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Sieben Nächte in Tokio Roman von Vinesse, Cecilia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.08.2016
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Sieben Nächte in Tokio

Dies ist die Geschichte von Sophia und Jamie und der einen Woche, in der die Zeit stehen zu bleiben schien...

Eine Woche noch bleibt Sophia in Tokio, der Stadt, in der sie seit vier Jahren lebte. Dann muss sie zurück in die USA ziehen und all das aufgeben, was ihr wichtig ist: das pulsierende Tokio mit seiner Mischung aus Fremdheit und Vertrautheit, vor allem aber ihre besten Freunde Mika und David. Da kommt Jamie Foster-Collins nach längerer Abwesenheit zurück in die Stadt: Jamie, Sophias heimliche erste Liebe, der ihr damals das Herz gebrochen hat. Auf nichts hat Sophia weniger Lust als darauf, sich den Abschied von Tokio durch Jamies Rückkehr zusätzlich verkomplizieren zu lassen. Doch genau das geschieht: Jamie ist wieder da, und natürlich wirbelt er Sophias ohnehin schon strapaziertes Gefühlsleben noch zusätzlich durcheinander.

Cecilia Vinesse ist halb Engländerin, halb Amerikanerin, und wie Sophia besuchte sie die internationale Schule in Tokio. Ihren Uniabschluss machte sie in New York, lebt heute aber in England mit ihrem Freund, einem Mops und einer großen Auswahl an Büchern und Tee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 26.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423430340
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Seven Days of You
    Größe: 1116kBytes
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Sieben Nächte in Tokio

01
Sonntag

06 : 19 : 04 : 25
Tag Std Min Sek



Ich lag im Wohnzimmer auf dem Boden und las ein Buch über schwarze Löcher, als unsere Klimaanlage mit einem stotternden Geräusch den Geist aufgab. Während sich eine brütende Hitze in der Wohnung ausbreitete, hielt ich die Hand prüfend über den kaputten Kasten am Fenster. Nichts. Nicht ein Hauch kühler Luft. Ich drückte hoffnungsvoll ein paar Knöpfe. Immer noch nichts.

"Mom", rief ich. Sie saß in der Küche und wickelte Töpfe in Zeitungspapier. "Ich will dich ja nicht erschrecken, aber die Klimaanlage hat gerade den Geist aufgegeben."

Sie warf einen Fetzen Zeitungspapier auf den Boden, den unsere Katze Dorothea Brooks sofort neugierig beschnüffelte. "Das ist in letzter Zeit öfter passiert. Halte einfach den großen orangefarbenen Knopf gedrückt."

"Hab ich schon gemacht. Diesmal scheint es etwas Ernstes zu sein. Ich glaube, sie ist endgültig kaputt."

Mom löste die Rückverkleidung der Klimaanlage und fuhrwerkte herum. "Mist. Der Vermieter hat ja schon gesagt, dass das System es wohl nicht mehr lange macht. Es ist so alt, dass sie es für den Nachmieter ersetzen müssen."

Der August war in Tokio immer heiß, aber in diesem Sommer war er nahezu unerträglich. Nach fünf Minuten ohne Klimaanlage hatte ich meine gesamte Körperflüssigkeit ausgeschwitzt. Mom und ich öffneten ein paar Fenster, schlossen Ventilatoren an und stellten uns vor den geöffneten Kühlschrank.

"Wir sollten den Reparaturdienst anrufen", schlug ich vor. "Sonst sterben wir hier möglicherweise."

Mom schüttelte den Kopf. Sie war schon voll im Professor-Wachowski-Modus. Wir sind zwar beide klein, aber mit ihrem eckigen Unterkiefer und ihrem ernsten Blick wirkt sie irgendwie einschüchternd. Wie jemand, der im Streit immer gewinnt und keinen Spaß versteht.

Ich hingegen sehe aus wie mein Vater.

"Nicht eine Woche vor unserem Umzug", sagte Mom. "Die Umzugshelfer kommen am Freitag." Sie beugte sich näher zur Kühlschranktür. "Warum gehst du nicht raus? Triff dich mit deinen Freunden und komm heute Abend wieder, wenn es kühler ist."

Ich nestelte am Armband meiner Uhr. "Nein, schon okay."

"Willst du nicht? Ist mit Mika und David etwas vorgefallen?"

"Natürlich nicht", antwortete ich. "Ich habe einfach keine Lust, rauszugehen. Ich will lieber zu Hause bleiben, helfen und eine brave Tochter sein."

Mann, das klang selbst in meinen Ohren verdächtig. Aber Mom merkte nichts. Sie hielt mir ein paar 100 -Yen-Münzen hin. "Dann geh doch bitte zum Kombini und kauf ein paar von diesen Handtüchern, die man erst in den Kühlschrank und sich dann um den Hals legt."

Ich betrachtete das Geld auf ihrer ausgestreckten Hand. In der Hitze verschwamm alles vor meinen Augen. Zum Laden um die Ecke zu gehen hieß, in die kochend heiße Luft hinauszutreten. Es hieß, die kleinen, mir so vertrauten Straßen hinunterzugehen, vorbei an summenden Verkaufsautomaten und streunenden Katzen in Hauseingängen. Jedes Mal, wenn ich das tat, wurde ich an all die kleinen Dinge erinnert, die ich an dieser Stadt so liebte und bald für immer verlieren würde. Gerade heute brauchte ich diese Erinnerung am allerwenigsten.

Also bemühte ich mich um einen heiteren Tonfall. "Oder ich könnte packen."

Das mit dem Packen war natürlich eine fürchterliche Idee.

Allein der Gedanke daran zog mich runter. Wenn ich zu lange in meinem Zimmer war, fingen die Wände an, sich auf mich zuzubewegen wie in einer Müllpresse. Von der Türschwelle aus betrachtete ich den mir vertrauten Raum. Unser Haus war klein und leicht baufällig. Mein Zimmer war natürlich winzig und verfügte nur über ein Bett, einen Schreibtisch am Fenster und ein paar rote Bücherregale. Das

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