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Badisches Todesspiel Der Badische Krimi von Moritz, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2017
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Badisches Todesspiel

Tiefgründige Charaktere, Spannung bis zur letzten Seite und eine gute Portion badischer Humor. Als auf einer Hochzeitsfeier im beschaulichen Kaiserstuhl der Bräutigam erschossen wird, ahnt dessen Schwiegervater, der Schriftsteller Motzki, dass die Kugel ihm selbst galt. Grund dafür: die Biografie eines Gangsters, die in seiner Schreibtischschublade auf ihre Veröffentlichung wartet. Darin finden sich auch pikante Geschichten ehrbarer Leute, die besser unter Verschluss bleiben sollten. Motzki sucht Hilfe bei Fotograf Killian und Kommissar Belledin. Doch auch über den Kult-Ermittler gibt es ein dunkles Kapitel . . . Michael Moritz ist 1968 in Freiburg geboren. Er studierte Schauspiel an der Folkwang-Hochschule in Essen und spielte an renommierten Schauspielhäusern. Er schreibt für Theater, Film und Hörfunk und lehrt Theater an deutschsprachigen und internationalen Hochschulen. Derzeit ist er als Theaterregisseur international tätig. www.michealmoritz.net

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 12.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960412830
    Verlag: Emons Verlag
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Badisches Todesspiel

EINS

Killian parkte seinen Defender auf dem Parkplatz der "Krone" und stieg aus. Große Lust hatte er nicht. Aber Motzki hatte ihn angefleht. Um der alten Freundschaft willen. Und Killian war weich geworden. Hochzeitsfotos. Er konnte sich nicht erinnern, wann er so einen Auftrag zum letzten Mal angenommen hatte. Das musste noch vor seinem Studium gewesen sein. Er sah sich um. Der Parkplatz war gut gefüllt, einige der Hochzeitsgäste standen vor dem Lokal und rauchten. Killian lehnte sich an den Defender und steckte sich eine Badisch Brasil an. Um sechzehn Uhr hatte er sich hier mit Motzki verabredet. Jetzt war es fünf vor.

Ein dunkelblauer Mercedes fuhr auf den Parkplatz und hielt direkt neben Killians Defender. Zwei rausgeputzte Endvierziger stiegen aus.

"Ich glaub, die Pille helfe nix", sagte die Frau. "Im Gegeteil. Ich fühl mich noch nervöser."

"Bei den homöopathischen Mitteln dauert es immer etwas länger, bis sie wirken. Je nach Konstitution", sagte er und holte ein in Geschenkpapier gewickeltes Päckchen vom Rücksitz.

"Hoffentlich isch keiner von seiner Seite da. Ich glaub, sei Cousin, de Georg, isch irgendwie mit Kiefers verwandt. Den ertrag ich heut nit. Oder am End noch er selbst."

"Biggi", sagte er, stellte das Geschenk auf dem Autodach ab, ging zu ihr und fasste sie beruhigend an den Schultern. "Alles wird gut. Du gehörst jetzt zu mir. Es sind fast zwei Jahre, dass ihr nicht mehr zusammen seid."

"Ich weiß."

"Und wir lieben uns doch?"

"Ja. Schon."

"Also."

"Trotzdem. Er isch halt nit irgendwer."

"Du auch nicht." Er drückte sie an sich. "Avec courage, ma chère Brigitte." Er küsste sie.

"Du bisch unmöglich. Jetzt häsch mir de ganze Lippestift verschmiert."

Er nahm das Geschenk vom Dach und zog sie verliebt hinter sich her. Sie kicherte nervös.

Sie hatten Killian nicht wahrgenommen. Eine seiner besonderen Fähigkeiten: da zu sein, ohne gesehen zu werden. Das machte einen guten Fotografen aus. Nicht nur auf Hochzeiten, auch während Kriegseinsätzen und geheimen Missionen. Grau wie die Wand, staubig wie die Straße, ölig wie die Wüstenhitze. So musste er sein, wenn er überleben wollte, hatte Moshe einst zu ihm gesagt. Und Killian war es geworden. Ein Meister der Camouflage. Manchmal glaubte er, es bereits so weit getrieben zu haben, dass er sich bald selbst nicht mehr sehen würde. Ein hübscher Gedanke. Vielleicht würde er auch die düsteren Wolken vertreiben, die ihn immer wieder heimsuchten und ihm den Blick aufs Leben verdunkelten.

Ein weiterer Wagen fuhr auf den Parkplatz. Ein roter Citroën, der Platz unter einer Kastanie fand, die schon die Hälfte ihres Laubes abgeworfen hatte. Zwei junge Frauen stiegen aus und zogen ihre kurzen Röcke zurecht. Sie hatten sich aufgebrezelt, als würden sie zu einer Filmparty gehen, um dort einen Regisseur oder Produzenten klarzumachen.

Killian öffnete die Tür seines Wagens und holte die Nikon raus. Er legte an und schoss ein paar schnelle Fotos. Die Kleider in Knallfarben unter der halb kahlen Kastanie im frühen Dämmerlicht kreierten eine Spannung, die ihm gefiel. Gern hätte er die beiden Frauen inszeniert, genoss den Blick des Voyeurs aber zu sehr. Außerdem fürchtete er, dass sie ihre natürliche Affektiertheit verlieren würden, wenn sie sich des Fotoapparats bewusst wären.

Sie kramten ihre Geschenke aus dem Kofferraum und streckten Killians Objektiv ihre runden Hintern entgegen. Killian drückte ab. Volltreffer. Die Fahrerin schlug den Kofferraum zu und stakste auf ihren Stöckelschuhen voran. Ihre Freundin folgte, rutschte mit dem Absatz auf einem feuchten Kastanienblatt aus und klatschte auf den Boden. Killian feuerte eine Serie: zerrissene Strumpfhose. Blutiges Knie. Umständliches Aufhelfen. Humpelnder Abgang, von der Freundin gestützt.

Schon zehn nach vier und von Motzki keine Spur. Allmählich wurde es draußen ungemütlich. Der Nebel s

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