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Allmen und die Libellen von Suter, Martin (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Allmen und die Libellen

Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie. Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane - zuletzt erschien Elefant Allmen und die Erotik Business Class

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257600568
    Verlag: Diogenes
    Serie: Allmen 1
    Größe: 1232 kBytes
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Allmen und die Libellen

[61] Zweiter Teil

1

Allmen schlief noch, als Carlos ihm den Tee brachte. Das war nichts Außergewöhnliches, denn es war fünf vor sieben, Carlos trat seine Arbeit als Gärtner jeweils um sieben Uhr an.

Carlos kam aus Guatemala. Allmen hatte ihn kurz nach dem Tod seines Vaters beim Besuch eines Freundes kennengelernt. Er wohnte bei dessen Eltern in Antigua, in einer Kolonialvilla mit vielen zauberhaft bepflanzten Patios. Eines Tages kam dieser propere, höfliche Gärtner und bat ihn sehr gewunden, ihn in seine Heimat begleiten zu dürfen. Allmen hatte kurz zuvor die Villa Schwarzacker erstanden und sich die Zeit bis zur Beendigung der Renovierung mit einer Reise durch Mittel- und Südamerika vertrieben, auf deren letzter Station er sich damals befand. Die Villa brauchte einen Gärtner, und er sagte kurzentschlossen ja. Carlos besorgte sich einen Pass und begleitete Allmen als [62] Tourist. Wenn er sich bewährte, würde Allmen die Sache mit der Aufenthaltsbewilligung regeln, lautete die Abmachung.

Carlos bewährte sich, aber die Sache mit der Aufenthaltsbewilligung hatte Allmen unterschätzt. Nach drei Monaten sah er sich gezwungen, seinen Gärtner zum Flughafen zu fahren und sich schweren Herzens von ihm zu verabschieden. In drei Monaten würde er ihn wieder für weitere drei Monate einfliegen lassen.

Wenige Stunden nach diesem Abschied stand Carlos wieder vor dem Tor der Villa. Er war nicht geflogen. Und ab sofort illegal im Land. Er wohnte im Gärtnerhaus bei Kost und Logis und bezog viertausend Franken im Monat - von der Hälfte konnte seine vielköpfige Familie zu Hause komfortabel leben.

Im Laufe der Zeit war Allmens finanzielle Situation immer prekärer geworden, sein Personalbestand immer kleiner und dadurch das Pflichtenheft von Carlos immer dicker. Zuletzt war er nicht mehr nur der Gärtner, er kochte, servierte, bügelte, putzte, reparierte, improvisierte, log für Allmen und wurde immer unentbehrlicher.

An jenem Abend, als er Carlos eröffnete, dass er die Villa verkaufen, ins Gärtnerhaus ziehen und sich von ihm trennen müsse, nickte dieser nur, [63] sagte: "Muy bien, Don John" und zog sich ins Gärtnerhaus zurück.

Aber am nächsten Morgen, als Allmen am Frühstückstisch saß und Carlos ihm Kaffee nachschenkte, sagte er in seiner formellen Art: "Una sugerencia, nada más."

Das hieß "eine Anregung, mehr nicht" und bedeutete das Gegenteil. Carlos würde ihm einen sehr ausgereiften Plan unterbreiten, von dem er nicht abzubringen sein würde. Diesmal lautete er: Allmen wird ihn als Gärtner und Hauswart an den Käufer vermitteln, und er, Carlos, wird in die Mansarden des Gärtnerhauses ziehen und weiterhin für Don John arbeiten.

Die Idee gefiel Allmen. Er könnte den unentbehrlichen Carlos behalten, ohne die viertausend Franken im Monat bezahlen zu müssen, zu denen er sich in finanziell unabhängigeren Zeiten hatte hinreißen lassen. Er bezog den Betrag als Pauschale für Garten und Hauswartung in die Verhandlungen um das Gärtnerhaus mit ein. Nach kurzem Widerstand war K, C, L & D Treuhand auch mit dieser Zusatzkondition einverstanden. So scharf war die Firma auf die repräsentative Villa Schwarzacker.

Carlos arbeitete seither für seinen Chef gegen Kost und Logis. Im Giebel des Gärtnerhauses befanden sich zwei Personalmansarden und ein [64] winziges zweites Bad für deren Bewohner. Je nach Allmens finanzieller Lage erhielt er darüberhinaus einen Zuschuss in Form von größeren oder kleineren Trinkgeldern.

Allmen trank seinen Tee aus und stellte die Tasse zurück auf den Nachttisch. Normalerweise streckte er sich danach noch einmal aus, um ein Stündchen oder zwei weiterzudösen. Denn in diesen Morgenstunden waren die Träume am intensivsten. Und er hatte am Morgen keine Termine, außer dem mit sich selbst um zehn Uhr dreiß

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