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Das Christentum Für Einsteiger und Insider von Nürnberger, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2019
  • Verlag: Gabriel Verlag
eBook (ePUB)
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Das Christentum

Informative Einführung ins Christentum von Bestsellerautor Christian Nürnberger. Kann die christliche Botschaft heute noch Berge versetzen? Christian Nürnberger spürt dieser spannenden Frage nach, indem er zunächst zurückgeht zu den Ursprüngen des Christentums, zum Fundament. Er zeigt, welche Wirkung es über die Jahrhunderte entfaltet hat und schält den Kern der christlichen Botschaft heraus, der heute noch so aktuell ist wie damals. Ein informatives Buch sowohl für Glaubenseinsteiger als auch für praktizierende Gläubige. Christian Nürnberger (Jahrgang 1951) ist ein hochkarätiger Autor. Der Journalist studierte Theologie, arbeitete als Reporter bei der Frankfurter Rundschau, als Redakteur bei Capital, und als Textchef bei Hightech. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor. Für 'Mutige Menschen - Widerstand im Dritten Reich' wurde er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnet. Seine Luther-Biografie 'Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten' stand monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 15.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783522630634
    Verlag: Gabriel Verlag
    Größe: 1828 kBytes
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Das Christentum

Überm Dorf stand ein Regenbogen, und mein Vater sagte, ich solle mit einem Eimer zum Regenbogen rennen und die Farben einsammeln, die links und rechts heruntertropfen. Ich weiß nicht mehr, ob ich fünf, sechs oder sieben Jahre alt war damals, ich weiß nur: Ich holte einen Eimer und rannte zu dem Regenbogen, querfeldein, durch den Wald, über Äcker, Wiesen und Bahngleise, stundenlang, immer weiter, bis ich den Regenbogen plötzlich nicht mehr sah, und ich rund zehn Kilometer von zu Hause entfernt irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Henfenfeld und Hersbruck dachte: Werden wohl die blöden Henfenfelder oder Hersbrucker schon alles eingesammelt haben.

Es dämmerte bereits. Die Mondsichel erschien am Himmel. Ich kehrte um, lief mit meinem leeren Eimer an der Bahnstrecke entlang bis Ottensoos, von dort wieder querfeldein nach Hause, es war schon lange dunkel, als ich die warme Stube betrat und den Eltern erzählte, woher ich komme. Da machte meine Mutter meinen Vater zur Sau.

Heute würde sich eine Mutter wahrscheinlich von dem Vater scheiden lassen, der so etwas tut.

Ich aber war ganz vergnügt, denn ich hatte ein schönes Abenteuer hinter mir und beschloss, beim nächsten Regenbogen mit allen Freunden viel schneller hinzurennen, um wirklich alle Farben einzusammeln, denn das größte Problem, das mich während meines Regenbogenmarsches beschäftigte, war die Frage, für welche Farbe ich mich entscheiden sollte mit meinem einzigen Eimer, denn ich wollte sie nicht vermischen.

Hatte ich denn gar keine Angst damals, so allein im dunklen Wald? Nein, hatte ich nicht. Ich war zwar als Kind eher unbehütet, vor allem unbeaufsichtigt, aber fühlte mich geborgen in meinem kleinen fränkischen Dorf. Heutige Kinder sind eher überbehütet und dauerbeaufsichtigt, aber oft ungeborgen. Das scheint mir der größte und für die Zukunft unseres Landes bedeutsamste Unterschied zu sein zwischen meiner Kindheit und heutigen Kindheiten.

Dass ich mich nicht fürchtete im dunklen Wald, hat damit zu tun, dass mir meine Mutter, eine einfache Bäuerin, drei Sorten von Geschichten erzählte: wahre, halbwahre und unwahre. Die unwahren Geschichten, das waren die Märchen. Sagen und Legenden über Heilige, die Nibelungen, Ritter und Helden zählten zu den halbwahren, aber die biblischen Geschichten, die waren wirklich wahr, denen konnte man glauben, denn das in ihnen Berichtete sei wirklich passiert, behauptete meine Mutter. Darum habe ich wirklich geglaubt, dass Jesus über Wasser laufen konnte, den Sturm gestillt, Kranke geheilt, Wasser in Wein verwandelt und Tote auferweckt hat.

Ich hörte diese wahren Geschichten auch im Kindergottesdienst und im Religionsunterricht. Eine öffentliche Bibliothek gab es nicht in dem Dorf, in dem ich aufwuchs. Auch noch kein Fernsehen. Mein Fernsehen waren diese Geschichten.

Auch mir wurde erzählt: Der liebe Gott sieht alles. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Müttern, die ihren Kindern damit ein Straf- und Aufpasser-Gottesbild einpflanzten, hat meine Mutter gesagt: Er muss alles sehen, damit er dich beschützen kann. Er sieht dann zwar auch, was du alles anstellst, aber erstens vergibt er dir, wenn du es hinterher bereust, und zweitens kann er bei kleinen Jungs auch mal fünfe gerade sein lassen. Kinder müssen lernen, und zum Lernen gehört, dass man Fehler macht, aus ihnen lernt man am meisten, und darum sollen Kinder sogar Fehler machen. Darum sind sie aber auch immer gefährdet, und deshalb muss der liebe Gott auf Kinder besonders gut aufpassen.

Der liebe Gott war mir daher tatsächlich ein lieber Gott, kein Kontrolleur, kein Angstmacher, sondern ein Beschützer, ein gütiger Großvater, mit dem ich ständig in Kontakt stand, und wortlos betend alles besprach, was es zu besprechen gab. Als der Vater eines Freundes von mir wegen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus kam, betete ich für ihn. Erfolgreich. Der Mann blieb noch viele Jahre fröhlich am Leben, und immer, wenn ich ihm begegnet

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