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#hanseterror von Schlennstedt, Jobst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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#hanseterror

In Lübeck kommen die wichtigsten Außenminister der Welt zum G7-Gipfel zusammen. Mehr als dreitausend Polizisten verwandeln die Stadt in eine Hochsicherheitszone. Ausgerechnet an diesem Tag wird ein bekannter Unternehmer entführt. Als Kriminalhauptkommissar Birger Andresen in eine Geiselnahme mitten in der Innenstadt verwickelt wird, droht die Situation zu eskalieren: Der Terror hat in der altehrwürdigen Hansestadt Einzug gehalten . . . Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit 2004 lebt er in Lübeck. Er ist Autor und arbeitet als Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für die Hafen- und Logistikwirtschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589905
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Küsten Krimi Bd.9
    Größe: 3095 kBytes
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#hanseterror

DER LETZTE TAG

Früher, das war eine andere Zeit. Früher, das kam ihm wie ein anderes Leben vor. In diesem Leben hatten seine Eltern in dem Haus mit dem großen Garten gewohnt, vor dem er gerade wartete. Hier in dieser Straße, in der er jeden Baum kannte.

Sie hatten hier gelebt, bis seine Mutter verstorben war und sein Vater schon kurz danach beschloss, die noch ausstehenden Jahre seines Lebens zehntausend Kilometer entfernt hinter großen Mauern, dafür jedoch mit Blick auf das Kap der Guten Hoffnung zu verbringen. Gemeinsam mit einer neuen Frau und der ganzen Kohle, von der er sein Leben lang nie hatte genug bekommen können.

Hier in dieser Straße, in der er im Haus seiner Eltern die ersten achtzehn Jahre seines Lebens verbracht hatte, reihte sich Villa an Villa. Architektonisch konnte er ihnen sogar einiges abgewinnen. Und er mochte die fast parkähnlichen Gärten einiger Anwesen mit eigenen Bootsanlegern hin zur Wakenitz. Doch wenn er bedachte, was sich hinter den dreifach isolierten Fenstern der Häuser abspielte, welche geldgierigen, konsumverdorbenen Menschen dort wohnten, überkam ihn eine Wut, die ihm geradezu die Luft abschnürte.

Diese Menschen lebten den Kapitalismus in Reinkultur. Große Limousinen, Porsche Cayenne und Audi Q7, die auf den Auffahrten standen. Eisentore, die sich nur öffneten, wenn standesgemäßer Besuch vorfuhr. In diesem Umfeld hatten seine Eltern versucht, ihm Werte zu vermitteln, die er schon als Teenager verachtet hatte. Es gab keinen Wunsch, den sie ihm ausgeschlagen hatten. Meistens hatte er diese Wünsche nicht einmal äußern müssen. Seine Eltern waren ihm zuvorgekommen. Hatten ihn überhäuft mit sämtlichen Dingen, die sie für Geld kaufen konnten, ohne jemals auch nur ansatzweise zu merken, dass ihn das nicht glücklich machte.

Gemeinsam hatten sie die spektakulärsten Urlaube verbracht, die weitesten Reisen unternommen und in den teuersten Hotels gewohnt. Im Winter waren sie Ski fahren gewesen, in Kitzbühel. Er konnte bereits Snowboard fahren, als die Dinger noch kaum jemand gekannt hatte. Freunde hatte er keine gehabt. Weder in der Schule noch in der Nachbarschaft.

Überhaupt hatten nur wenige Kinder in der Straße gelebt. Die meisten, die sich hier eine der Villen oder zumindest eine Wohnung leisten konnten, waren Pärchen zwischen Mitte dreißig und Mitte fünfzig gewesen, die, anstatt eine Familie zu gründen, Karrieren als Unternehmer, Berater, Anwälte oder Ärzte gemacht hatten. Nicht etwa aus Passion, nein, er kannte diese Leute. Ihnen ging es einzig und allein darum, ihren Reichtum zu maximieren, und das auf Kosten anderer. Ihnen lag nicht das Geringste daran, für eine gerechtere Welt zu sorgen. Reichtum etwa umzuverteilen. Im Gegenteil: Die Ungerechtigkeit des Systems war Grundlage ihrer Existenz. Ihr ungezügelter Konsum konnte nur auf dem Rücken des Großteils der Gesellschaft funktionieren. Sie verstanden einfach nicht, dass dieses System eine Einbahnstraße war. Dass es zwangsläufig zu einem Ende führen musste, das vor allem für sie selbst schmerzhaft sein würde.

Die Menschen hier lebten wie unter einer großen Glocke. Dass sie glaubten, sie seien der Teil der Gesellschaft, der das System vorgeben könne, schien ihm absurd. Denn eines Tages würden sie überrollt werden von der Masse der Einzelnen. Von dem Schwarm, der schon bald verstehen würde, dass die Zeit für einen Wechsel längst überfällig war.

Bela Blank drehte den Schlüssel seines alten Passats herum und legte den ersten Gang ein. Er hatte genug gesehen, kannte jeden Zentimeter des Grundstücks, auch wenn mittlerweile zwanzig Jahre vergangen waren, seit er es zuletzt betreten hatte.

Sein Pulsschlag beruhigte sich, als er die Roeckstraße in Richtung Gustav-Radbruch-Platz befuhr. Heute war der letzte normale Tag. Die nächsten Wochen, vielleicht sogar Monate, würde er im Untergrund verbringen müssen. Das, was in der kommenden Nacht losbrechen würde, wü

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