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Berlin Underground Kriminalroman von Wachlin, Oliver G. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Berlin Underground

Im Landwehrkanal wird die Leiche einer jungen Frau gefunden - mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Die Spuren führen in die Katakomben Berlin: eine zweite Welt tief unter dem Asphalt, mit Herrschern und Beherrschten, mit Führern und Geführten. Eine Gesellschaft mit eigenen Regeln und Gesetzen. Hier erfahren die Ermittler zwar, wer die Tote war, und sie erhalten auch Hinweise auf ihren Mörder. Doch bevor sie ihn verhaften können, bekommen sie es mit der CIA und dem BND zu tun, sogar das Außenministerium schaltet sich ein. Wer ist der Mann wirklich - und wo endet seine Macht? Oliver G. Wachlin, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet seit über zwanzig Jahren hauptberuflich als freier Autor und Dramaturg in Berlin. Er schrieb zahlreiche Texte, Konzepte und Drehbücher für Film und Fernsehen sowie diverse Image- und Werbekampagnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960411468
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2961 kBytes
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Berlin Underground

Prolog

Dichtes Schneetreiben. Wie eine Bildstörung im Fernsehen. Die Landschaft verschwand hinter weißem Gekrissel. Keine Konturen mehr erkennbar. Nur noch Flocken, weißes Nichts, Kälte. Dazu der Wind. Fauchend fuhr er ins Geäst froststarrer Bäume und Sträucher, trieb helle Schleier vor sich her und türmte immer wieder mannshohe Schneewehen auf. Sie machten einer kleinen Gestalt zu schaffen, die sich gebeugt, in einen dicken Lammfellmantel gehüllt und mit einem Rucksack auf dem Rücken durch den Winter kämpfte. Ein winziger Punkt in einer endlosen Schneewüste.

Schwachsinn, dachte Amra verzweifelt, was mach ich hier?

Inzwischen gestand sie sich ein, dass ihr Vorhaben nicht durchdacht war. Spontan und unüberlegt. Kovac hatte recht gehabt, als er sie abhalten wollte. Zu gefährlich, Mädchen, hatte er gesagt, die Sicherheitskräfte sind nervös. Sie werden dich nicht durchlassen.

Tatsächlich war Amra schon sechzehn Kilometer vor dem Kontrollpunkt von einer Streife der Sonderpolizei aufgehalten worden. Die Grenze sei geschlossen, hieß es, sie müsse umkehren.

Doch so leicht gab Amra nicht auf. Sie hatte den Wagen abgestellt und sich zu Fuß auf den Weg gemacht. Immer querfeldein durch den Wintersturm, weit abseits von der Passstraße auf die albanischen Berge zu. Inzwischen war sie völlig erschöpft und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Umkehr, hämmerte es in ihrem Hirn, dreh um, Amra, das hat hier keinen Sinn. Und trotzdem stapfte sie weiter. Eine mechanische Vorwärtsbewegung, die, nur durch gelegentliches Stolpern unterbrochen, einem im Hirn festgesetzten Befehl folgte, der sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Dazu hätte es eines wachen Geistes bedurft, doch zu klaren Gedanken war Amra kaum noch in der Lage. Kälte und Erschöpfung hatten ihr Hirn stumpf gemacht. Ihr fehlte jede Kraft zum Denken, und deshalb lief sie weiter. Taumelnd durch knietiefen Schnee. Immer geradeaus.

Sechs tote Soldaten in den Trümmern eines Armeehubschraubers bei Mitrovica, abgeschossen durch eine Luftabwehrrakete. Damit hatte niemand gerechnet. Woher kamen solche Waffen? Zwar gab es Gerüchte, dass es Schmuggler in den Bergen gäbe, die mit Eseln Sprengstoff und Pistolen auf versteckten Pfaden über die Grenze brachten, Handfeuerwaffen, Gewehre und Granaten. Aber Luftabwehrraketen?

Wahrscheinlich war es eine Stinger, hatte Kovac erklärt, die feuert man von der Schulter ab wie eine Panzerfaust. Du visierst das Flugzeug an, ziehst den Abzug und - zisch, bäng, Absturz.

Trotzdem, dachte Amra, da muss mehr dahinterstecken.

Kovac wusste nicht, dass sie keine einfache Studentin war, die, aus Belgrad kommend, ihre ersten Gehversuche als Journalistin in Pristina machen wollte. Er konnte nicht ahnen, dass sie im Auftrag des Innenministeriums unterwegs war, dass man sie schon auf der Universität ausgesucht und gelockt hatte mit tollen Angeboten für die Zukunft. Auslandskorrespondentin wollte sie werden. Die Welt bereisen, Westeuropa, Asien, Amerika ... Aber vorher sollte sie sich bewähren.

Gehen Sie ins Kosovo, hatte man ihr gesagt, Sie kennen ja die Lage in der Provinz. Angespannt, ein Krisenherd. Wir müssen wissen, woher die Waffen der Separatisten kommen, wer sich von wem für was rekrutieren lässt und, und, und ...

Außerdem galt Kovac mit seiner Zeitung als liberaler Bourgeois, vielleicht sogar als Rugova-Anhänger - und war er nicht auch Albaner? Behalten Sie ihn im Auge und berichten Sie!

Das tat Amra jetzt seit drei Monaten. Inzwischen war sie der Ansicht, dass ihr albanischer Chef zwar perfekt die Attitüde des westlich-bürgerlichen Intellektuellen pflegte, ansonsten aber harmlos war. Er hatte sein Handwerk Mitte der Achtziger in Deutschland gelernt, in Hamburg als Austauschstudent an der Henri-Nannen-Schule. Und er zitierte gern deutsche Journalisten; Rudolf Augstein zum Beis

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