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Blumentod Roman von Langner, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Blumentod

In 'Blumentod' liefert Maria Langner einen beklemmenden Psychospannungs-Roman um Lügen, Manipulation und Verrat. Raffiniert und abgründig verbinden sich drei Geschichten: die Ermordung von acht weiblichen Mitgliedern einer mysteriösen Sekte in der Eifel, das Schicksal einer unauffälligen Frau mit dem falschen Namen Amy Maiwald und das Leben eines einfachen Friedhofsgärtners, der eine Reihe von Blumenzeichnungen hütet wie einen Schatz. 'Sie dachte an das, was Bozanski ihr für so einen Fall mit auf den Weg gegeben hatte: Schweigen, sie musste eisern schweigen, um die Gemeinschaft zu schützen. ?Zuerst möchte ich dich fragen, ob du mir deinen Namen verraten willst?, fragte der Polizist. ?Amaryllis?, hauchte sie. ?Haben die anderen Frauen auf dem Hof auch so schöne Blumennamen?? Sie schwieg. Und dann sagte der Kommissar, dass sie auf dem Hof acht tote Frauen gefunden hätten.' Amaryllis, Rose, Veilchen - hinter diesen poetischen Namen verbergen sich in Maria Langners Psychodrama beklemmende Schicksale. So entfaltet sich in 'Blumentod' eine außergewöhnlich fesselnde Romanhandlung um Machthunger und die Sehnsucht nach Liebe, um Gier, Flucht und Angst. 'Maria Langner' ist das Pseudonym der Autorin Barbara Wendelken. Geboren in der Nähe von Bremen, lebt Wendelken heute mit ihrem Mann in Ostfriesland. Seit 1993 schrieb sie mehr als dreißig Kinderbücher, zwölf Kriminalromane, zwei Hörspiele und diverse Kurzgeschichten, die eine Gesamtauflage von über fünfhunderttausend Büchern erreicht haben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994156
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 4951 kBytes
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Blumentod

1

Amy

In meinem Pass steht, dass ich Amy Maiwald heiße und dreiunddreißig Jahre alt bin, geboren am 14. Februar, ausgerechnet am Valentinstag, dem Tag der Verliebten. Das ist gelogen, genau wie die Geschichte, dass mein Geburtsort irgendwo in Südafrika liegt und meine Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Ebenso wenig stimmt es, dass ich den Rest meiner Kindheit in verschiedenen Heimen verbringen musste. Lügen, nichts als Lügen. Mein Leben ist ein Haus, das auf Treibsand gebaut wurde. Eines Tages wird es über mir zusammenbrechen.

Aber nicht heute.

Ich stehe in dem weiß gefliesten Waschraum, lasse kaltes Wasser über meine Handgelenke laufen und beäuge mich kritisch in dem Spiegel, der über der langen Reihe von Waschbecken angebracht ist. Das kalte Licht hier ist wenig schmeichelhaft, es raubt mir den letzten Rest von Farbe. Als wäre nicht ohnehin schon alles an mir zu blass geraten. Sei es das hellblonde, fast schon weiße Haar, meine Haut, die im Sommer kaum Bräune annimmt, oder meine Augen, die die Farbe von Aquamarin haben, dieses silbrige, beinahe durchscheinende Blau.

Ich trage meist flache Schuhe und habe mir einen leisen, huschenden Gang angewöhnt. Meine Kleidung ist unauffällig. Heute habe ich mich für eine weit geschnittene Baumwollhose und eine hüftlange Strickjacke entschieden, die weder zu den sommerlichen Temperaturen noch zu dem Anlass passt, der mich hergeführt hat. Das Grau der Wolle betont unvorteilhaft die Schatten unter meinen Augen und lässt mich noch bleicher aussehen.

Er wird enttäuscht sein, wenn er mich sieht.

Für einen Moment frage ich mich, warum ich das eigens für diesen Tag gekaufte Kleid aus sonnengelber Baumwolle im letzten Moment zurück in den Schrank gehängt habe. Als würde ich die Antwort nicht kennen.

Ich darf nicht auffallen, und die nette Verkäuferin hat voller Begeisterung gerufen, dass ich in dem Kleid förmlich aufleuchten würde, "... als wäre die Sonne aufgegangen". Ein letztes Mal mustere ich die unscheinbare Frau im Spiegel, die keinen zweiten Blick wert ist, und wünsche ihr alles Glück der Welt, dann verlasse ich die Damentoilette und suche mit gesenktem Kopf nach einem Platz auf einem der unbequemen Metallstühle in der Ankunftshalle des militärischen Flughafens Köln-Wahn, der direkt neben dem zivilen Flughafen liegt.

Heute ist Sonntag, der 8. Juni, und ich warte hier auf meinen Mann. Als Marco und ich kurz vor Weihnachten geheiratet haben, kannten wir uns gerade mal vier Wochen. Vierzehn Tage später musste er nach Afghanistan. Verrückt, ich weiß, verrückt, aber wunderschön. Wie ein Märchen, das einzige Märchen, in dem ich jemals die Prinzessin sein durfte. Damals zweifelte ich nicht eine Sekunde, dass nichts uns jemals wieder trennen könnte.

Das möchte ich immer noch glauben, auch wenn ich mir nicht mehr so hundertprozentig sicher bin wie bei Marcos Abflug. Ein halbes Jahr ist eine lange Zeit, und die wenigen Wochen, die wir miteinander verbracht haben, verblassen bereits in meiner Erinnerung. Manchmal muss ich sogar das Hochzeitsfoto anschauen, um sein Gesicht vor mir zu sehen, sein ganz besonderes Lächeln, und dann muss ich mir eingestehen, wie fremd dieser Mann mir in Wirklichkeit ist.

Vielleicht fühle ich mich deshalb so merkwürdig, als würde ich an einer Klippe stehen und runter aufs Meer schauen, das tief unter mir brodelt und kocht und hohe Wellen schlägt - ein bedrohlicher Anblick, wild und gleichzeitig wunderschön. Ich starre wie gebannt auf das tobende Wasser, unfähig, mich von der Stelle zu rühren, obwohl der Boden unter meinen Füßen langsam abbröckelt und mir längst klar ist, dass ich abstürzen werde. Die Steine unter meinen Fußsohlen bewegen sich bereits, und doch bleibe ich wie angewurzelt stehen.

Was ist mit mir los? Woher kommen diese verrückten Gedanken? Ich habe diesem Tag entgegengefiebert, zwei Wochen Urlaub genommen, damit wir keine M

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