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Solange wir lügen von Lockhart, E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: Ravensburger Verlag
eBook (ePUB)
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Solange wir lügen

Eine wohlhabende Familie. Ein Mädchen ohne Erinnerung an die letzten beiden Sommer. Vier Jugendliche, deren Freundschaft in einer Katastrophe endet. Ein Unfall. Ein schreckliches Geheimnis. Nichts als Lügen. Wahre Liebe. Die Wahrheit. Emily Lockhart studierte Schreiben und Literatur an der Vassar und an der Columbia University und steht im ständigen Austausch mit ihren Fans.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783473476848
    Verlag: Ravensburger Verlag
    Originaltitel: We Were Liars
    Größe: 2764 kBytes
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Solange wir lügen

1

HERZLICH WILLKOMMEN BEI den wunderschönen Sinclairs.

Niemand von uns ist ein Verbrecher.

Niemand ein Abhängiger.

Niemand ein Versager.

Wir Sinclairs sind athletisch, groß und gut aussehend. Wir sind Demokraten aus dem alten Geldadel. Unser Lächeln ist breit, unser Kinn markant und unsere Tennisaufschläge sind aggressiv.

Es spielt keine Rolle, wenn eine Scheidung unser Herz zerreißt, sodass es nur noch widerwillig schlägt. Es spielt keine Rolle, wenn das Geld auf Treuhandkonten knapp wird, wenn Kreditkartenrechnungen unbezahlt auf der Küchenanrichte liegen bleiben. Es spielt keine Rolle, wenn auf dem Nachttisch eine Sammlung von Tablettenschachteln steht.

Es spielt keine Rolle, wenn jemand von uns hoffnungslos, hoffnungslos verliebt ist.

So verliebt,

dass hoffnungslos verzweifelte Maßnahmen

ergriffen werden müssen.

Wir sind Sinclairs.

Niemand ist schwach.

Niemand hat Unrecht.

Wir wohnen, zumindest in den Sommermonaten, auf einer Privatinsel vor der Küste von Massachusetts.

Vielleicht ist das schon alles, was ihr wissen müsst.

2

MEIN VOLLSTÄNDIGER NAME ist Cadence Sinclair Eastman.

Ich wohne zusammen mit Mum und drei Hunden in Burlington, Vermont.

Ich bin fast achtzehn.

Ich besitze nicht viel mehr als einen gut genutzten Bibliotheksausweis, obwohl ich in einem prachtvollen Haus voller teurer, nutzloser Dinge wohne.

Früher war ich blond, aber jetzt sind meine Haare schwarz.

Früher war ich stark, aber jetzt bin ich schwach.

Früher war ich hübsch, aber jetzt sehe ich krank aus.

Seit meinem Unfall leide ich an Migräne.

Schwachköpfe kann ich nicht leiden.

Ich mag es, wenn etwas mehrere Bedeutungen hat.

An etwas leiden, jemanden nicht leiden können.

Das Wort bedeutet in beiden Fällen fast dasselbe, aber eben nur fast.

Leiden.

Man könnte sagen, dass es ertragen heißt, aber auch das trifft es nicht genau.

Meine Geschichte beginnt vor dem Unfall.

In dem Sommer, als ich fünfzehn Jahre alt war, ist mein Vater mit irgendeiner Frau abgehauen, die er mehr liebte als uns.

Dad ist ein halbwegs erfolgreicher Professor für Militärgeschichte. Damals habe ich ihn vergöttert. Er trug Tweedjacken. Er war schlank. Er trank seinen Tee mit Milch. Er mochte Brettspiele und ließ mich gewinnen, er mochte Boote und brachte mir das Kajakfahren bei, er mochte Fahrräder, Bücher und Museen.

Hunde mochte er nie, und die Tatsache, dass unsere Golden Retriever auf den Sofas schlafen durften und er jeden Morgen fünf Kilometer mit ihnen spazieren ging, war ein Beweis dafür, wie sehr er meine Mutter liebte. Meine Großeltern mochte er auch nicht, und die Tatsache, dass er trotzdem jeden Sommer in Windemere House auf Beechwood Island verbrachte, wo er Aufsätze über längst ausgefochtene Schlachten schrieb und sich zu jeder Mahlzeit für die Verwandten ein Lächeln abrang, war ein Beweis dafür, wie sehr er sowohl Mum als auch mich liebte.

In jenem Juni, Sommer Fünfzehn, verkündete Dad, dass er uns verlassen werde, und zwei Tage später ging er fort. Er sagte meiner Mutter, dass er kein Sinclair sei und dass er auch nicht länger versuchen wolle, so zu tun. Er wolle nicht mehr lächeln, nicht mehr lügen, kein Teil dieser wunderschönen Familie in ihren wunderschönen Häusern sein.

Wolle nicht. Wolle nicht. Würde nicht.

Er hatte den Umzugswagen bereits bestellt. Er hatte auch schon ein Haus gemietet. Mein Vater verstaute einen letzten Koffer auf der Rückbank des Mercedes (er ließ Mum mit dem Saab sitzen) und startete den Motor.

Dann zog er eine Pistole und schoss mir in die Brust. Ich stand gerade auf dem Rasen und ich fiel. Die Einschussstelle klaffte weit auseinander und mein Herz rollte aus meinem Brustkorb ins Blumenbeet. In rhythmischen Stößen quoll Blut aus mei

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