sitzt schon am Wohnzimmertisch und hat Salzstangen mitgebracht für den Fernsehabend.

Natürlich ist Oma Domischkat nicht Karins wirkliche Oma. Nicht Karins und nicht Uwes. "Nenn-Oma", sagt Mutti immer. "Oma Domischkat ist nur eine Nenn-Oma. Ihr dürft sie nicht zu sehr strapazieren, man kann von ihr nicht verlangen, dass sie für uns tut, was eine echte Oma täte."

Das verlangt Karin auch nicht. Aber Oma Domischkat hat viel mehr Erdbeeren in ihrem Garten, nicht nur so saure alte Stachelbeeren wie Mutti, Stachelbeeren und Johannisbeeren, alles immer nur für Saft und Marmelade. Oma Domischkat hat nichts dagegen, wenn Karin kommt und ihre Erdbeeren pflückt und isst und isst.

"Iss du dir ruhig satt, Marjellchen!", sagt sie. "Schad' ja nuscht! Ist ja sonst keiner da, der sich an den Erdbeeren freut!"

Und das ist die Wahrheit. Weil ja nicht nur Opa Domischkat gestorben ist, sondern auch Oma Domischkats Karl, das ist lange her.

"Auf dem Felde der Ehre", sagt Oma Domischkat. "Fürs Vaterland. Ja, und siehst du nu? Wo ist das Vaterland nu? Nuscht mehr von nachgeblieben. Und der Karl ist auch nicht mehr da. Mein kleiner Karl."

Früher hat Karin gedacht, dass es schön wäre, wenn es Oma Domischkats kleinen Karl noch gäbe, dann könnte sie mit ihm spielen. Das war, als sie ein Kind war. Aber jetzt hat sie längst verstanden, dass Karl inzwischen ein Mann wäre, ein ziemlich alter sogar, da macht es nichts aus, dass Oma Domischkat ihn nicht mehr hat. Nur für Oma Domischkat ist es schade. Nun freut sich niemand außer Karin über ihre Erdbeeren.

"Uwe auch!", sagt Karin. Immer darf sie dann Oma Domischkats geblümte Schüssel voller Erdbeeren für Uwe mit nach Hause nehmen.

Durch das geöffnete Fenster kommen Sommergeräusche aus den Gärten. "Ja, passt lieber gleich auf! Sonst schreit der Jung nachher immer. Das muss der gleich lernen, Fernsehen ist nuscht für ihn."

Vati geht und schaltet den Fernseher ein, immer noch Tagesschau. Erst, als er das Fenster zugemacht hat, kann man den Sprecher richtig verstehen.

"Ach, ich seh die Lotti!", ruft Oma Domischkat. Sie hat aus dem Fenster geguckt, nicht auf den Fernseher. "Huhu, Lotti! Da werden wir ja eine große Runde heute Abend!"

Waldemar klopft mit der Faust gegen die halb offene Wohnzimmertür, als wollte er sie zertrümmern. "Hallo, hallo!", ruft er mit seinem lauten Bass. Sein Schifferklavier hat er nicht dabei, das würde ja auch nicht passen. "Alle schon versammelt? Wir sind doch nicht zu spät?"

"Am besten, ihr setzt euch zu Oma Domischkat aufs Sofa", sagt Vati und stellt die Flaschen auf den Tisch. "Karin, mach mal Platz."

Karin steht auf und holt sich den Küchenhocker. Irgendwas ist wieder in der Ostzone los, sie hat nicht genau gehört, was. Da wird es ja immer schlimmer und schlimmer, man muss keine Nachrichten gucken, um das zu wissen. Über die Ostzone weiß jeder Bescheid.

"Na, ist der Bengel im Bett?", fragt Waldemar, als Mutti sich auf ihren Sessel setzt.

"... Beweisaufnahme beendet", sagt der Tages

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