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Ruf der Tiefe Roman von Brandis, Katja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2011
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
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Ruf der Tiefe

Eine Geschichte vom geheimnisvollsten Ort der Erde - und eine faszinierend reale Vision unserer nahen Zukunft. Mit seinen 16 Jahren ist Leon bereits ein Profi: Er gehört zur Elite der Flüssigkeitstaucher, die sich auch in 1000 Meter Tiefe frei bewegen können. Zusammen mit Lucy, einem intelligenten Krakenweibchen, sucht Leon nach Rohstoffen am Meeresgrund. Die Tiefsee ist sein Zuhause, viel vertrauter als das oben Todeszonen oben

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 424
    Erscheinungsdatum: 23.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407742674
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Größe: 3883 kBytes
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Ruf der Tiefe

Eins mit der Dunkelheit

Wenn die anderen Taucher außerhalb der Station waren, schalteten sie sofort die Lampen an und verließen sich auf ihren starken Schein, der die kahle Landschaft des Meeresbodens erhellte. Leon hatte immer das Gefühl, dass sie verzweifelt die Finsternis zurückzudrängen versuchten. Doch die Dunkelheit umgab sie, sie konnten ihr sowieso nicht entgehen, und die dünnen Lichtfinger der Kopf- und Handlampen fand Leon eher jämmerlich. Dadurch entging den anderen mehr, als sie sahen. Leon mochte die Dunkelheit der Tiefsee. Wenn er allein tauchte oder mit Lucy, dann schaltete er oft die Lampe ab. Die völlige Schwärze machte ihm nichts aus, irritierte ihn nicht - die Dunkelheit umhüllte ihn wie ein Mantel und er fühlte sich geborgen in ihr. Nach einer Weile hatten sich seine Augen an die Umgebung gewöhnt, und er sah das, was die anderen verpassten. Das schwache Leuchten der Tiefseegarnelen. Den glimmenden Punkt, der einen Anglerfisch verriet - über seinem unförmigen Körper hing eine verlängerte Flosse, die einer Angel glich. Mit der wie eine Laterne leuchtenden Spitze lockte er Beute vor sein zähnegespicktes Maul. Das schnelle Blink-Blink eines Blitzlichtfisches, der die leuchtenden Flecken unter seinen Augen buchstäblich an- und ausknipsen konnte, indem er ein Lid darüberschob. Seine Nachbarn. Sie störten sich nicht an ihm, wenn er sich unter ihnen bewegte. Er war ein Teil dieser Welt. Tief sog Leon mit Sauerstoff angereicherte Flüssigkeit, von seinem Anzug bereits auf Körpertemperatur angewärmt, in seine Lungen. Schon längst fühlte es sich nicht mehr fremd an, etwas Ähnliches wie Wasser zu atmen - schließlich machten das Fische und Kraken die ganze Zeit, mit ihren Kiemen nutzten sie den Sauerstoff im Meer. Ihm kam es viel seltsamer vor, Luft zu atmen, ein so dünnes Zeug, dass man richtig japsen musste. Etwas ringelte sich um sein Handgelenk. Lucy war wieder da. Schon bei dieser leichten Berührung spürte er die Kraft, die in den muskulösen Armen seiner Krake steckte - sie war um ein Vielfaches stärker als er. Auch ein Grund, warum er die Tiefe und die Dunkelheit nicht zu fürchten brauchte. Leon tastete nach Lucys Gedanken, spürte den Kontakt mit ihr wie eine freundliche Wärme, die ihn umhüllte. Und, was gefunden?, erkundigte er sich. Mein Freund, ein paar Krusten gibt es von hier nicht weit, da werden sie sich freuen! Leons Puls beschleunigte sich. Führst du mich hin? Ja, komm! Lucy berührte noch einmal seinen Arm, wies ihn in die richtige Richtung, und Leon schwamm, ohne zu zögern, in die Dunkelheit hinein. Er hatte nicht das Gefühl, hier blind zu sein - Lucys Augen, mehr als dreimal so groß wie seine eigenen und perfekt an die Tiefsee angepasst, sahen für ihn. Und für den Notfall hatte er immer noch die Navigationsfunktion an seinem DivePad, einem speziellen Tauchcomputer, den er am Handgelenk trug. Er zweifelte nicht daran, dass es tatsächlich Mangankrusten waren, die seine Krake gefunden hatte - wenn Lucy den Boden mit den Armen abtastete, konnten ihre Saugnäpfe die Stoffe des Bodens riechen und schmecken. Hoffentlich war es eine große Erzlagerstätte, die Lucy entdeckt hatte; sie brauchten dringend einen Erfolg. Das bisherige Feld JT-203 war schon fast ausgebeutet und die Anfragen der Zentrale wurden immer drängender, die Blicke des Projektleiters immer anklagender. Wieso findet deine Krake nichts?, hieß dieser Blick. Was machst du falsch, Leon? Bevor er es sich versah, war er schon dabei, sich in Gedanken zu rechtfertigen, und es kostete ihn Mühe, die lautlose Diskussion abzuwürgen. Das war ein Nachteil der Dunkelheit und der Stille hier unten. Es gab viel Raum zum Nachdenken, und wenn man nicht aufpasste, liefen die schlechten Gedanken Amok und vergifteten den ganzen Kopf. Neulich hatte er eine kleine Ewigkeit lang darüber nachgegrübelt,

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