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Winter so weit von Martin, Peer (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.12.2015
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Winter so weit

Die Geschichte um Calvin und Nura geht weiter! - Vorerst exklusiv als E-Book erhältlich! Calvin, 19, ehemaliger Neonazi, hat durch seine Liebe zu dem syrischen Mädchen Nura gelernt, umzudenken. Er hat seine Clique verlassen, Namen und Identität geändert und den Ausstieg geschafft. Doch er hat Nura verloren. Im Feuer, ganz am Ende, hat er ihr ein Versprechen gegeben: die dreizehnjährige Dschinan aus Syrien herauszuholen. Und er macht sich, zusammen mit Nuras Bruder Kamal, auf den Weg: Gegen alle Vernunft, gegen alle Regeln. Hinein in das Land, aus dem täglich Hunderte von Menschen fliehen. Während Calvins früherer Freund Pascal sich bemüht, Nuras Eltern in Berlin aufzuspüren und zu beseitigen, führt Calvins Weg durch zerstörte Städte und winterliche Berge. Er erlebt Zerstörung und Gewalt, Folter und Tod, doch immer wieder erfährt er auch eine Gastfreundschaft, die ihm neu ist. Als er in die Hände des IS gerät, weiß er, dass er nicht aufgeben wird. Denn nur wenn es ihm gelingt, Dschinan zu finden und zu retten, kann er, auf seine Weise, auch Nura wiederfinden. In 'Winter so weit' erzählt Peer Martin die packende Geschichte aus 'Sommer unter schwarzen Flügeln' weiter.

Peer Anders Martin wurde 1968 in Hannover geboren. Nach einem Studium der Sozialpädagogik arbeitete er mehrere Jahre mit Jugendlichen in Berlin, Brandenburg und Vorpommern, zuletzt auf der Insel Rügen. Diese Erfahrungen und die Gespräche mit einem syrischen Freund brachten ihn schließlich dazu, seinen ersten Roman niederzuschreiben, der auf vielen langen Spaziergängen an den Stränden der Ostseeküste entstand, wo er die Geschichte zuerst der geduldigen Hündin Lola erzählte. Inzwischen lebt er mit seiner Frau, drei Kindern und Lola in Quebec.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 490
    Erscheinungsdatum: 18.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862743315
    Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
    Serie: Nuri & Calvin Bd.2
    Größe: 1995kBytes
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Winter so weit

1.

Na letztendlich ist es halt so, dass gesagt wird, dass Leute, die sich davon abwenden, (...) noch unter dem Feindbild des Juden stehen ... weil Verräter halt das Allerletzte sind, was es überhaupt gibt.

(Beitrag Deutschlandfunk zu Hilfe für rechtsextreme Aussteiger)

Die Schaffung einer neuen Identität sollte aber die Ausnahme sein, hat sie doch für den Zeugen massive Auswirkungen. Er verliert seine ganze Geschichte, seine Heimat, seinen Beruf und die meisten sozialen Beziehungen (...)

(Website Recht 24 .de zum Zeugenschutzprogramm )

Weiß.

Weiß war die Farbe der Leere, des Neubeginns. Die Farbe des unbeschriebenen Papiers.

Weiß.

Er lag da, auf dem Bett, die Augen weit geöffnet.

Die Wände der kleinen Wohnung waren so weiß wie die Decke, er hatte nichts aufgehängt. Was hätte er aufhängen sollen? Er hatte alles hinter sich gelassen.

Er erwachte jeden Tag in diesem neuen Leben in der neuen Wohnung und fühlte sich fremd. Es gab Momente, in denen er seinen neuen Namen vergaß und die Panik ihn packte, aber natürlich konnte er auf dem Pass nachsehen. Er verwahrte ihn in einer Schublade des Schreibtischs wie einen Schatz und zugleich wie etwas, das man wegschließen musste, weil es einen sonst biss.

Er würde sich anziehen, in den Bus steigen, in der Berufsschule neben den anderen sitzen, nicht bei der Sache sein wie immer. Aus dem Kopf kann man die Erinnerungen nicht verbannen.

Er stand auf, ging ins Bad, warf sich kaltes Wasser ins Gesicht und jagte die Träume fort, die ihn jede Nacht besuchten: die Flammen, die Hitze, das Inferno des obersten Stockwerks, die panischen Menschen, das Kind auf seinem Arm. Der schwere, weiße Rauch und darin das Dunkel von Nuris Augen.

Nuri.

Seine Lippen formten ihren Namen lautlos wie etwas Verbotenes.

Er wusste nicht mehr, was er zuletzt gesehen hatte, ehe er bewusstlos geworden war. Vermutlich irgendeinen dummen Teil der berstenden Gebäudekonstruktion. Nicht ihre Augen, das wäre zu romantisch gewesen, das Leben ist nicht romantisch. Das Sterben übrigens auch nicht.

Romeo und Julia im Brennpunktviertel hatten die Zeitungen geschrieben. Natürlich, es war eine perfekte Geschichte, der Nazi und das Flüchtlingsmädchen, die Schöne und der Aussteiger, der Ex-Täter und das Opfer. Quatsch.

Sie war nie das Opfer gewesen, die Sanfte, Bemitleidenswerte, die Hilflose, oh nein, sie war auf ihre Weise stärker gewesen als er. Die Zeitungen hatten geschrieben, sie hätten diese Welt gemeinsam verlassen, für die Zeitungen war Calvin tot, und es gab nur eine Handvoll Leute, die wussten, dass er lebte.

Er lebte, und sie nicht.

Ihre Wege hatten sich für immer getrennt, dort, im Rauch, im obersten Stockwerk des Asylantenblocks. Sie hatte geahnt, dass sie es nicht schaffen würde, sie hatte etwas zu ihm gesagt, ganz am Ende ... Und er hörte ihre Stimme noch, wenn er die Augen schloss. Als wäre sie wieder da, ganz nah. Aber als er die Augen öffnete, blieb nur sein eigenes Bild im Spiegel über dem Waschbecken. Er fuhr mit beiden Händen durch das kurze, schwarze Haar und schüttelte den Kopf.

Die Augenbrauen waren jetzt ebenfalls schwarz, lächerlich, als kämen Pascal und die Jungs zufällig hierher, in eine bayrische Kleinstadt, tausend Kilometer weit entfernt von dem Ort, an dem die Asche des Asylbewerberheims vom Wind zerstreut worden war. Als kämen sie her und könnten ihn finden.

Neue Identität. Neue Geschichte. Legende nannten sie es. Zeugenschutzprogramm. Große Worte.

Und ein Teil von Calvin wusste natürlich, dass es richtig war. Leute fuhren weiter als tausend Kilometer, um jemanden wie ihn zu beseitigen, der als Zeuge in einem Prozess aussagen konnte, in dem es um mehrfachen vorsätzlichen Mord ging.

Und Pascal hatte K

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