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Pilger des Vertrauens Taizé und der gemeinsame Weg in der Welt von Alois, Frère (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2015
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Pilger des Vertrauens

Schon seit Jahrzehnten verfolgt die Communauté von Taizé mit jungen Menschen aus vielen Ländern einen Pilgerweg des Vertrauens. Sie lädt sie zu sich ein oder begleitet sie auf allen Kontinenten. Sie regt sie an, Frieden und Vertrauen in Kirche und Gesellschaft zu schaffen. Frère Alois versammelt hier Briefe, die er in den vergangenen Jahren an junge Menschen schrieb und in denen er ihnen die wesentlichen Grundlagen aufzeigte, um das Evangelium in die Welt zu tragen. Es zeigt auch, was es bedeutet, mit der ganzen Person Christus zu folgen.

Frère Alois, geb. 1954 in Nördlingen ist seit August 2005 der Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé und Nachfolger des Gründers Frère Roger.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 15.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451803963
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3735 kBytes
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Pilger des Vertrauens

Die Güte des Menschen
Ein Widerschein der Güte Gottes

Dieser Text erschien im März/April 2008

in der Zeitschrift Communio.

Mit zunehmendem Alter gewann das Wort Güte für Frère Roger eine immer größere Bedeutung. Er zitierte häufig Basilius den Großen (330-379), der in der Güte des Menschen einen Widerschein Gottes, ein Bild Gottes im Menschen, sah. 1

Als Frère Roger mich vor langer Zeit bat, nach ihm die Verantwortung für die Communauté zu übernehmen, sagte er mir nicht, wie ich mich auf diese Aufgabe vorbereiten und wie ich sie ausführen soll. In den Quellen von Taizé schrieb er folgenden Satz: "Für den Prior - wie für die Brüder - sind das Unterscheidungsvermögen, der Geist der Barmherzigkeit und eine unerschöpfliche Güte des Herzens durch nichts zu ersetzende Gaben." 2 Deshalb spreche ich oft folgendes Gebet: "Dein Geist der Güte leite mich." (Psalm 143,10) Wenn wir uns auf diesen Geist einlassen, können wir weitergehen.
Gott kann nur lieben

Die Vorstellung von Gott als strengem Richter hatte bei vielen Menschen verheerende Folgen. Frère Roger widersetzte sich diesem Gedanken sehr deutlich und betonte immer wieder: "Gott kann nur lieben." Gott liebt, ohne Bedingungen zu stellen. Dies mussten wir damals vor allem jungen Menschen sagen, die mit so vielen Zurechtweisungen im Leben konfrontiert waren, dass sie nicht mehr in der Lage waren, sich einem Gott der Liebe zu nähern.

Der orthodoxe Theologe Olivier Clément meinte einmal, dass Frère Roger mit seinem nachdrücklichen Betonen der Liebe Gottes das Ende einer ganzen Epoche eingeläutet habe. Zu lange habe in den verschiedenen christlichen Konfessionen Angst vor einem strafenden Gott geherrscht.

Frère Roger hatte keine Scheu, so eindringlich von der Liebe Gottes zu sprechen, weil er sich dabei auf Denker berufen konnte, die vor ihm gelebt hatten. Ich erinnere mich noch, wie glücklich er war, als er die Worte Isaaks von Ninive aus dem 7. Jahrhundert entdeckte: "Gott kann nur seine Liebe schenken." 3 Er wollte diesen Satz sofort zu einem Gesang vertonen.

Ähnlich beeindruckende Stellen finden sich bereits im Brief an Diognet aus dem 2. Jahrhundert, bei Irenäus, Basilius, Franz von Sales, bei Schriftstellern wie Fjodor Dostojewski und Theologen wie Karl Barth, der den christlichen Universalismus einiger Kirchenväter wiederentdeckt hat. Doch trotz dieser eindrucksvollen Zeugnisse hat sich die Furcht vor Gott immer wieder eingestellt.

Frère Roger war in seiner Jugend Christen begegnet, die überzeugt waren, das Evangelium lege dem Glaubenden eine Last auf; deshalb fiel es ihm selbst lange Zeit schwer zu glauben. Gott zu vertrauen bedeutete für ihn bis zum Lebensende, einen Kampf zu führen. Dabei half es ihm, dass seiner Mutter das Wort des Evangelisten Johannes genügte: "Gott ist die Liebe." (1 Johannes 4,16) Sie lebte so konsequent aus diesen Worten, dass sie für die Menschen in ihrer Umgebung eine Zeugin der Güte des Herzens war.

Frère Roger achtete sehr auf die Auswahl der Bibelstellen, die in unserem gemeinsamen Gebet gelesen werden. Er fragte sich ständig, ob ein Text nicht zu Verwirrung Anlass geben könnte. Die Texte der Schriftlesung sollten zum Wesentlichen des Evangeliums führen, zur grenzenlosen Liebe Gottes - über schwer verständliche Abschnitte kann in Taizé in den Gesprächsgruppen gesprochen werden.

Frère Roger hatte die Gabe, anderen die Liebe Gottes erfahrbar zu machen. Wie vielen Menschen hat er nicht die Gewissheit gegeben: Gott liebt dich, so wie du bist; er ist dir für immer nahe.

Diese innere Haltung war für ihn jedoch kein bequemer Weg, er stellte vielmehr eine Herausforderung dar. Es ging ihm nie darum, sich ein Gottesbild zurechtzulegen, in dem Gott für unser Wohlbefinden zuständig wäre. Frère Roger scheute sich aber auch nicht, seine Hoffnung mitzuteilen, nämlich dass die Gü

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