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Anders Thriller von Terpstra, Anita (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2016
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Anders

Wie gut kennen wir die, die uns am nächsten sind, wirklich?
Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glückliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Sechs Jahre später meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist überglücklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel. Ist der Junge wirklich ihr Sohn? Und was ist in der Nacht damals tatsächlich passiert?

Die niederländische Schriftstellerin Anita Terpstra, geboren 1975, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften.Nach Anders ist Die Braut ihr zweiter Roman bei Blanvalet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 15.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641171520
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Anders
    Größe: 886 kBytes
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Anders

2

Der Wind wurde stärker. Gras und Moos knirschten unter Almas Schuhen, die Blätter raschelten, und der Wind heulte. Die Geräusche des Waldes schienen ohrenbetäubend, und sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.

Unzählige Male waren sie sonntags hier spazieren gegangen, vor allem als die Kinder noch kleiner waren. Der Wald lag kaum zwei Kilometer von ihrem Haus entfernt. Die beiden machten sich einen Sport daraus, vorauszurennen und sich zu verstecken. Vor allem Sander war sehr gut darin, sich mucksmäuschenstill zu verhalten. Sobald Alma die Kinder nicht mehr sehen konnte, geriet sie in Panik.

Sogar im Supermarkt passierte ihr das.

Aber das hier war mit nichts zu vergleichen, war um das Tausendfache schlimmer. Ihr Herz raste wie wild, ihr Magen fühlte sich wie ein Stein an, und das Zähneklappern wollte einfach nicht aufhören.

Von einer Lehrerin hatte sie erfahren, man habe Maarten mit bis zu den Knöcheln heruntergezogener Hose und Unterhose aufgefunden, aber sicher wusste Alma das nicht. Keiner der Polizeibeamten wollte sich näher äußern. Bei Almas Ankunft befanden sich alle in einem leicht hysterischen Zustand. Nicht nur die Kinder, auch die Lehrer und die ehrenamtlichen Helfer.

Die Erwachsenen. Dabei sollten die doch den Überblick behalten und Ruhe bewahren, oder?

Die Kinder und Jugendlichen hatten bleich und still in dem großen kahlen Gemeinschaftsraum gesessen, in dem sich früher der Stall befunden hatte. Manche trugen noch ihre Playback-Kostüme, andere waren im Schlafanzug. Ein paar weinten und wurden von ihren Freunden getröstet.

Alma hatte noch nicht einmal den Fuß über die Schwelle gesetzt, da war eine Lehrerin mit rotem verweintem Gesicht auf sie zugekommen. "Wir beten alle für Sander", sagte sie, während Alma mit den Blicken den Raum nach Iris absuchte.

Die saß neben Christiaan auf einem verschlissenen, durchgesessenen Sofa. Ihre Augen wirkten in dem blassen Gesicht groß und dunkel, und das Muttermal, das einen Großteil ihrer rechten Wange bedeckte, stach dadurch noch deutlicher hervor. Die beiden hielten sich so fest an den Händen, dass ihre Knöchel weiß hervortraten, und schauten einander voller Verzweiflung an. Als Alma vor ihnen in die Hocke ging, wagte Iris kaum, ihre Mutter direkt anzusehen. Diese widerstand dem Drang, ihre Tochter tröstend in den Arm zu nehmen.

"Wir finden ihn", sagte sie. "Mach dir keine Sorgen."

"Es tut mir leid, Mama. Wir konnten nichts machen, auf einmal waren sie weg und ..."

"Wie konnte das denn passieren?"

Sie merkte selbst, dass ihre Stimme irgendwie vorwurfsvoll klang. Dabei gab sie den beiden wirklich keine Schuld. Warum aber war kein Erwachsener bei den Gruppen im Wald geblieben, fragte sie sich. Welcher Idiot hatte es für eine gute Idee gehalten, zwei Fünfzehnjährigen die Verantwortung für zwei jüngere Kinder zu übertragen?

Iris starrte auf ihre Hände. "Ich weiß es nicht."

Kurz nach Alma waren weitere Eltern eingetroffen. Sie wusste nicht, wer sie informiert hatte: die Polizei, die Organisatoren des Ferienlagers oder die Kinder selbst. Jedenfalls war ihnen die Sorge um die Sicherheit ihrer Söhne und Töchter anzumerken. An ihren Blicken konnte Alma erkennen, dass sie Bescheid wussten. Aber sie drängte die Tränen mit aller Gewalt zurück. Zum Weinen gab es schließlich gar keinen Grund. Sander konnte jeden Moment gefunden werden.

Einige Eltern reagierten aufgebracht, als sie erfuhren, dass sie ihre Kinder nicht sofort mit nach Hause nehmen durften. Alma konnte es ihnen nicht verübeln, denn an ihrer Stelle hätte sie dasselbe tun wollen. Nur weg von diesem Ort, an dem so Entsetzliches geschehen war. In die Wärme und Sicherheit des eigenen Zuhauses, wo man sie zumindest vor dem Bösen schützen konnte.

Aber erst mussten die Kinder befragt werden.

Sie fing ein paar Gesprächsfetzen auf: zwischen Kindern und Polizisten, zwischen Kindern und Eltern so

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