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Barbarotti und der schwermütige Busfahrer Roman von Nesser, Håkan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2020
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Inspektor Barbarotti ermittelt auf Gotland.
Gegen Inspektor Barbarottis Polizeikollegin - und neue Lebensgefährtin - Eva Backman wird in Stockholm intern ermittelt. Sie musste bei einem Einsatz zur Schusswaffe greifen, um Schlimmeres zu verhindern, was für einen der Beteiligten allerdings böse endete. Um Abstand zu gewinnen, beschließen Barbarotti und Backman, sich in die herbstliche Abgeschiedenheit Gotlands zurückzuziehen. Doch die Ruhe ist trügerisch. Barbarottis kriminalistische Instinkte werden geweckt, als er in einem Fahrradfahrer jenen rätselhaften Busfahrer zu erkennen glaubt, der vor sechs Jahren Opfer eines Verbrechens wurde, ohne dass man seine Leiche je gefunden hätte ...

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 28.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641264291
    Verlag: btb
    Originaltitel: Den sorgsne busschauffören fran Alster
    Größe: 1734 kBytes
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Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

1
Kleckse und Späne, fünfundzwanzigster Oktober

Ich sollte nicht leben. Der Meinung sind viele, und ich kann sie verstehen.

Manchmal brennt mein Lebenslicht so schwach, dass ich das Gefühl habe, mich vor einen Spiegel stellen und es auspusten zu können. Es ist ein seltsamer Gedanke, aber seit dem Unfall sieht es in meinem Kopf so aus.

Eigentümliche Bilder. Verwirrte Überlegungen. Ideen und Gedankengänge, die darin niemals auftauchten, bevor es passierte.

Natürlich nicht ständig, aber von Zeit zu Zeit. Vor allem nachts, in diesem unangenehmen Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Vielleicht auch in meinen Träumen, aber das weiß ich nicht; in den allermeisten Fällen kann ich mich inzwischen nicht mehr daran erinnern, was ich geträumt habe. Auch das war früher anders, aber ich habe eine Reihe von Therapeuten und Psychologen aufgesucht, und alle scheinen der Auffassung zu sein, dass nach einem schweren Trauma letztlich alles normal ist. Dass sich Denken und Wahrnehmung im Grunde in jede Richtung verändern können, wenn man etwas erlebt hat wie das, was ich durchmachen musste.

Dass man in gewisser Weise ein anderer wird als der Mensch, der man vorher war. Aber das ist meine eigene Schlussfolgerung.

Ich schreibe, damit zumindest eine Erklärung zurückbleibt. Falls etwas passieren sollte. Will sagen, meine Erklärung, meine Erzählung. Vielleicht wird sich keiner dafür interessieren, sie zu lesen, und wenn das so ist, akzeptiere ich es. Mir ist bewusst, dass es schwerfällt, meinen Worten zu glauben, wenn ich von dem zu erzählen versuche, was tatsächlich vor sich geht. Womit ich mich konfrontiert zu sehen glaube. Bisher habe ich nur mit Karin darüber gesprochen, merke aber, dass sie mir nur aus Mitleid zuhört und eigentlich denkt, ich würde mir etwas einbilden. Oder zumindest, dass ich übertreibe; die Existenz der Briefe kann sie natürlich nicht leugnen, das ist unmöglich, aber sie findet, dass ich ihnen zu viel Bedeutung beimesse.

Die Welt ist voller bedrohlicher Irrer, hat sie einmal gesagt. Würde man etwas auf sie geben, man würde verrückt.

Das war im August, als ich ihr die beiden Mitteilungen gezeigt habe, die ich zu diesem Zeitpunkt erhalten hatte. Seither sind zwei weitere eingetroffen, die ich ihr allerdings nicht mehr vorgelegt habe. Ich habe sie nicht einmal erwähnt. Ich will nicht, dass sie denkt, ich würde allmählich paranoid. Paranoid und wahnsinnig. Unsere Beziehung ist auch so schon zerbrechlich genug.

Aber ich sollte von vorn anfangen. Oder zumindest ein gutes Jahrzehnt zurückgehen. Ja, das tue ich, denn hier bestimme ich.

Damals, in den Jahren um die Jahrtausendwende, wohnte ich mit meiner ersten Frau Viveka in einem Reihenhaus am Stadtrand von Uppsala. Wir arbeiteten beide an der Universität, sie als Theologin, ich als Ideenhistoriker; wir hatten uns im Studium kennengelernt und waren während unserer gesamten Laufbahn zusammengeblieben. Über den Magisterabschluss, die Doktorandenstellen, die Arbeit an unseren Dissertationen und schließlich unsicheren Stellen an unseren jeweiligen Instituten hinweg. Meine waren unsicherer als ihre. Sie promovierte, ich wurde niemals fertig.

Wir bekamen keine Kinder. Mitte der neunziger Jahre war Viveka einmal schwanger, erlitt jedoch in der vierzehnten Woche eine Fehlgeburt. Danach kam es nie wieder dazu, obwohl wir es versuchten, und als wir Anfang dreißig waren, akzeptierten wir den Stand der Dinge. Eltern zu werden ist kein Menschenrecht, dessen waren wir uns beide bewusst.

Meine Karriere als Ideenhistoriker war erheblich ins Stocken geraten, und nach ein paar Jahren verloren ein Kollege und ich die Forschungsmittel, die uns über Wasser hielten, seit ich meine Stelle am Institut angetreten hatte. Wir beantragten neue Mittel bei allen nur erdenklichen Geldgebern, gaben am Ende jedoch auf. Die einzige Chance, die akademische Laufbahn

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