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Stille Feindin von Kui, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2014
  • Verlag: cbt Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Stille Feindin

Wenn Erinnerung quält, soll Rache erlösen Farina und Tami (beide 17) haben eines gemeinsam: Ihre Kindheit würden sie am liebsten aus dem Gedächtnis streichen. Als sie Freundinnen werden, hat Tami das Gefühl, sie hätten auf wundersame Weise schon immer zusammengehört, obwohl sie sich erst seit kurzer Zeit kennen. Und tatsächlich hat sich ihr Weg in der Vergangenheit schon einmal gekreuzt: Da ist etwas, was sie beide gleichermaßen betrifft. Ein Abgrund, der Farina unberechenbar macht - sogar für sich selbst. Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Sozialgeschichte in Hamburg und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen, bevor sie anfing, Bücher zu schreiben. Nach den Krimis "Blaufeuer", verfilmt fürs ZDF unter dem Titel "Der Tote im Watt", und "Wiedergänger" erschienen inzwischen drei Jugendthriller, "Lügensommer", "Falsche Nähe" und "Stille Feindin". Mit "Marias letzter Tag" veröffentlicht die Autorin, die auf der Geest bei Hamburg lebt und zuletzt für "Die Welt ist eine Scheibe" von den Kritikern hochgelobt wurde, ihren ersten literarischen Roman bei cbt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 23.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641124762
    Verlag: cbt Jugendbücher
    Größe: 1426 kBytes
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Stille Feindin

Prolog

N ichts ist wie früher. Obwohl sie seit Stunden so tun, als liefe alles geschmeidig. Obwohl sie genauso laut, genauso bekifft, genauso arg sind wie früher, obwohl sein Baby entgegen seiner Befürchtung das schwarze Haar noch genauso lang trägt, nämlich bis zu den Hüften, und mit ihm rummacht wie eine Profinutte, während er hinterm Steuer sitzt, eine Hand am Lenkrad, die andere an ihren immer noch lächerlich kleinen Brüsten, obwohl sie sich rekelt und schnurrt, als fände sie Gefallen daran – trotz allem, ist nichts wie früher. Es sieht bloß so aus, flüchtig betrachtet. Sie spulen ein Programm ab, nehmen ihre eingeübten Rollen wieder ein, weil sie nichts Besseres auf Lager haben. Früher gab es keine Rollen, kein So-tun-als-ob, früher waren sie echt, beide.

Ihr Kopf ruht an seiner Schulter, ihr alkoholisierter Atem kitzelt seinen Hals, steigt ihm in die Nase: Wodka Red Bull. Sie riecht gut und sie schmeckt sogar noch besser. Doch so richtig in Fahrt bringt ihn das heute nicht. Ihre Mähne fliegt im Wind. Seidenglänzend. Er schließt das Fenster ein Stück und dreht die Klimaanlage voll auf.

Um sich hochzupuschen, beginnt er, zur Musik zu nicken, merkt, dass er den Takt nicht ganz hält, kann aber nichts dagegen tun. Aus den Boxen dröhnt Rap, Westcoast oder Eastcoast, er hat keinen Schimmer, obwohl er gern den Experten gibt. Egal, Hauptsache nicht deutsch. Deutsche Rapper sind für ihn Abschaum.

Arg sein. Darum ging es damals. Die magische Formel hat sie geprägt, er weiß noch, dass ihm das Wort gefiel, weil er es irgendwie altmodisch fand, zeitlos. Er stellte sich vor, wie die Medien sie spätestens nach ihrem ersten Blutrausch zu Helden machen würden, so richtig Bonny-und-Clyde-mäßig. Ihm schwebte ein filmreifes Gemetzel nach Ami-Art vor. Schnellfeuerwaffen. Explosionen. Geschrei. Doch dazu kam es nie.

Was sich jetzt endlich ändern könnte.

Ändern wird!

Abknallen. Abstechen. Tottreten. Es sei denn, sein Bab y verliert die Nerven und kneift, und genau das, befürchtet er, könnte passieren. Hinter ihrem nuttigen Getue, ihrem High-Sein und ihrem nervigen Gekreische, sobald die Tachonadel die Zweihundert passiert und zu zittern beginnt, verbirgt sich mehr als Angst. Ihre Angst kennt er, die ist nicht neu. Aber da ist noch etwas anderes. Die Kleine hat sich verändert, ist, nebenbei bemerkt, überhaupt keine Kleine mehr, sondern in die Höhe geschossen wie ein Wolkenkratzer in Dubai, sodass sie ihn deutlich überragt. Als Große ist sie eine Andere geworden, und dieses wolkenkratzerhohe, neue Baby hat – im Gegensatz zu ihm – etwas zu verlieren. Wie will die so ein Ding durchziehen?, fragt er sich. Seine Theorie lautet: Wer arg sein will, muss mit dem Rücken zur Wand stehen.

Plötzlich, ohne Entschuldigung, schüttelt sie seine Hand ab und geht auf Abstand, als hätte sie seine Gedanken mühelos mitverfolgt, was ihn nicht weiter verwundern würde. Sie ist und bleibt ein sensibles Ding.

"Was ist?", fragt er.

"Nichts, wieso?"

"Mach weiter."

Ausgerechnet jetzt, wo sie sich von ihm abwendet, tut sich was bei ihm in der Hose.

"Keinen Bock", sagt sie kühl.

Zwischen ihnen die Mittelkonsole, ein übler Stimmungskiller. Haut will Haut spüren, keinen Becherhalter. Irgendwann organisiert er sich einen US -Schlitten mit durchgehender Sitzbank. Er kann alles organisieren. Waffen, Autos, Pitbulls. Sein Zukunftsplan sieht vor, sich ganz aufs Organisieren zu spezialisieren.

"Und worauf hast du Bock?", fragt er.

"Keine Ahnung. Jedenfalls

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