text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Beweislast Der sechste Fall für August Häberle von Bomm, Manfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2009
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Beweislast

Kommissar Häberles neuer Fall scheint klar: Der in einem abgeschiedenen Tal am Rande der Schwäbischen Alb tot aufgefundene Berater der Agentur für Arbeit wurde von einem seiner "Kunden" ermordet. Eine ganze Reihe von Indizien, aber auch DNA-Spuren am Tatort, weisen zweifelsfrei auf Gerhard Ketschmar hin. Der 55-jährige Bauingenieur ist nach über einem Jahr erfolgloser Stellensuche psychisch und physisch am Ende und voller Hass, weil man ihn auf das Abstellgleis Hartz IV zu schieben droht. Doch während sein Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Ulmer Landgerichts vorbereitet wird, kommen August Häberle erhebliche Zweifel. Wird möglicherweise ein Unschuldiger zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt?

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 468
    Erscheinungsdatum: 13.08.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839232996
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1845 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Beweislast

3

Tausend Gedanken fuhren in seinem Kopf Achterbahn. Ketschmar hatte Göppingen verlassen, ohne sich dessen bewusst geworden zu sein. Er hatte die Schnauze voll. Es war alles unsinnig, eine nach unten gerichtete Spirale. Es war aus, einfach vorbei. Abgestellt. Kaltgestellt. Der Golf rollte in das Neubaugebiet von Donzdorf, einem beschaulichen Städtchen, eingebettet in die ebenso beschauliche Landschaft zwischen den Dreikaiserbergen Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen einerseits und den steil aufragenden Hängen der Schwäbischen Alb andererseits. Als er und seine Frau dort vor 20 Jahren ein schmuckes Einfamilienhaus gebaut hatten, damals, als Tochter Chrissi ausgezogen war, um in Tübingen zu studieren, da hatten sie keinen Gedanken daran verschwendet, dass sie einmal vor dem Nichts stehen würden. Die Bauwirtschaft hatte geboomt, Straßen wurden gebaut, auch der neue Albaufstieg der Autobahn am Aichelberg war gerade angestanden.

Seine Stimmung entsprach dem Wetter, das eine dicke Nebelschicht um die Hänge der nahen Schwäbischen Alb gelegt hatte. Er fuhr nicht in die Garage, sondern stellte den Golf am Straßenrand ab. Sein Blick traf das Wohnmobil, das unter dem mit Efeu umrankten Carport stand. Wie oft noch würde er mit Monika in die Berge oder ans Meer fahren können? Im Januar würde das Ersparte schmelzen. Und zwar schnell. Was waren da die knapp hunderttausend Euro, die sie zusammenkratzen konnten? Bausparvertrag, ein paar dümpelnde Aktien von Telekom und Daimler, einige Sparkassenbriefe und ein uraltes Sparbuch. Alles war längst der staatlichen Kontrolle unterworfen. Mit List und Tricks, so hämmerte es jetzt in seinem Kopf, hatte die Regierung es geschafft, den Bürger zum gläsernen Sparer zu machen. Nie hatte Ketschmar es begriffen, dass das mühsam Ersparte, schon mal versteuerte Einkommen, immer und immer wieder versteuert werden musste, alljährlich, wenn die Zinseinnahmen die kontinuierlich gesenkte Freigrenze überstiegen.

Monika spürte sofort, was los war. Sie drückte ihm in der Diele einen Kuss auf die Wange und lächelte ihn aufmunternd an. Doch er hängte lustlos seine Jacke an die Garderobe, zog die Krawatte vom Hals und ging ins Esszimmer, das seine Frau geschmackvoll herbstlich dekoriert hatte.

"Null Chance", sagte er und blickte aus dem Fenster. Die November-Stimmung zog ihn noch tiefer in die Depression.

"Wir werdens schaffen", versuchte Monika ihn zu trösten. Doch es klang wenig überzeugend. Sie legte ihre Arme um seinen Nacken. "Auch andere haben damit zu kämpfen."

Er nickte und umarmte sie. "Das sagt sich so leicht", meinte er mit gedämpfter Stimme, "ich befürchte, wir werden vieles aufgeben müssen."

"Wir schaffen das", wiederholte sie jetzt eine Spur überzeugender. "Notfalls geh ich jobben."

Ketschmar blickte seiner Frau ungläubig in die Augen. "Das kommt überhaupt nicht in Frage." Ihn überkam der Gedanke an diese Billigjobs, mit denen finanziell in Not geratene Frauen ausgenutzt wurden. Supermärkte, geöffnet bis 20 Uhr. Samstagsarbeit bis zum Abend. Junge Chefs, die Sklaventreiber waren. Solche, die von über 40-Jährigen sowieso nichts hielten. Die auf dauernde Fluktuation setzten. Einstellen, ausnützen - rauswerfen. Heuern und feuern, wie es die Gewerkschaften einmal formuliert hatten. Nein, das wollte er seiner Frau nicht zumuten. Nicht ihr.

Warum, zum Teufel, nahm es eigentlich dieses Volk hin, dass alle Errungenschaften des Sozialstaates aufgegeben wurden? Monika spürte, wie seine Gedanken abschweiften. "Was denkst du jetzt?"

"Ich überleg mir, warum es in diesem Land so weit kommen musste." Er schaute einer Amsel zu, die auf einem der kahlen Äste herumhüpfte. "Sie haben alles aufgegeben, was Deutschland einmal wirtschaftlich so stark gemacht hat. Denk doch mal an die Unterhaltungsindustrie. Schlagartig alles weg - an Japan verloren. Hat wohl Ende der Sechziger angefangen. Anstatt innovativ zu sein und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen