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Solange es hell ist von Kui, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2018
  • Verlag: cbt Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Solange es hell ist

Ein unvergesslicher Roadtrip für Fans von Wolfgang Herrndorf und Andreas Steinhöfel Eine Irrfahrt von Leuchtturm zu Leuchtturm, ein verschollener Vater, zwei kleine Geschwister im Schlepptau: Manchmal, wenn sie nach Mitternacht aufs Meer schaut, kommt es Mika (15) vor, als ob die Pause zwischen zwei Lichtzeichen ewig dauert. 'Man wartet und wartet, die Nacht wird immer schwärzer, aber irgendwann dann kommt es doch. Und solange es hell ist, für diesen kurzen Moment, ist plötzlich alles ganz einfach. Du siehst den Weg wieder'. Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Sozialgeschichte in Hamburg und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen, bevor sie anfing, Bücher zu schreiben. Nach den Krimis "Blaufeuer", verfilmt fürs ZDF unter dem Titel "Der Tote im Watt", und "Wiedergänger" erschienen inzwischen drei Jugendthriller, "Lügensommer", "Falsche Nähe" und "Stille Feindin". Mit "Marias letzter Tag" veröffentlicht die Autorin, die auf der Geest bei Hamburg lebt und zuletzt für "Die Welt ist eine Scheibe" von den Kritikern hochgelobt wurde, ihren ersten literarischen Roman bei cbt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 12.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641215286
    Verlag: cbt Jugendbücher
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Solange es hell ist

Eins

Immer wenn Katie Salomon kurz davor war, Mist zu bauen, murmelte sie diesen einen Satz vor sich hin: "Ich glaube, das ist gegen das Gesetz." Es klang süßsauer, eine seltsame Mischung aus Wichtigtuerei und vorweggenommener Entschuldigung für das, was geschehen würde, und ich war nie ganz sicher, ob sie das sagte, um sich anzuspornen oder eben gerade nicht. Wahrscheinlich hatte sie selbst keinen Schimmer. Meistens jedenfalls setzte sie ihr Vorhaben dann in die Tat um - und kassierte die Quittung. Draufzahlen mussten wir natürlich alle. Bis auf die wenigen Ausnahmen, die Katie für uns zur Heldin machten. Beispiel: Auch geklaute Lichterketten lassen einen Weihnachtsbaum heilig erstrahlen. Und wie.

"Ich glaube, das ist gegen das Gesetz." Jetzt also war es passiert. Ich hatte Katies Mantra auf den Lippen und fühlte mich dabei alles andere als heldenhaft. Nie hätte ich geglaubt, dass es jemals so weit kommen würde, denn ich wollte schon längst nicht mehr sein wie sie. Wer will das schon, mit fünfzehn eine Kopie der eigenen Mutter abgeben, und dazu noch eine schlechte?

Gegen das Gesetz. Die Hände vor mir auf dem Lenkrad sahen fremd aus, als gehörten sie nicht zu mir, als hätte ich sie nie zuvor gesehen. Die Glasperlenringe in Rosa, Himbeerrot und Türkis. Den Kratzer, den der Kater vom Hausmeister mir am letzten Tag vor den großen Ferien auf dem Schulhof verpasst hatte. Kein Zweifel, keine Ausflüchte - es waren meine Hände, und sie führten meinen Willen aus, als ich den Motor startete, wofür ich geschlagene fünf Versuche benötigte.

Die blaue Blechkiste, genannt Alditüte, machte einen gewaltigen Satz nach vorn, soff ab und kam auf dem Hang rückwärts ins Kullern, bis ich den Fuß von dem Pedal nahm, das ich idiotischerweise für die Bremse gehalten und als Reaktion auf den Schreck bis zum Anschlag durchgetreten hatte. Es war wohl eher die Kupplung. Die Kontrollleuchten auf dem Armaturenbrett glimmten in meinen Augen mindestens so hell wie einst die geklauten Weihnachtsbaumlichter, aber von Heiligkeit konnte keine Rede sein.

Ich riss an der Handbremse und fluchte. Verfluchte Katie, die mich in diese Lage gebracht hatte, wenn auch (ausnahmsweise) ohne jede Absicht, wie ich glaubte. Oder besser: hoffte. Dennoch war ich stinkwütend auf sie, gleichzeitig vermisste ich sie fürchterlich, während ich mir die Augen rieb und versuchte mich daran zu erinnern, was sie und ihr damaliger Freund Jens mir im vorletzten Winter über das Autofahren im Allgemeinen und über unseren störrischen alten Polo im Besonderen beigebracht hatten. Ein Auslaufmodell mit schwammiger Lenkung und einer Gangschaltung, die Jens zufolge zu viel Spiel hatte.

Zu viel Spiel, was immer das heißen mag. Es kam mir wie eine Metapher für das Leben meiner Mutter vor. Ich mag Metaphern. Und hier ist gleich noch eine, eine sensationelle, weil doppeldeutige Metapher für den Schlamassel, in dem ich steckte: auf der schiefen Bahn. Denn ich hatte natürlich keinen Führerschein (wie auch?), und die Auffahrt zur Berghütte war teuflisch steil. Zu allem Überfluss parkte die Alditüte auch noch mit der Nase zur Haustür, was bedeutete, dass ich wenden musste, um uns von hier wegzubringen.

Weit, weit weg. Dabei waren wir doch gerade erst angekommen und hatten uns Knall auf Fall in die Holzhütte mit ihren Schnitzereien am Giebel und den giftgrünen Fensterläden verliebt, hatten unter einem Wasserfall in einem Teich geplanscht, einen unordentlichen Strauß Wiesenblumen gepflückt und abends ein Lagerfeuer entfacht, was ziemlich kniffelig ist, wenn man von solchen Dingen keine Ahnung hat. Umso ausgelassener waren wir, als es endlich loderte und knackte. Unsere heißen, roten Wangen. Wie sich Funken in den Sternenhimmel geschraubt hatten. Wie glücklich wir waren. Heute, so der Plan, wollten wir zum Fluss, der in der Nähe rauschte, um ein Floß aus Treibholz zu bauen. Daraus wurde nun definitiv nichts.

Penny und Elias schliefen n

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