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Anwalt des Teufels Der Fall Jürgen Bartsch von Bohn, Nicolette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2013
  • Verlag: Militzke
eBook (ePUB)
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Anwalt des Teufels

Der umstrittene Fall des Jürgen Bartsch In den Jahren 1962 bis 1966 missbraucht, verstümmelt und tötet der Metzgergeselle Jürgen Bartsch vier kleine Jungen. Bartsch ist erst 15, als er zum ersten Mal auf grausamste Weise mordet. Zunächst zu fünfmal lebenslänglich Zuchthaus verurteilt, wird er nach einem zweiten Prozess jedoch in eine Heilanstalt eingewiesen, wo er 1976 während einer Operation stirbt. Ist der Täter auch selbst Opfer? Anhand von Polizei-, Gerichts- und Presseberichten, psychiatrischen Gutachten und Zeugenaussagen wird detailgetreu nachgezeichnet, warum zwei Prozesse zu völlig unterschiedlichen Urteilen gelangen. Im Vordergrund der Darstellung steht das juristische Geschehen im Gerichtssaal. Daneben geht die Autorin Nicolette Bohn ausführlich auf Bartschs ungewöhnliche Kindheit und Jugend ein. Erstmals äußert sich der ehemalige Jugendgerichtshelfer Dietrich Wilke in der Öffentlichkeit über seine Arbeit mit dem Serienmörder. Die packende Darstellung regt dazu an, über die Themen 'Schuld und Sühne' sowie 'Opfer und Täter' nachzudenken.

geb. in Düsseldorf M.A. Germanistik, Sprachwissenschaft und Medienpädagogik Promotion zum Dr. phil am Institut für angewandte Kinder- und Jugendliteratur

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 30.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783861899624
    Verlag: Militzke
    Größe: 1837kBytes
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Anwalt des Teufels

Täter
Aus dem polizeilichen Vernehmungsprotokoll vom 21. Juni 1966
Mein Name ist Jürgen Bartsch.
Ich bin etwa zwei Stunden informatorisch gehört worden. Dabei habe ich bereits zugegeben, vier Jungen getötet und in einem alten Luftschutzstollen in Langenberg vergraben zu haben. Ich bin nunmehr bereit, diese Angaben zu einer Niederschrift zu wiederholen und erkläre folgendes:
Nach meinem zehnten Lebensjahr bin ich von meinen Eltern in ein Internat gebracht worden, weil sie sich wegen Personalmangels nicht in der nötigen Weise um mich kümmern konnten. Dort verblieb ich etwa drei Jahre. An dieser Stelle möchte ich bemerken, daß ich meine leiblichen Eltern gar nicht gekannt habe. Ich wuchs bei Pflegeeltern auf, bei denen ich auch heute noch wohne und in deren Geschäft ich als Metzgergeselle tätig bin.
Während meiner Internatszeit mußte ich feststellen, daß ich mich sexuell zu anderen Jungen hingezogen fühlte. Es ist während dieser Zeit zwar nicht zu sexuellen Abartigkeiten zwischen mir und anderen Jungen gekommen, aber ich habe mich auf sexuellem Gebiet immer zu ihnen hingezogen gefühlt. Dieses Gefühl hat sich in den späteren Jahren ständig verstärkt. Ich bin einfach nicht dagegen angekommen. Ich habe einmal mit meinem Stiefvater darüber gesprochen, der mir riet, einen Arzt aufzusuchen. Ich habe hierzu aber einfach nicht den Mut gefunden.
Mein sexuelles Verlangen nach Jungen wurde schließlich nur noch dadurch gestillt, daß ich diese tötete.
Eröffnung des Bartsch-Prozesses vor dem Wuppertaler Landgericht. 29. November 1967
Novembernebel lag über regennassen Dächern. Der Prozess gegen Jürgen Bartsch wurde am 29. November 1967 vor der ersten Jugendstrafkammer des Wuppertaler Landgerichtes eröffnet. Insgesamt hatte dieser Prozess, der als "Jahrhundertprozess" im Nachkriegsdeutschland Kriminal- und Rechtsgeschichte schrieb, die kurze Dauer von nur acht Verhandlungstagen. In den frühen Morgenstunden, lange vor Prozessbeginn, versammelte sich eine empörte Menschenmenge vor dem Gerichtsgebäude. Mit Rufen wie "Hängt die Bestie auf!", "Warum wollt ihr so einen das Leben lang am Fressen halten?", "Macht mit dem Kirmesmörder kurzen Prozess!", verlangte die aufgebrachte Menschenmenge lautstark nach der Todesstrafe. Doch noch war Jürgen Bartsch nicht verurteilt, und es war ungewiss, welches juristische Strafmaß ihn am Ende tatsächlich erwarten würde. Die Neue Illustrierte Revue stellte in einem Artikel vom 22. Oktober 1967 mehrere Möglichkeiten des Strafmaßes dar:
"Der vierfache Kindermörder Jürgen Bartsch sagt von sich selbst: "Ich habe den Tod verdient." Die Todesstrafe ist in der Bundesrepublik im Jahre 1949 abgeschafft worden. Welche Möglichkeiten hat das Gericht, wenn sich die Bestie von Langenberg in Kürze für die grausamen Verbrechen verantworten muß?
Lebenslänglich
Wird Bartsch, der zum Zeitpunkt seiner Straftaten noch nicht volljährig war, nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt, dann erwartet ihn wegen vierfachen Kindermordes viermal lebenslänglich Zuchthaus.
Heilanstalt
Wird Bartsch von den Gutachtern für zurechnungsunfähig erklärt, kommt er in eine Heilanstalt. Gelangen die Psychiater zu dem Schluß, daß er vermindert zurechnungsfähig ist, kann er mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren bestraft und nach der Verbüßung in eine Heilanstalt eingewiesen werden.
Jugendstrafe
Wird Bartsch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt, so ist das höchst-zulässige Strafmaß zehn Jahre Jugendstrafe. Danach müßte er entlassen werden."

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