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Blindes Blut Kriminalroman von Fritsch, Heike M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Blindes Blut

Miriams und Boris' Mutter ist spurlos verschwunden als sie beide Kinder waren. Jetzt werden sie mit der Gewissheit konfrontiert, dass sie damals ermordet wurde. Zur gleichen Zeit wird ein Mann vor der Wohnung der Geschwister überfahren; ein unbekannter jüngerer Bruder, wie sich herausstellt. Miriams Nachforschungen führen sie zu ihrer Großmutter, einst Blutgruppenforscherin im Dritten Reich - und zu einer Gemeinschaft, die auch heute noch gefährlich werden kann ...

Heike Maria Fritsch wurde in Osnabrück geboren, hat dort Abitur gemacht und in der Nachbarstadt Münster studiert. Das erste Geld verdiente sie neben dem Studium in Musikclubs und Schallplattenläden. Direkt nach dem Studium absolvierte sie eine Journalistenschule. Sie hat in einer Werbeagentur und in Journalistenbüros gearbeitet, bevor sie sich als Journalistin bei einer Stadtverwaltung bewarb. Sie arbeitet in der Pressestelle dieser Großstadt. Sie hat eine Tochter allein großgezogen und zwei Bücher geschrieben, von denen das zweite jetzt vorliegt und das erste auf ewig in der Schublade bleibt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 440
    Erscheinungsdatum: 02.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839244777
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 6595kBytes
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Blindes Blut

Elisabeth, Karfreitag 1945

Hundskalt war es wieder geworden und die Häftlingsschreibstube nachts nicht geheizt. Elisabeth rieb sich die Hände und spannte Papier und Durchschlag ein weiteres Mal in die Maschine. Schon auf zwei Bögen hatte sie sich vertippt, das durfte jetzt nicht wieder passieren. Sie kam ohnehin in Erklärungsnotstand, wenn man sie hier fand. Als Ärztin des Reichsgesundheitsamtes stand sie zwar unter niemandes Befehl, aber nachts in der Schreibstube würde auch sie Fragen beantworten müssen. Außerdem war die SS nervös, denn die Engländer standen schon bei Osnabrück, keine 200 Kilometer vor Bergen-Belsen. In den letzten Wochen waren immer wieder englische Luftaufklärungsflugzeuge über das Lager geflogen. Inzwischen herrschte hier völliges Chaos. Es gab Blocks und neuerdings auch Zelte, in denen waren Menschen wie Sardinen in der Dose eingepfercht, dicht an dicht, zum Teil auf dem nackten Boden, so geschwächt, dass sie ihre Notdurft unter sich verrichteten. Wenn sie morgens hier das Lager betrat, schlug ihr der Geruch eines Affenhauses entgegen. Ein paar Stunden später, so wie jetzt, hatte sie sich daran gewöhnt. Aber nachts, zurück in ihrem Zimmer, musste sie die Nase spülen, sonst verfolgte sie der Gestank. Sie träumte ohnehin immer wieder davon, über die Lagerstraße zu fahren, auf den Ausgang zu, ohne ihn je zu erreichen. Festzustecken.

Nur einige Häftlinge versuchten, noch so etwas wie Ordnung herzustellen, lüfteten, säuberten die Baracken, entlausten die Kleidung, isolierten die Kranken. Besonders Kinder wurden so weit als möglich von Häftlingen versorgt, die in der Küche oder im Krankenrevier arbeiteten, so wie Xavier. Der Häftlingsarzt war stolz darauf, dass dieser Rest Menschlichkeit gelang. Es hielt ihn am Leben. Deshalb konnte sie ihm nicht die ganze Wahrheit sagen.

Um wieder warm zu werden, stand sie noch mal auf und prüfte, ob die Decke am Fenster so befestigt war, dass kein Lichtschein hindurchdrang. Dann rückte sie den Stuhl wieder an die Schreibmaschine. Ihr letzter Versuch lag noch da, getarnt von Listen mit Blutgruppenbestimmungen. Sie legte das Blatt neben die schwere Triumph und fing zu tippen an:

Liste 1, Transportliste des abgehenden Transportes vom 30. März 1945

Und jetzt musste sie sich konzentrieren.

Wenn sie Glück hatte, würde morgen nur die Liste geprüft und kaum ein Blick auf die Kinder hinten im Pritschenwagen geworfen. Deshalb sollte die Aufstellung einwandfrei sein. Sie tippte langsam und bedächtig Namen für Namen ihren handschriftlichen Entwurf ab. Es war nicht leicht gewesen, sich die Namen auszudenken. Bei falschen Namen neigte wohl jeder zu Stereotypen. Aber die Namen mussten falsch sein, denn mit ihren Geburtsnamen wären die Kinder nachzuverfolgen. Die Kennkarten mit dem Blutgruppenstempel waren schließlich noch hier. Sie war schon bei Jonathan angelangt, da verdrehte sie die Buchstaben. Jonta stand da. Mist. Mit letzter Willenskraft kämpfte sie den Impuls nieder, auf die Maschine einzuschlagen und das Blatt herauszureißen. In ihrem Rockbund steckten schon zu viele Versuche.

Sie legte ihre Hände bewusst in den Schoß, atmete tief durch und wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Sie konnte nicht die ganze Nacht hier verbringen, das wurde immer gefährlicher und außerdem brauchte sie wenigstens ein bisschen Schlaf. Der Tag morgen würde anstrengend genug. Also stand da jetzt Jonta. War das wirklich so schlimm? Sie tippte den Geburtsort Amsterdam dahinter. Die Holländer hatten oft seltsame Namen. Das würde schon gehen. Es war wichtiger, fertig zu werden. Ihre Liste konnte so perfekt sein, wie sie wollte. Es war tr

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