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Abendmahl der Mörder Kannibalen - Mythos und Wirklichkeit von Riße, Manfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.11.2014
  • Verlag: Militzke Verlag
eBook (ePUB)
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Abendmahl der Mörder

Im Dezember 2003 begann vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel der spektakuläre Prozess gegen den zur Tatzeit im Jahre 2001 41 Jahre alten Computertechniker A. M., besser bekannt als der 'Kannibale von Rotenburg'. Detailliert schildert er in der Hauptverhandlung die vor laufender Kamera festgehaltene Tötung und Schlachtung des 43-jährigen Berliner Ingenieurs J. B. 'Man kann es fast mit dem Abendmahl vergleichen', so seine Worte vor dem entsetzten Publikum. Das Thema Kannibalismus ruft bei den meisten Menschen Ekel, Angst und Widerwillen hervor, gleichzeitig ist es auch oft mit Sensationslust, Neugier und magischer Anziehung verbunden. Manfred Riße erläutert in seinem sorgfältig recherchierten und verständlich geschriebenen Buch den Fall A. M. vor dem Hintergrund historischer, psychologischer und anthropologischer Erkenntnisse über das Phänomen des Kannibalismus. Aus seiner beruflichen und wissenschaftlichen Erfahrung steuert er rechtmedizinische und kriminologische Detailinformationen zum Fall Rotenburg und zum Thema Kannibalismus bei, die Licht in dieses von Tabu, Gerüchten und Mythen verdunkelte Thema bringen. Ohne Sensationslust, sondern mit viel Sachverstand und Faktentreue ermöglicht er sowohl dem Fachpublikum als auch den interessierten Laien einen objektiven Blick auf einen der erschreckendsten Fälle der Kriminalgeschichte, aber eben auch auf einen der dunkelsten Aspekte des Menschseins, denn Rotenburg war kein Einzelfall ... Für Leser mit starken Nerven! Empfohlen ab 18 Jahren

Prof. Dr. med. Manfred Riße ist stellvertretender Leiter des Instituts für Rechtsmedizin in Gießen und war mit dem Fall A.M. als gerichtsmedizinischer Sachverständiger betraut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 28.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783861899709
    Verlag: Militzke Verlag
    Größe: 1163 kBytes
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Abendmahl der Mörder

Anthropophagie

Mythos und Fantasy

Blutsymbolik und Blutrituale

Das Töten und Schlachten eines Opfers ist stets ein unumgänglicher Teil des kannibalischen Aktes, und es ist unausweichlich mit "Blutvergießen" verbunden. In der vieldeutigen Blutsymbolik, die von MARTIN SCHRENK 21 in der Einleitung zu einer "Einführung in die Geschichte der Hämatologie" paradigmatisch dargestellt und erörtert wird, bedeutet Blutvergießen und Blutverlust zum einen Verlust der Lebenskraft sowie Sterben und Tod, zum anderen aber auch Werden und Entstehung. Blut symbolisiert somit nicht nur Tod und Untergang, sondern ist gleichsam auch ein Symbol des Lebens ("Denn des Leibes Leben ist in seinem Blute, solange es lebt"; III. Moses 17, 14).

Schon seit jeher findet sich im Blut das Prinzip und die Kraft des Lebens, und das Herz, aus dem das Blut entströmt, stellt das Zentrum jedes tierischen und menschlichen Lebens dar. Lange Zeit glaubte man auch an dessen heilende Wirkung. Blut galt als Heilmittel bei "Morbus sacer", der heiligen und zugleich verfluchten Krankheit Epilepsie, die früher auch Fallsucht genannt wurde. Nachschub holte man sich nicht selten bei öffentlichen Hinrichtungen, wenn das Fallbeil gerade den Kopf des Delinquenten vom Leib getrennt hatte und das Blut frisch aus den Adern hervorsprudelte. Dieses frische, noch wie lebendig sprudelnde Blut war so begehrt, dass es nicht selten zu tumultartigen Szenen unter dem Schafott oder auf dem Richtplatz kam. Gierig standen meist Frauen, bewaffnet mit Tiegeln, Töpfen und sonstigen Auffanggefäßen unter der Hinrichtungsstätte. Pöbeleien, Reibereien und Auseinandersetzungen mit der Wachmannschaft waren zwangsläufig die Folge am Ort der Hinrichtung. CHRISTIAN W. THOMSEN zitiert in diesem Zusammenhang einen Bericht von Albert Hellwig aus dem Jahr 1908, in dem es von Vorfällen aus nicht all zu langer Zeit u. a. heißt: "Bei der Hinrichtung einer Giftmischerin im Januar 1859 bei Göttingen durchbrach das Volk das von Hannoverschen Schützen gebildete Karree, stürzte sich auf das Schafott und suchte sich in den Besitz des Blutes der Hingerichteten zu setzen. In Hanau stürzten sich im Jahre 1861 bei der Hinrichtung eines Raubmörders viele Menschen auf das Blutgerüst und tranken von dem rauchenden Blute. Als 1864 in Berlin zwei Mörder hingerichtet wurden, tauchten die Scharfrichtergehilfen ganze Mengen von weißen Schnupftüchern in das Blut und erhielten für jedes zwei Taler." 22

Schrenk berichtet über Blut trinkende Hunde und Gladiatoren in römischen Arenen und zitiert in diesem Zusammenhang Plinius den Älteren: " Man trinkt gegen Fallsucht das Blut der Gladiatoren gleichsam aus lebendigen Bechern. Ja wahrhaftig, das warme und vom Odem beseelte Blut aus dem Menschen - und damit zugleich durch den Kuß aus den Wunden das Leben selbst einzusaugen, gilt als wirksames Mittel." 23 Schrenk sieht im Blutgenuss durch den "Kuß" eine sexuell getönte Handlung bzw. eine sexuelle Motivation, die sich zuweilen auch im verbrecherischen Kannibalismus wiederfindet.

Das menschliche Blut als Träger des Lebens ist im Alten Testament und in der spätjüdischen Theologie das Eigentum Gottes. Vergießen unschuldigen Blutes ist somit ein Verbrechen gegen Gott. 24 Dieses Prinzip findet sich bereits in den Zehn Geboten. Als Fundament der christlichen Ethik sind diese in den alttestamentarischen Büchern Moses aufgestellt. Im 5. Gebot fließt der Blutmythos im Verbrechen quasi mit ein, wenn es heißt: " Du sollst nicht töten." Allerdings sind diese biblischen Zehn Gebote, die allesamt mit " Du sollst nicht ..." beginnen, lediglich als Gebote im Sinn von Forderungen zu verstehen. Das im Töten Ungesetzliche wird im 5. Gebot somit nicht mit einer juristisch verankerten Strafandrohung verbunden.

Unabhängig von rel

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