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Bis dass der Tod uns scheidet Kriminalroman von Mosley, Walter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Bis dass der Tod uns scheidet

Leonid McGill kennt sich aus in den Straßenschluchten New Yorks und in den dunklen Winkeln der menschlichen Seele. Und dennoch hat er den Glauben an das Gute nicht verloren. Deshalb ist er auch bereit, einer schönen jungen Frau in Not zu helfen, obwohl ihre Geschichte mehr als zweifelhaft ist. Chrystal ist die dritte Frau von Cyril Tyler, einem der reichsten Männer New Yorks. Cyrils Ex-Frauen sind beide auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Und nun hat Chrystal Grund anzunehmen, sie sei die nächste. Leonid McGill soll sie vor dem scheinbar besiegelten Schicksal bewahren. Er sagt zu - obwohl er eigentlich genug Ärger am Hals hat: Sein Lieblingssohn Twill sitzt mal wieder in der Klemme, sein bester Freund kämpft mit dem Krebs, seine Frau hat einen neuen Lover und ein alter Freund seines Vaters, ein mächtiger Mann in der Unterwelt New Yorks, zwingt Leonid, tiefer in die eigene Vergangenheit abzutauchen, als ihm lieb ist. Aber wenn eine verzweifelte Frau mit einer Tasche voll Geld seine Hilfe braucht, steht Leonid McGill bereit - auch wenn sie womöglich gar nicht diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Walter Mosley, geboren 1952 in Los Angeles, wurde mit seinem ersten Roman schlagartig bekannt: Teufel in Blau wurde nicht nur von Präsident Clinton zur Lektüre empfohlen, sondern auch mit Denzel Washington erfolgreich verfilmt. Seitdem ist jedes seiner Bücher ein New York Times-Bestseller. Walter Mosley lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 379
    Erscheinungsdatum: 13.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518778609
    Verlag: Suhrkamp
    Serie: Leonid McGill 3
    Originaltitel: When the Thrill is Gone
    Größe: 2172 kBytes
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Bis dass der Tod uns scheidet

1

Irgendwo außerhalb meines Sichtfelds stöhnte ein Mann erbärmlich. Es hörte sich an, als hätte er all seine Kraft verbraucht und läge nun im Sterben.

Ich konnte allerdings nicht aufhören und nachschauen, was das Problem war. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, den harten Magen der Boxbirne rhythmisch zu bearbeiten. Diese luftgefüllte Lederblase schlug schneller gegen die Platte, an der sie baumelte, als jeder Basketball, den die NBA sich nur vorstellen konnte. Nichts auf der Welt wirkt beruhigender, als um drei Uhr nachmittags die Boxbirne zu bearbeiten, wenn die meisten anderen Arbeitnehmer noch in ihren Kabuffs hocken, von der Rente träumen, auf den Samstag hoffen oder sich unterirdisch in U -Bahn-Waggons gepfercht wiederfinden, während sie auf Ziele zurasen, die sie sich nicht ausgesucht haben.

Im Kampf gegen die Boxbirne, erst mit den behandschuhten seitlichen Handballen, dann mit einem eingestreuten geraden Punch zur Abwechslung, schärft man seine Fähigkeit, durchzuhalten, so lange wie man nur kann – so nah ran wie möglich, aber ohne sich die Birne ins Gesicht knallen zu lassen. Und wenn dann der harte Ledersack sich schneller bewegt, als das Auge es fassen kann, fangen Hüfte und Waden, Nacken und Kopf an, sich unerwartet schnell und flüssig zu bewegen, unbeirrbar über alle Hindernisse um sie herum hinweg, und man ermüdet den imaginären Gegner mit der Unausweichlichkeit der Zeit.

Und wie Ihnen jeder Boxer sagen kann, wird Zeit immer knapp.

Jeder, der mit dir in den Ring steigt, ist größer und stärker, ist das größte Problem, das du je in deinem Faulenzerleben hattest , hatte Gordo immer gesagt, als ich noch ein junger Mann war, wie verrückt schwitzte und dachte, ich würde eines Tages Profiboxer werden. Die einzige Chance, die du hast, du machst ihn mürbe, die Fäuste stampfen wie Kolben, dein Kopf ist ständig in Bewegung. Du setzt Schädel und Schultern ein, Speckwanst und Spucke, alles, was du hast, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und die ganze Zeit über bearbeitest du ihn mit den Fäusten, bis die gar nicht mehr wissen, wie man aufhört.

"Gib mir noch vier."

Ein schmerzliches Aufstöhnen. "Ich kann nicht mehr!", flehte die körperlose Stimme.

"Noch vier!"

Die Anstrengung im darauffolgenden Grunzlaut klang ganz nach einem Mann, der seine Eingeweide auskotzt.

"Meine Brust!", schrie er. "Tut weh!"

"Du wirst schon nicht sterben", versprach ihm sein Folterer. Es hörte sich wie ein Racheschwur an, nicht wie eine Beteuerung.

Ich senkte meine zitternden Arme, ohne in die Richtung der beiden zu schauen, und ging zur Dusche. Schmerzen haben im Trainingslager der Gladiatoren keine Bedeutung, ebenso wenig wie Blut oder blaue Flecken, gebrochene Nasen oder Gehirnerschütterungen, Bewusstlosigkeit oder gar – ab und zu – Tod.

In letzter Zeit duschte ich dreimal am Tag eiskalt. Nur diese belebende Kälte, dazu die Arbeit an der Boxbirne und das tägliche Zählen der Atemzüge hielten mich davon ab, den Verstand zu verlieren. Mit fünfundfünfzig stellte ich fest, dass das Leben zwar weiterging, aber die Probleme weiter wuchsen und die Lösungen nur dazu dienten, alles noch schlimmer zu machen.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Fall, was bedeutete, dass kein Geld hereinkam. Wenn ich eine Arbeit fand, dann bedeutete das nur, dass jemand auf die eine oder andere Weise – manchmal auf beide– zu Schaden kommen würde. Und selbst dann konnte es passieren, dass ich meinen Lohn als Privatschnüffler nicht bekam.

In meiner Wohnung im zehnten Stock lag ein guter F

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