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Bevor ich verzeihe Roman von Littlefield, Sophie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Bevor ich verzeihe

Seit dem schrecklichen Moment, in dem sie erfuhr, dass ihre Tochter ermordet wurde, will Maris sich immer mehr von der Welt zurückziehen. Daher geht sie nur wiederwillig ran, als das Telefon klingelt - und hört die vertraute Stimme des Mannes, dessen Sohn ihre Tochter umgebracht hat. Er fühlt sich zutiefst verantwortlich für das, was geschehen ist. So sehr, dass er jetzt auf der Golden Gate Bridge steht und Maris anbietet, sich von der Brücke zu stürzen. Und plötzlich hat sie es in der Hand. Will sie Vergeltung oder hat sie den Mut zur Vergebung? Eine Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern wird ... Sophie Littlefield schreibt schon seit ihrer Kindheit, und ihre Bücher wurden bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Sie lebt in Nordkalifornien, wo sie an ihrem nächsten Roman schreibt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 19.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641188634
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Guilty One
    Größe: 568 kBytes
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Bevor ich verzeihe

Kapitel 2

Als er den Streifenwagen am Straßenrand halten sah, wusste er, dass es zu spät war. Gott, er hatte es gründlich vermasselt. Er hätte sie nicht anrufen dürfen, er hätte die Tat für sich sprechen lassen, sie alles sagen lassen, was alle hören mussten. Oder einen Brief schreiben. Ein Brief hätte funktioniert. Er hätte ihn abschicken können, bevor er in die Stadt gefahren war, hätte ihn auf dem Weg vom Büro zu seinem Wagen in den Briefkasten vor Noah's Bagels werfen können. Maris hätte ihn am Mittwoch bekommen. Spätestens Donnerstag. Sie hätte den Brief in aller Ruhe lesen und sich überlegen können, ob sie ihn in den Papierkorb werfen sollte oder ... oder ob er ihr geholfen hätte, wenigstens ein bisschen.

Zwei Polizisten stiegen aus dem Streifenwagen. Eine Frau, jung und hübsch, glattes Gesicht, und ein Mann. Der Mann war schneller, kam, eine Hand am Gürtel, entschlossen auf ihn zu. Wonach griff er? Nach seinem Funkgerät? Dem Elektroschocker? Vage fragte sich Ron, was das Protokoll für eine solche Situation vorsah, während er sich gleichzeitig dafür verfluchte, dass er nicht alles genau durchdacht hatte, dass er vermasselt hatte, was seine letzte Tat hätte werden sollen.

Er schaute an sich hinunter. Der Wind legte seine Hose um die Knöchel in Falten. Es war wirklich sehr windig hier oben, genau wie es in den Touristeninformationen stand. Ron hatte am Vorabend die Golden Gate Bridge gegoogelt, lächerlich. Seit wie vielen Jahren hatten er und Deb sich vorgenommen, einmal über die Brücke zu gehen? Mindestens seit Karl bei den Pfadfindern gewesen war, denn damals hätten sie es beinahe getan, der Pfadfinderführer hatte es organisiert. Aber dann hatte Karl Angina bekommen. Also hatte Ron im Internet nachsehen müssen: "Stellen Sie Ihren Wagen auf dem Parkplatz vor der Brücke ab ... seien Sie darauf gefasst, dass es kalt und windig ist." Und das hatte zu der vielleicht absurdesten Aktion der letzten vierundzwanzig Stunden geführt: Er hatte seine Windjacke aus dem Wandschrank geholt, obwohl draußen fünfunddreißig Grad herrschten und die Klimaanlage auf vollen Touren lief, und hatte die Jacke in seinem Auto versteckt, damit Deb sie nicht sah und sich womöglich wunderte. Während er die Jacke unter den Fahrersitz gestopft hatte, war ihm bewusst geworden, dass er bei der Planung der letzten Minuten seines Lebens auf sein körperliches Wohl bedacht war, ein Gedanke, so absurd, dass ihn schwindelte.

Aber jetzt war er froh, dass die Jacke ihn gegen den kalten Wind schützte. Der Schiebergriff am Reißverschluss schlug ihm so heftig gegen das Kinn, dass es wehtat. Immer mehr Autos verlangsamten ihr Tempo, bald würde es einen Verkehrsstau geben. Er fragte sich, ob jemand die Polizei gerufen hatte oder ob sie ihn einfach zufällig entdeckt hatten ... irgendwo meinte er gelesen zu haben, dass die Polizei regelmäßig auf der Brücke Patrouille fuhr. Auf der Suche nach Springern. Nach Typen wie ihm.

"Hey, wie geht's Ihnen?" Der Polizist schirmte seine Augen mit einer Hand gegen die Sonne ab und lächelte Ron freundlich an. Er sah gut aus. Um die vierzig, kantige Züge, ausgeprägter Unterkiefer und so weiter. Auch seine Partnerin war attraktiv, und sie lächelten Ron an, als wären sie alte Freunde.

Das war peinlich. Ron überlegte, ob er so tun konnte, als wäre er einfach nur stehen geblieben, um ein bisschen nachzudenken, als könnte er niemals ... aber nein. Schließlich stand er auf der falschen Seite des roten Metallgeländers und klammerte sich an die kalten Stahlkabel. Er hatte diese Stelle ausgewählt, weil sie von der Fahrbahn aus kaum zu sehen war, dann war er hinter einem Pfeiler über das Geländer auf den ein Stück tiefer liegenden Stahlträger gestiegen. Man konnte ihn also eigentlich nur sehen, wenn man wusste, wonach man suchte. Am riskantesten war der Moment gewesen, als er über das Geländer geklettert war, aber obwohl er eine Lücke im Verkehr abgewartet und

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