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Beweise, daß es böse ist Commissario Brunettis dreizehnter Fall von Leon, Donna (eBook)

  • Verlag: Diogenes
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Beweise, daß es böse ist

Als die 83jährige Maria Grazia Battestini ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, tragen nicht nur die Gondeln keine Trauer: Familie und Freunde gibt es keine, und die Nachbarn sind regelrecht erleichtert, als der Fernseher nicht mehr durch die Calli dröhnt. Nur Brunetti gibt keine Ruhe, bis er weiß, was sich hinter dem Tod der alten Frau verbirgt. Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257600735
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Doctored Evidence
    Größe: 1644 kBytes
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Beweise, daß es böse ist

[7] 1

S ie war ein altes Ekel, und er haßte sie. Da er Arzt war und sie seine Patientin, drückte dieser Haß auf sein Gewissen, wenn auch nicht so schwer, daß er sie darum weniger gehaßt hätte. Wer so boshaft, habgierig und zänkisch war wie Maria Grazia Battestini - die zudem unentwegt über ihre Beschwerden klagte und über die wenigen Menschen, die ihre Gesellschaft noch ertrugen -, für den fand schließlich niemand, nicht einmal die großmütigste Seele, mehr ein gutes Wort. Der Pfarrer hatte sie schon lange aufgegeben, und ihre Nachbarn äußerten sich ablehnend, ja manchmal unverhohlen feindselig über sie. Ihre Familie blieb nur noch um der Erbschaft willen mit ihr in Kontakt. Er aber war Arzt und mithin zu seiner allwöchentlichen Visite verpflichtet, die sich freilich inzwischen auf eine flüchtige Erkundigung nach ihrem Befinden beschränkte und auf das rasche Messen von Puls und Blutdruck. In den fünf Jahren, die er nun schon zu ihr kam, war sie ihm so zuwider geworden, daß er es irgendwann aufgab, gegen seine Enttäuschung über das Ausbleiben jeglicher Krankheitssymptome anzukämpfen. Sie war mittlerweile über achtzig; nach Aussehen und Gebaren hätte man ihr gut und gern zehn Jahre mehr gegeben, und doch würde sie ihn, ja sie alle miteinander überleben.

Er hatte einen Schlüssel und war es gewohnt, sich selbst einzulassen. Das Haus, ein dreistöckiges Gebäude, gehörte ihr allein. Und obwohl nur mehr ein Teil der zweiten Etage bewohnt war, erhielt sie in ihrer Bosheit und Raffgier die [8] Fiktion aufrecht, sie würde alle Räumlichkeiten nutzen, bloß um zu verhindern, daß die Tochter ihrer Schwester Santina im Stockwerk über oder unter ihr einzog. Er hätte nicht sagen können, wie oft sie in den Jahren seit dem Tod ihres Sohnes wüste Beschimpfungen gegen ihre Schwester ausgestoßen und ihm beteuert hatte, welche Genugtuung es ihr bereite, die Ansprüche ihrer Familie auf das Haus zu vereiteln. Die Gehässigkeit, mit der sie von ihrer Schwester sprach, hatte seit der gemeinsamen Kindheit ständig neue Nahrung bekommen.

Er drehte den Schlüssel nach rechts, und weil venezianische Türen die Eigenart haben, nicht gleich beim ersten Versuch nachzugeben, zog er unwillkürlich die Klinke an. Dann stieß er die Tür auf und betrat den schummrigen Hausflur. Kein Sonnenstrahl durchdrang die verkrustete Schmutz- und Fettschicht, die sich jahrzehntelang auf den beiden schmalen Fenstern über dem Eingang abgelagert hatte. Dem Doktor fiel die schlechte Beleuchtung schon gar nicht mehr auf, und da Signora Battestini es seit Jahren nicht mehr die Treppe hinunter schaffte, würden die Fenster wohl auf absehbare Zeit ungeputzt bleiben. Die Feuchtigkeit, die in den Mauern nistete, hatte die Stromleitungen angegriffen, aber sie weigerte sich, einen Elektriker zu bezahlen, und so hatte er es sich abgewöhnt, den Lichtschalter zu betätigen.

Beschwingten Schrittes machte er sich auf den Weg nach oben. Für den heutigen Vormittag war dies sein letzter Hausbesuch; sobald er die alte Schreckschraube versorgt hatte, würde er sich einen Aperitif genehmigen und anschließend zum Mittagessen gehen. Er mußte erst wieder [9] um fünf zur Sprechstunde in seine Praxis und war froh, daß ihm die Klagen seiner Patienten und der Anblick ihrer verbrauchten, aufgedunsenen Körper solange erspart bleiben würden.

Auf dem zweiten Treppenabsatz fiel ihm unversehens die neue Haushaltshilfe ein - wohl eine Rumänin, so jedenfalls hatte er die Alte verstanden, und es blieb ja keine lange genug, als daß er sich ihren Namen hätte merken können -, aber nun hoffte er, die neue würde eine Ausnahme machen. Seit ihrer Ankunft war die alte Xanthippe zumindest immer gewaschen und stank nicht mehr nach Urin. Im Lauf der Jahre hatte er die Mädchen kommen und gehen sehen; kommen, weil die Aussicht auf Arbeit und Lohn sie anlockte, auch wenn sie dafür eine Signora Battestini saub

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